Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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EINE STRASSE MIT DEN HOLZHÄUSERN / ENTWURF: RICHARD RIEMERSCHMID

chen Firma angewendet werden sollte, abgelehnt.)
Das Bezirksamt fand hierbei Unterstützung durch
mehrere Verbände, die in der Sache um ein Gut-
achten angegangen waren. In diesen Gutachten
wurde mit deutlicher Ironie von der Gefahr der
„Verwürfelung" des Isartales gesprochen.
Es liegt im öffentlichen Interesse, darauf hinzu-
weisen, welche Gefahr einer gesunden Entwick-
lung der Baukunst droht, wenn immer noch in
eigensinniger Weise Grundsätze geltend gemacht
werden, von deren Unrichtigkeit man sich doch
eigentlich längst hätte überzeugen können. Die
Theorie von der „heimischen Bauweise", deren
Wahrung allein die Schönheit einer Stadt oder
einer Landschaft gewährleistet, ist eine Erfindung
der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, also
der baukünstlerisch sterilsten Zeit, die es jemals
gegeben hat. Solange die Baukunst lebendig war,
hat es solche Grundsätze nicht gegeben. Noch in
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man
sich um die „Bodenständigkeit" den Teufel ge-
kümmert, und dieser Unbekümmerlheit verdankt
z. B. München einen großen Teil seiner ba,»u-
künstlerischen Eigenart und Schönheit. Umge-
kehrt sind zahllose alle Städlebilder nach 1880

dadurch rettungslos vernichtet worden, daß man
der heimischen Bauweise zuliebe schlecht und
charakterlos baute.

Wenn heute in der Baukunst neue Formen empor-
wachsen, so ist das kein Zeichen von Neuerungs-
sucht und modischer Verrannlheit, sondern die
Folge sozialer und wirtschaftlicher Umschichtun-
gen, technischer Entwicklungen usw. Es hilft
nichts, wenn man sich dagegen sträubt. Diejenige
Stadt wird am besten fahren, die dafür Sorge
trägt, daß die stärksten und lebendigen Talente
Gelegenheit haben, sich frei zu entfalten und aus
den Bedingungen der Zeit heraüs zu bauen. Dann
entsteht lebendige Form, und nur diese wächst mit
der Umgebung zu einer echten Einheit zusammen.
Im übrigen mögen die Abbildungen des Riemer-
schmidschen Entwurfs zeigen, daß auch die
Arbeitsbedingungen der „Hausfabrik" eine leben-
dige Wirkung ermöglichen, und daß auch eine
größere Gruppe von derartigen gleichgeformten
Häusern bei richtiger Aufstellung einen erfreu-
lichen Anblick zu bieten vermag. Vielleicht würde
eine solche Straße sogar besser aussehen, als manch
eine, deren Bebauung so recht nach den Regeln
des Heimschutzes von sich ging. W. R.

Ausstellung 1930 „Die neue Zeit"

Nach einer allzu lebhaften Anteilnahme der Presse
an den Vorbereitungen zu der vom Werkbund ge-
planten Ausstellung ist seit einiger Zeit ein Still-
schweigen eingetreten, das wir im Interesse einer
ruhigen Weiterentwicklung der Sache sehr be-
grüßen. Nur um der Meinung zu begegnen, als
stünden der Verwirklichung des Werkbundplanes
ernste Schwierigkeilen entgegen, sei bemerkt, daß
m andauernden Verhandlungen mit den zur Aus-
stellung heranzuziehenden Verbänden die Vorbe-
reitungen gefördert werden.

Bundestag des D. B. A. in Halle

Außer der Vorstandswahl, in der sich — wenig-
stens andeulungswcise — die Einstellung auf neue
Verhältnisse ausdrückte, galt die Einberufung
eines außerordentlichen Bundestages der Behand-
lung von Fragen, die auf der Düsseldorfer Tagung
z. T. erstmalig aufgetreten waren und so entschei-
dende Bedeutung hatten, daß sie rasch geklärt wer-
den mußten. Der Düsseldorfer Auftakt fand in
Halle seine Erfüllung. Der Bericht des Studien-
schusses für neuzeitliches Bauwesen, vorgetragen
in 3 Sachreferaten von Block-Hamburg (Typenbil-

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