Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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allen Malerialgebieten. Keine Anhäufung von ben wie auch eine Technik, bei welcher die Hand-

Museumsstücken, sondern eine überaus gewählte arbeit den entscheidenden Einfluß auf die Form-
Darbielung. Räume wie jene, welche Architekt gebung hat. Man könnte auch von Handwerk im
Haffner für das alle Augsburg geschaffen hatte, subjektiven und im objektiven Sinn sprechen. Wo
konnten jedem Museum zu wertvoller Anregung ersteres gefördert werden soll, treten soziale Ge-
dienen. Auch die Seiterikojen der „goldenen sichtspunkte in den Vordergrund: Erhaltung selb-
Stadt", welche je eine Materialgruppe umschlos- ständiger Existenzen! Wo Handwerk im objek-
sen, waren mustergültig in Zusammenstellung und tiven Sinn gepflegt werden soll, handelt es sich
Anordnung der allen Stücke. Hier sah man die um das Arbeitserzeugnis: Erhallung einmaliger
edle Arbeit jener Zeiten, in denen die Zeit eine persönlicher Werle! Wie auf vielen Gebieten, so
untergeordnete Rolle spielte: die zehn- bis zwan- ist auch hier Begriffsklärung die erste Voraus-
zigfache Herstellungsdauer der Arbeitszeit, die Setzung für eine gegenseitige Verständigung,
heule im normalen Betrieb zur Verfügung steht. Die Bayerische Handwerksausstellung hat bestä-
entfiel auf die Leistungen jener alten Handwerker. ligt, was volkswirtschaftliche Untersuchungen seit

langem festgestellt haben. Handwerk als Wirl-

Der Begriff des Handwerks ist nicht eindeutig: schaftsform ist nur noch lebensfähig, wo es 'fedi-

er kann sowohl eine Wirtschaftsform umschrei- nik und Organisation des kleinindustriellen Betrie-

Ausstellung München
1927

„DAS BAYERISCHE
HANDWERK"

Raumgestaltung:
Prof.

Wolfgang v. Wersin

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