Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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^kS®- NEUE DENKMALER - VERMISCHTES C&A

mundschaft regierte, sind als Nebenfiguren Herzog
Wratislaw IV. von Pommern (1309—1326), Hein-
richs Vormund und der Ritter Wedigo von Plotho,
der des jungen Fürsten Leben in der Schlacht von
Woltersdorf rettete, beigegeben. Die Gruppe ist
eine Schöpfung des Bildhauers August Kraus,
eines früheren Schülers von R. Begas. Die dritte
Gruppe, eine Arbeit von Professor Adolf BrCtt,
stellt König Friedrich Wilhelm II. (1786 1797) dar
und bringt als Nebenfiguren den Grosskanzler von
Carmer, der die preussische Justizreform und das
allgemeine Landrecht vollendet und eingeführt hat,
und den Philosophen Immanuel Kant. — Brütt hat
bereits die Gruppe Otto des Finnen oder Faulen
geschaffen. — Die vierte Gruppe endlich bringt ein
Doppelstandbild, das einzige der ganzen Denkmäler-
Anlage, die Brüder Johann I. und Otto III., die gemein-
schaftlich von 1220 an etwa viereinhalb Jahrzehnt
in grösster Harmonie regierten; ihre Nebenfiguren
zeigen die Büsten des Schultheissen und ersten
Bürgermeisters von Berlin, Marsilius und des
Probstes Simeon. Diese Anlage ist ein Werk des
Professors Max Baumbach in Berlin. — Dem
Tiergarten ist vom Kaiser ein neuer künstlerischer
Schmuck bestimmt worden. Die von Professor
Dr. Rudolph Siemering zur Ausschmückung der
Terrasse des Washington-Denkmals für Philadelphia
modellierten Tiergestalten, Elche, Hirsche, Büffel,
Rehe und Bären, werden eine nochmalige Aus-
führung in Bronzeguss erfahren, die Figuren sollen
sodann auf niedrigen Postamenten am Floraplatz
aufgestellt werden. I420]

= SOFIA. Für das hier vor der Sobranje mit einem
Kostenaufwande von 300000 Franken zu errichtende
Denkmal Kaiser Alexanders II. ist die Ausschreibung
zur Erlangung von Entwürfen jetzt erfolgt. Es ist
den Künstlern freigestellt, den Kaiser zu Fuss oder
zu Ross zu zeigen, als Nebenfiguren der Denkmals-
Anlage werden die Statuen des Grossfürsten Nikolaus
Nikolajewitsch, des Grafen Ignatjew und der Generale
Gurko und Skobelew gefordert. Die Einlieferung
der Alodelle in Sechstel-Grösse der gedachten Aus-
führung hat bis zum 1 13. September d. J. bei dem
Denkmal-Komitee (Vorsitzender Stojan Zaimow) zu
erfolgen. Als erster Preis gilt die Erteilung der
Ausführung des Denkmals; vier weitere Preise von
4000, 3000, 2000 und 1000 Franken sind in Aussicht
genommen. Die Fertigstellung soll bis zum Früh-
jahr 1904 erfolgen. \42l]

VERMISCHTES

* DRESDEN. Der Akademische Rat schreibt
unter sächsischen und in Sachsen lebenden Künst-
lern zwei Bewerbungen aus. Einmal sollen im Ge-
wandhause zu Bautzen zwei einander gegenüber-
liegende Wandflächen der Schmalseiten des Sitzungs-
saales mit Gemälden geschmückt werden, das andere
Mal soll die Stirnwand der Aula des kgl. Lehrer-
seminars zu Annaberg im Erzgebirge ein Gemälde
erhalten. Entwürfe im Masstab von 1:10 sind mit
einem Kennwort versehen, bis spätestens Mittwoch
den 4. Juli 1900, mittags 12 Uhr, an den Kastellan der
kgl. Kunstakademie in Dresden (Brühische Terrasse)
abzuliefern. Bei diesem können auch Bewerbungs-
bedingungen und Zeichnungen der Wandfläche, so-
wie des Grundrisses mit Massangaben entnommen
werden. Die Tiedge-Stiftung hat beschlossen, für
die in der Errichtung begriffene Jakobi - Kirche
in Dresden eine Bronzethür für 25000 M. herstellen
zu lassen. Es ist zu diesem Zwecke ein engerer
Wettbewerb zwischen den Dresdener Bildhauern:
Georg Grone, Hans Hartmann-Maclean, Richard

König, Ockelmann und Friedrich Offermann ein-
geleitet worden. — Im vorigen Jahre standen der
Tiedge-Stiftung bei einem Vermögen von 612003 M.
5 Pf. an Zinsen u. a. 79369 M. 58 Pf. zur Verfügung.
Davon wurden ausgegeben 13000 M. Abschlags-
zahlung an Max Klinger für die Ausführung der
Gruppe i Drama- in Marmor, 63 M. 5 Pf .für Instand-
haltung des Denkmals und der Grabstätte Tiedges
und 16 700 M. zu Ehrengeschenken und Unter-
stützungen, der Rest von 49606 M. 53 Pf. wurde
zur Deckung weiteren Bedarfs für künstlerische
Zwecke auf das Jahr 1900 verfügbar gehalten. Von den
16700 M. wurden gewährt 900 M. an Maler, 7000 M.
an Hinterlassene von solchen, 300 M. an Kupfer-
stecher, 1200M.an Hinterlassene von Kupferstechern,
1800 M. an Dichter und Schriftsteller, 1200 M. an
Hinterlassene von solchen, 1200 M. an Hinterlassene
von Bildhauern, 2900 M. an Hinterlassene von
Musikern. l395I

W.Sch. KIEL. Ein Verein zur Förderung der
Kunst-Arbeit in Schleswig- Holstein hat sich seit
kurzem hierselbstgebildet. Die unmittelbare Anregung
zur Begründung desselben gab die im Vinter 1898/99
in den Städten Kiel, Neumünster, Schleswig, Husum
und Itzehoe stattgefundene Wanderausstellung alter
und neuer Kunstwebereien, und diesen Zweig der
kunsthandwerklichen Arbeit, namentlich unter der
ländlichen Bevölkerung wiederzubeleben und die
Absatzgebiete derselben in erster Linie in der Provinz
selbst zu heben, ist das Ziel seiner Bestrebungen.
Der ganz überraschende Erfolg, den die gleichen
Bestrebungen im Anschluss an die alten Webetech-
niken in Skandinavien aufzuweisen hatten, gab die
naheliegende Veranlassung zur Prüfung der ver-
wandten Verhältnisse in der schleswig-holsteinischen
Provinz. Die Scherrebeker Schule, welche der
Gobelin-Weberei wieder einen ungeahnten Auf-
schwung verlieh, musste auf ähnliche Ziele er-
munternd wirken. So entstand der Plan zu den
Wanderausstellungen in der heimischen Kunst-
weberei, der die wohlwollendste Ermunterung in
massgebenden Kreisen fand, und der dann zu einer
Erweiterung der Thätigkeit des Vereins auf andere
Zweige der Kunstarbeit führte. Als Arbeitsprogramm
betrachtet der Verein, ausser den kunstgewerblichen
Ausstellungen innerhalb der Provinz, die beratende
Anleitung und Unterstützung tüchtiger Kunstarbeiter
und Kunsthandwerker, die direkte Erteilung oder
Vermittlung von Aufträgen zur Ausführung von
Kunstarbeiten, die Förderung und Unterstützung
schon bestehender und die Begründung neuer Kunst-
betriebe, vorkommenden Falles auch die Errichtung
von Unterrichtsstätten nach Massgabe der Vereins-
zwecke. Je nach dem Bedarf sollen die Einzelnen
zur künstlerischen Arbeit angeregt, zu Ausstellungen
herangezogen oder auch Bestellungen und Vermitt-
lung von Aufträgen oder Kommissionsübernahmen
gefördert werden. Mittelbar will der Verein auf diese
Art auch ein wirklich leistungsfähiges heimisches
Gewerbe gegen auswärtige Einflüsse und Konkurrenz
schützen. Ausser der Wanderausstellung von Webe-
reien veranstaltete der Verein im vergangenen Sep-
tember eine Ausstellung neuer kunstgewerblicher
Arbeiten, darunter Arbeiten in Schmiedeeisen von
Hummel (Flensburg) und Iden (Kiel), keramische
Arbeiten aus der Töpfereifabrik von Mutz in Altona
und Richter in Schleswig, Gobelins ausScherrebek,
Knüpfarbeiten aus Behrendorf und Kiel, nebst älteren
Arbeiten aus dem Thaulow-Museum. Für das lau-
fende Jahr ist eine grössere ähnliche Ausstellung
in der Provinz beabsichtigt. Ausserdem ist die Er-
richtung einer weiteren Kunstwebeschule (als ergän-
zende Anstalt zu der in Scherrebek) in Kiel geplant.

Redaklionsschluss: 24. März 1900. Ausgabe: 5. April 1900.

Herausgeber: Friedrich Pecht. — Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwartz.
Verlagsanstalt F. Bruckmann a.-g. in München, Nymphenburgerstr. 86. — Bruckmann'sche Kunst- und Buchdruckerei in München.
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