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Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 29.1918

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https://doi.org/10.11588/diglit.10022#0366

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350

INNEN-DEKORATION

JAGDSCHLOSS KRANICHSTEIN

MITTELPORTAL DER HOFSEITE

JAGDSCHLOSS KRANICHSTEIN BEI DARMSTADT

Der Wert von Gegenständen beruht nicht immer allein
in ihrer Form, die ihnen die glückliche Hand eines
Künstlers oder Handwerkers verlieh, Erinnerungen, Uber-
lieferung vermögen oft Unscheinbares zu adeln. Ihr An-
blick macht eine Vergangenheit lebendig, sie werden Zu-
gang, um von der Geschäftigkeit des Tages lange Zurück-
gedrängtes der Vergessenheit zu entreißen.

Vereinigt aber eine menschliche Schöpfung Über-
lieferung und Schönheit in sich, dann regt sie Phantasie,
Gestaltungskraft und unser Gemüt in gleicher Weise an
und wirkt mit den in ihr aufgespeicherten Reichtümern
der Vergangenheit schöpferisch anregend auf jede Gegen-
wart. — Aus diesen Erwägungen heraus hat sich der
regierende Großherzog von Hessen vor ungefähr einem
Jahr entschlossen, das nahe bei Darmstadt gelegene Jagd-
schloß Kranichstein in ein Museum für hessisches Jagd-
wesen der Landgrafenzeit umzuwandeln und der Allge-
meinheit zugänglich zu machen.

Reicht die geschichtliche Erinnerung, welche mit
Kranichstein verknüpft ist, bis ins Jahr 1399 zurück, da
ein Darmstädter Burgmann Henne Cranich zu Dirstein
das Einsiedel Rot am Messeler Weg zu Burglehen er-
hielt ; was heut dem Beschauer in Kranichstein als eine
lebendige Überlieferung entgegentritt, dankt seinen Ur-
sprung der großen Landgräfin Elisabeth Dorothea (1640
—1709), ihrem Sohne Ernst Ludwig (1688—1739) und
seinem Nachfolger, dem Landgrafen Ludwig VIII. (1739

—1769). Elisabeth Dorothea war es, die das Hofgut
zum Jagdschloß erhob und in den Mittelpunkt des ge-
samten Jagdwesens stellte. Damals wurde das noch be-
stehende Jagdzeughaus geschaffen und der Anlage die
heutige Form verliehen bis auf die Vorderfront, welche
dem 19. Jahrhundert der Regierungszeit Großherzogs
Ludwig III. entstammt.

Doch ein Jagdschloß tritt nicht gleich jedem anderen
Bau selbstherrlich der Natur gegenüber; wie der Wald
mit grünem Gerank das Gebäude in seine Arme zieht, so
fügt es sich willig der umgebenden Natur. Sie bildet
nicht wie bei anderen Schlössern nur den Rahmen, Haus
und Natur werden eine Einheit. Die Fenster, die Augen
des Bauwerks, erhalten erst Bedeutung durch die Schnei-
sen, die den Blick in schöne Weiten öffnen, und der mit
den Kronen seiner Bäume immer höher steigende Wald
umschließt auch für den von der Ferne Blickenden enger
und dichter das Schloß. Durch die Verknüpfung aber
von Bauwerk und Jagdrevier hält Schloß Kranichstein
vor allem die Erinnerung an einen der leidenschaftlichsten
Jäger aller Zeiten wach, an den Landgrafen Ludwig VIII.
Doch Landgraf Ludwig VIII. war nicht nur ein Jäger, er
war auch Freund der Künste, so beherbergt Kranichstein
in seinen Jagdbildern Schätze, die nun ihre Auferstehung
feiern. —

In zwei Perioden läßt sich die Jagdmalerei des Schlos-
ses teilen. Der ersten gehören an: Tobias Brachfeld,
 
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