Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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Wünschen aller derer entgegen, die ihre
Wohnung aus dem Geist der Zeit heraus
gestalten wollen und denen nicht die Mittel
zur Verfügung stehen, um sich mit hand-
werklichen Einzelstücken von ganz besonde-
rer Prägung zu umgeben. Hier ist das

Möbel gefunden für die neu in der Bildung
begriffene Schicht des geistig hochstehen-
den Menschen unserer Zeit, für den einfach
zu leben nicht einen unwillkommenen
Zwang, sondern inneres Bedürfnis bedeutet.

W. Biezler

SPIEGEL UND KLEIDERLEISTE

SERIENFABRIKATION IN SILBER

Die Wiederholung gleicher Stücke und die
Verwendung von Einzelteilen, die in Formen
gepreßt werden, ist bei der Herstellung von
Silbergegenständen nicht erst eine Begleiter-
scheinung der maschinellen Verfertigung.
Bereits der Goldschmied des früheren Mit-
telalters hat Holzformen, sogen. Modeln, be-
sessen, in die er das Silberblech mit Hilfe von
Blei hineinschlug. Diese schablonenmäßige
Wiederholung erstreckte sich aber nur auf
die Fertigung getriebener Einzelteile in or-
namentalen oder figürlichen Darstellungen.
So sind z. B. bei dem silbernen Ciborium in
Lüdinghausen i. Westf. die ornamentalen
Zwischenfüllungen auf dem Fuß zwischen

den aufgenieteten Medaillons so hergestellt,
daß das Blech des Fußes selbst viermal in
dieselbe Holzform hineingeschlagen worden
ist, so daß genau gleiche Ornamentzwickel
entstanden sind. In der Empirezeit wurde
dann zur Herstellung aufgelöteter Schmuck-
formen die Stanze zu Hilfe genommen. Die
silbernen Ornamentteile wurden ebenso her-
gestellt wie die Möbelbeschläge. Bald ging
man dazu über, größere Teile von Gefäßen,
ja ganze Teller und Brotkörbe zu stanzen.
Auf der Deutschen Gewerbeschau 1922
waren sehr schön die mit alten Stanzen der
Fa. Bruckmann, Heilbronn, hergestellten
Silberwaren zu sehen. Aber nicht nur die

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