Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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DIE ARBEITEN IN DER WERKBUND-AUSSTELLUNG

DIEWOHNUNG

STUTTGART, 23. JULI - 9. OKTOBER 1927

Die Bauten konnten seitens der Stadt erst am
1. März vergeben werden. Das Gelände ist sehr
bewegt. Trotzdem wird am 23. Juli eröffnet wer-
den, da großenteils Trockenbauweisen zur An-
wendung kamen und das gute Wetter den Fort-
gang der Arbeiten begünstigte. Zur Zeit (Ende
Juni) wird natürlich noch fieberhaft gearbeitet.
In dem großen Block Mies van der Rohes (4 Häu-
ser, 24 Wohnungen), werden die leichten Zwi-
schenwände gezogen. Der Bau besteht aus ein.em
Eisengeripppe mit Bimsblockausmauerung und
Massivdecken. Jede Wohneinheit bildete zunächst
einen großen Raum mit durchlaufenden Fenster-
bändern an beiden Längsseiten, Installationen an
der Treppenhauswand. Die Zwischenwände kön-
nen beliebig gezogen werden, so daß sich verschie-
denste Grundrißmöglichkeilen für die gleiche
Wohneinheit ergeben. Praktisch wird dies in der
Ausstellung dadurch erwiesen, daß eine Reihe von
deutschen und schweizerischen Architekten Woh-
nungen im Block van der Rohe mit verschiedenen
Grundrissen einrichten. Der Block hat Zenlral-
waschküche, Trockenräume, Dachgärten, Boden-
räume und weite Keller.

Zwei Mietshäuser mit insgesamt 12 Wohnungen
baut Peter Behrens (Bimshohlblockmauerwerk).
Der Bau fällt durch sehr geräumige Terrassen auf.
Neben mehreren deutschen besorgen österreichi-
sche Architekten die Ausstattung der Wohnungen.
Reihenhäuser bauen J. J. P. Oud (5 Kleinwohnun-
gen in Belon, Bauweise Kossei), Mart Slam (E.sen-
beton mit Bimshohlblöcken, 3 Wohnungen) und
Josef Frank (2 Wohnungen, Feifelsleinmauer-
werk; eins in allen Teilen als Gashaus, eins als
Elektorhaus installiert).

Einzelhäuser bauen Victor Bourgeois, Adolf
Schneck (2 Bauten), Le Corbusier mit Pierre
Jeanncret (3 Bauten, Eisen- und Füllmauerwerk,
auch die Möbel zum Teil aus Eisenbeton), Walter
Gropius (2 Wohnungen), Ludwig Hilberseimer,
Hans Poelzig (Bauweise Finitram), Bruno Taut
(Thermosbau), Richard Docker (2 Bauten in Tek-
ton bzw. Zickzackbauweise), Max Taut (2 Häu-
ser; Thermosbau mit bunten Platten bekleidet),
Adolf Rading und Hans Scharoun (je 1 Haus in
Thermosbau mit Bimsdielenverkleidung).
Schon jetzt sind die meisten Häuser verputzt oder
verkleidet. Zweifellos wäre es interessant gewesen,
die Ausstellung schon wälirend des Baues der
Öffentlichkeit zugänglich zu machen, doch hätte
sich dies aus technischen Gründen nicht durch-
führen lassen. Die einzelnen Bauweisen werden
daher auf dem an die Siedlung anschließenden
Versuchsgelände erläutert. Dort finden auch

einige transportable Bauten — darunter ein Stahl-
haus und ein Frankfurter Montagehaus — Auf-
stellung.

In den Hallen werden alle Einbauten niedergelegt,
um eine große freie Übersicht zu schaffen. Alle
Räume werden hell gestrichen. Die Beschriftung
wird einheitlich durchgeführt, und zwar in der
Weise, daß die einzelnen Ausstellergruppen durch
verschiedene Farben unterschieden sind.
In der Hauplhallc sind sämtliche großen Firmen
der Elektrizitätsindustrie und des Gasfachs ver-
treten. Ferner werden die sanitären Einrichtun-
gen und die verschiedensten Heizungssysteme vom
eisernen Ofen bis zur elektrischen Sonne dort
untergebracht. Auf der Empore befindet sich der
Ausstellungsraum der Stadt Stuttgart, sowie ein
geräumiger Lese- und Ruhesaal, in dem die wich-
tigste einschlägige Literatur aufliegt. In einer be-
sonderen Gruppe werden Küchenmöbel und
Küchen-Einrichtungsgegenstände (Geschirr, Glas,
Porzellan) Aufstellung finden, außerdem Metall-
möbel. Die Anbauten der Gewerbehalle werden
in gleicher Weise in lichten Farben neu herge-
richtet. Hier werden die Musterküchen aufgebaut,
die zum Teil dauernd in Betrieb sind. Der Kon-
zern der Deutschen Linoleum-Industrie hat eine
besondere Halle belegt, in einer anderen Halle
werden neuartige Lösungen der Verwendung von
Spiegelglas und Sperrholz für den Innenausbau
der Wohnung gezeigt. Ein wichtiges Gebiet ist
das der lichtechten Stoffe, dem die Halle der
I. G.-Industrie gewidmet ist. Ein weiterer Raum
wird eine Auswahl der besten Textilien für die
Wohnungsausslatlung enthalten. Ferner sind
Räume belegt von der Württ. Möbelindustrie,
deren Halle durch Prof. Pankok im Sinne des
Ausstellungsprogramms ausgestaltet wird, von der
Tapelenindustrie, den Gardinenl'abriken und dem
Verband Deutscher Gardinenwebereien.

Das Material für die Internationale Plan- und
Modellausstellung Neuer Baukunst trifft nach und
nach ein. In Belgien hat sich Prof. Henri van de
Velde um die Sammlung des Materials bemüht. In
Italien Prof. Papini und Baron von Biilow von
der Deutschen Botschaft, in Holland .1. J. I'. Oud,
in Frankreich Le Corbusier, in der Schweiz Prof.
Moser, in Rußland Prof. Lissitzky. In Amerika
sammelten Friedrich Kiesler, Richard J. Neutra
und Knut Lönberg-IIolm. Auch Österreich, die
Tschechoslowakei und Skandinavien werden ver-
treten sein.

Die deutschen Teilnehmer werden durcli Mies van
der Rohe eingeladen.

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