Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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TÖPFEREIEN

Werkstätten Burg Giebichenstein, Kunstgewerbeschule Halle

DIE KUNSTGEWERBESCHULEN
DER KLEINEREN STÄDTE

Man kann nicht behaupten, daß die Umge-
staltung der Kunstgewerbeschulen, die in
den letzten Jahrzehnten von den Behörden
mit großer Tatkraft und auch unter leb-
hafter Anteilnahme der Öffentlichkeit ins
Werk gesetzt worden ist, bereits bis zu
Ende durchgeführt werden konnte. Noch
immer gibt es nicht wenige Schulen dieser
Art, an denen von dem neuen Geiste noch
recht wenig zu spüren ist, und auch von den
bedeutendsten ganz im neuen Sinne gelei-
teten Schulen geht die eine diesen, die
andere jenen Weg. Dies kann nicht
gut anders sein, da ja immer noch
in der Frage, welche Bedeutung dem
Kunstgewerbe in unserer Zeit zukomme,
keine Einigkeit erzielt ist. Man wird höch-
stens das eine sagen können: an die Frucht-
barkeit einer scharfen Trennung zwischen
Kunslgewerbeschule und „Akademie", d. h.

Schule für „hohe" und „freie" Kunst,
glaubt heute niemand mehr. Der Vereini-
gung der beiden Typen, wie sie zuerst von
Bichard Biemerschmid in München vergeb-
lich angestrebt wurde, dann von Geheimrat
Wactzold für die Berliner Kunstschulen
und von Biemerschmid für die Kölner
Werkschulen verwirklicht worden ist,
scheint in der Tat die Zukunft zu gehören.
Die Frage ist nur die, ob es möglich und
sinnvoll ist, diesen Typus nun überall, auch
in den kleineren Städten, die bisher nur eine
Kunslgewerbeschule, keine Akademie beses-
sen haben, durchzuführen, ob es nicht viel-
mehr richtiger ist, nur in wenigen großen
Städten, die als Mittelpunkte des Kunst-
lcbens gelten können, derartige Kunst-
schulen zu errichten und die Kunstgewerbe-
schulen in den kleineren Städten in reine
gewerbliche Fachschulen umzubilden. Nur

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