Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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PROTOS-KÜCHENHERD

Die Temperaturen werden durch Regelschalter in den ge-
wünschten Grenzen gehalten. Das darunterstehende Brat-
und Backrohr (elektrisch beheizte „Kochkiste") ist auch zum
Einwecken gut geeignet. (Geringer Stromverbrauch)

in einem anderen Hause gefunden, in dem die
Schlafzimmer am Tage zu Wohnzimmern herge-
richtet werden können. Hier befinden sich neben
dem Elternschlafzimmer durch eine halbhohe
Wand davon getrennt — Bad und Bidet!! Jedes
Kind, dessen Erfindungsgabe sich diese einzig-
artige Möglichkeit nicht zunutze macht, kann
nur aufrichtig bedauert werden. — In verschie-
denen Häusern konnte man bemerken, daß auch
nicht die geringste Möglichkeit bestand, einen nas-
sen Mantel, Gummischuhe, Begenschirme abzu-
legen, dabei handelte es sich um Familienwohnun-
gen; dafür gab es aber eine Terrasse von ca. zwan-
zig Quadratmetern. In denselben Wohnungen fan-
den sich wunderschöne Möbel, Kunstwerke in Ent-
wurf und Ausfuhrung — leider war unter den
Möbeln nicht ein einziger Waschtisch, und in der
sehr kleinen Badestube der einen Wohnung be-
fand sich nur ein sehr kleines Waschbecken, in der
zweiten Wohnung fehlte auch dieses. Wenn
Wohnungen eingerichtet vorgeführt werden, wie
das in der Weißenhofsiedlung weitgehend der Fall
ist, so scheint uns der Zweck nicht nur darin ,zu
liegen, daß man schöne Möbel zeigt, — die übri-
gens für die Bewohner dieser Häuser schon wegen
ihres Preises bestimmt nicht in Betracht kom-
men —, sondern, daß man die Beschauer über die
praktische Einrichtungsmöglichkeit belehrt, sie zu
Geschmack für die Befriedigung der Bedürfnisse
des täglichen Lebens erzieht, so wie es ist und
nicht so, wie es der Schönheitssinn des Herrn N. N.
in den luftleeren Baum konstruiert. Die Küche
ist in den gleichen Wohnungen bemerkenswert
lieblos und dürftig durchgeführt. In anderen
Küchen, die sonst gute Dimensionen, praktische
Baumeinteilung usw. haben, findet man jedoch

Fenster, die so hoch über einem derart breiten
angebauten Küchentisch liegen, daß jede normal
große Frau sie nur mit Hilfe eines Stuhles
öffnen kann. Fast nirgends sieht man zur Erleich-
terung des Lüftens Klapp- oder kleine Zwischen-
fenster, obgleich sie, solange nicht die elektrisch
betriebene Luftabsaugung allgemein üblich gewor-
den ist, aus den verschiedensten Gründen unent-
behrlich sind.

Wir enthalten uns jeden vorgreifenden Urteils
über die Bauten als Baukörper, aber als Wohnun-
gen — und nun gar Familienwohnungen — kön-
nen wir die meisten von ihnen nicht gelten lassen.
Nachdem wir diese Besultate konstruktiver Atelier-
arbeit gesehen haben, haben wir von der Reichs-
forschungsgesellscliaft verlangt, daß sie in Zukunft
für Neubauten keine Gelder gibt, wenn nicht
Frauen von Anfang an an der Durcharbeitung
und Beurteilung der Pläne mitgearbeitet haben,
denn das Wort scheint immer noch wahr zu sein:
„Was kein Verstand der Verständigen sieht,
das siehet in Einfalt ein kindlich Gemüt."

Dr. Marie-Elisabeth Lüders, M. d. B.

A. E. G.-HEISSWASSERSPEICHER

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