Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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KLEINER TISCHVENTILATOR

zu Anschluß an Gleich- und Wechselstrom
Siemens-Schuckert

nen aber volkswirtschaftlich, bevölkerungs- und
kulturpolitisch unendlich wichtigen Problems,
Baumethoden und Mittel ausfindig zu machen, die
dem derzeitigen unhaltbaren Zustande ein Ende
machen, daß zwar 'Wohnunsen gebaut werden,
aber die Mieten für diese Wohnungen von denen,
die es am meisten brauchen, niciit aufgebracht
werden können.

Nach den Erfahrungen, die man in den letzten
Monaten z. B. in Berlin mit der Behandlung des
sogenannten Chäpman-Pr'ojekts gemacht hat,
scheint es allerdings dringend an der Zeit zu sein,
daß eine von — sagen wir äußeren — Einflüssen
unabhängige Stelle es einmal unternimmt, die
Widerstände zu brechen, die sich ganz offenbar
allen Versuchen entgegenstellen, die beweisen sol-
len und — können, daß man billiger und besser
bauen kann, wenn man ,,gemeinnützig" anstatt
nur „eigennützig" kalkuliert. Versuche, die dann
auch beweisen werden, daß die noch bestehenden
Zwangsmaßnahmen auf dem Gebiete des Woh-
nungswesens überflüssig sind, weil das solide Bau-
kapital sich wieder am Hausbau beteiligen kann,
und daß diese Zwangsmaßnahmen zu einem nicht
geringen Teil dadurch erhallen werden, weil bei
der Vergebung der öffentlichen Mittel zahllose un-
kontrollierbare Einflüsse mitspielen, die viele Be-
werber um jene Mittel einlach von vornherein
ausschalten und die Mittel in ganz bestimmte
Kreise je nach der örtlichkeit, an der gebaut « er-
den soll, leiten, die dann eine Art -Monopol für
die Errichtung der Bauten und damit auch auf die
Gestaltung der Mieten dieser freien Bauten haben.
Wenn wir uns mit der Weißenhof-Siedluag be-

schäftigen, so geschieht es unter einem Gesichts-
punkt, von dem wir eigentlich dachten, daß er
überwunden sei, durch diese Siedlung aber leider
darüber eines schlechteren belehrt worden sind. —
Wir haben früher als großstädtische Wolmungs-
pflegerin reichlich Gelegenheit zu der Beobach-
tung gehabt, daß die meisten Menschen zwar eine
Unterkunft, ein Dach über dem Kopf, aber — be-
reits schon keinen Boden mehr unter den Betten
hallen, d. Ii., daß die Baukörper keine Wohnungen
enthielten, die dem Zweck, zu dem man Häuser
baut: zur gesundheitlich und sittlich einwand-
freien Unterbringung von Familien entsprachen.
In jenen A\ ohnungen fehlte es so ziemlich an
allem, was zur Erfüllung jener Forderung not-
wendig war, an Baum, Licht, Luft, Sonne, Neben-
gelaß usw. Es ist hier nicht der Ort, um sich über
die Folgen des außer acht gelassenen Zusammen-
hanges zwischen der geistig-seelischen Verfassung
eines Volkes, zwischen seiner körperlichen und
silIiichen Kraft, seiner staatsbürgerlichen Tugen-
den und seiner Wohnweise zu verbreiten; es lie-
ßen sich Bände darüber schreiben, von jedem, der
nur einen prüfenden Blick z. B. auf die Statistik
der Jugendkriminalität oder auf das Trinkerelend
getan hat.

In der Weißenhof Siedlung finden sich Bauten
verschiedenster Typen: Hochhäuser mit mehretagi-
gen Kleinwohnungen, zweigeschossige Mehrfami-
lienhäuser mit "Wohnungen bis zu fünf Zimmern
und Einfamilienhäuser. Wer diese Häuser ein-
gehend besichtigt, fragt sich erstaunt, ob denn an

DER PROTOS-STRAHLUNGSOFEN

dient zur Beheizung für einzelne Personen in den
Übergangszeiten

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