Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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TAUENTZIENSTRASSE
FASSADE ERNEUERT DURCH BRÜDER LUCKHARDT UND ALFONS ANKER

sich, womit wir wohl rechnen dürfen, so
können wir es vielleicht noch erleben, daß
Straßenbilder, die bisher zu den fatalsten
gehörten, schließlich noch einen ganz er-
freulichen Anblick gewähren, und zwar
wird es zur Erreichung dieses Ziels keines-
wegs nötig sein, etwa diese Fassadengestal-
tung in ganzen Straßen einheitlich vorzu-
nehmen : vielmehr wird die sich aus der
Verschiedenheit der Fensterverteilung und
Stockwerkhöhe ergebende Abwechselung
und die Freiheit in der Wahl der Farbe nur
angenehm wirken können. Eine gewisse Ge-
fahr liegt nur in der Versuchung, an die
Stelle der allen Schmuckformen neuere,
„zeitgemäßere" zu setzen, — wofür wir in
einer unserer Abbildungen ein Beispiel
bringen.

Doch die Entwicklung ist hierbei nicht
stehengeblieben. Man ist bald dazu überge-
gangen, den Fassaden eine ganz neue Ge-
stalt zu geben. Zwei besonders bezeichnende
Beispiele bilden wir ab. Das eben erst fer-
liggewordene „Haus Herpich'' von Georg
Mendelsohn, in einer besonders unruhigen
und unerfreulichen Umgebung in der Leip-
ziger Straße, scheint uns eine der feinsten
Leistungen der zeitgenössischen Architektur
überhaupt zu sein. Das bis jetzt Vor-
handene ist allerdings erst nur ein Teil
des Mcnclelsohnschen Planes, der hoffent-
lich bald vollständig ausgeführt werden
kann. Hier sind nun nicht nur die
Schmuckformen entfernt, sondern die
ganze Fassade hat eine völlig neue Form
bekommen. Die Erker sind neu gestallet,

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