Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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-sr4^> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN <^s-*-

= BERLIN. Durch das am 25. März
erfolgte Ableben des Historienmalers
Professor Adolf Henning hat die
Berliner Akademie der Künste den Ver-
lust ihres seitherigen Seniors zu be-
klagen. Der Geschiedene erreichte das
hohe Alter von einundneunzig Jahren.
Am 28. Februar 1809 zu Berlin geboren,
besuchte Henning die hiesige Akademie
und war von 1824—1833 Schüler Wachs.
Nachdem der Künstler 1826 mit einem
Selbstbildnis debütiert hatte, dem einige
mythologische und biblische Bilder
(darunter das von uns i. H. 11 d.
XIV. Jahrg. nach dem Mandel'schen
Stich reproduzierte -Oedipus und Anti-
gone )sich anschlössen, ging er 1833 nach
Italien, das ihm in einem mehrjährigen
Aufenthalte die künstlerische Reife gab.
Auf das Bild eines ^Mädchen aus Frascati« (1838, im
Besitz der Nationalgalerie zu Berlin) folgten mehrere
historische und Genre-Kompositionen (zu nennen:
»Leichenzug in der Campagna«, 1844), bis sodann von
den fünfziger Jahren an die Hauptwerke des Künst-
lers erstehen: die in der Schlosskapelle zu Berlin
stereochromisch gemalten Evangelisten Lukas und Jo-
hannes, die Kolossalfiguren der damaligen preussi-
schen Provinzen im Weissen Saal des hiesigen
Schlosses und die mythologischen Wandbilder des Nio-
bidensaals im Neuen Museum. Das etwas kalte
und trockene Kolorit lässt diese durch korrekte
Zeichnung hervorstechenden Kompositionen heut-
zutage wenig anziehend mehr erscheinen; ein Um-
stand, der auch der jetzigen Beurteilung der zahl-
reichen, im übrigen trefflich modellierten Bildnis-
schöpfungen des Künstlers nicht günstig ist. Das
1889, also mit achtzig Jahren, gemalte Porträt des
Fürsten zu Solms-Baruch dürfte das letzte Zeugnis
für die Schaffensfreudigkeit gewesen sein, die den
jetzt Verewigten bis in das hohe Alter begleitete.

Der Bildhauer Professor Gustav Eberlein hat
eine neue, in der Auffassung eigenartige Bismarck-
statue vollendet. Den Pallasch unter dem linken
Arm haltend, einen weiten Mantel um die Glieder
geschlungen, steht die Figur dem Beschauer wie
eine geisterhafte, wachend und kampfbereit über
dem Vaterlande schwebende Gestalt gegenüber. In
einem zweiten Bildwerk variiert Eberlein das neuer-
dings von Harro Magnussen behandelte Motiv der
Darstellung des sterbenden Friedrichs des Grossen,
der aber hier nicht als Einzelfigur erscheint, son-
dern von dem Minister Grafen von Hertzberg ge-
halten wird. — Professor Max Koner ist beauf-
tragt worden, für die National-Galerie das Bildnis
des Professors Reinhold Begas zu malen. I43^]

= NÖRDLINGEN. Das Ergebnis des Wettbe-
werbs für einen hier zu errichtenden Brunnen mit
Kriegerdenkmal ist eine neue engere Konkurrenz
zwischen den jetzigen, mit gleichhohen Entschädi-
gungen bedachten Preisträgern, Bildhauern Jakob
Bradl und Georg Wrba, beide in München. 14431
FRANKFURT a. M. Zwei monumentale
Kunstschöpfungen, die zum Schmuck der deutschen
Abteilung auf der Pariser Weltausstellung aus hie-
sigen Werkstätten geliefert sind, waren in diesen
Tagen vor ihrer Versendung der allgemeinen Be-
sichtigung zugänglich. Eine nach einem Modell
von Professor F. Hausmann in Eisen geschmiedete
mächtige Gruppe, Adler und Drache miteinander
kämpfend, ist das eine der beiden Werke. Es ist
im Atelier von Gebrüder Armbruster ausgeführt
worden und wird an Ort und Stelle zum Schmuck des
Hofes im deutschen Hause dienen. Das andere ist ein

dreiteiliges Glasfenster, bestimmt für
die Halle desselben Hauses. Es ist aus
der Glasmalereianstalt von A. LOthi
hervorgegangen und stellt in reicher
Farbengebung einen Geharnischten zu
Pferde, den >wehrhaften Frieden' dar,
der, einen Palmzweig in der Hand
haltend, von allegorischen Frauenge-
stalten, der Industrie, den Künsten und
Gewerken, im Zuge begleitet wird. Ohne
Zweifel wird die Frankfurter Kunst und
Technik mit beiden Werken Ehre ein-
legen. H33!

W. H. ST. PETERSBURG. Am
24. März feierte der Lithograph Alex.
MOnster das sechzigjährige Jubiläum
seiner künstlerischen Thätigkeit. Als
er sich vor fünfzig Jahren etablierte,
war eine seiner ersten Arbeiten das von
dem bekannten russischen SchlachtenmalerW.Thimm
herausgegebene > Russische Kunstblatts eine Zeit-
schrift, die während des Krimkrieges von grosser
Bedeutung war und von den Kaisern Nikolaus I.
und Alexander IL protegiert wurde. Münster gab
auch eine Porträtgalerie heraus, die über zweihundert
künstlerisch ausgeführte Bildnisse russischer Be-
rühmtheiten nebst deren Biographien enthält. 14261

tz. DÜSSELDORF. Am 4. April starb in Düssel-
dorf der Kupferstecher Franz Paul Massau, ein
Schüler Joseph von Kellers, im Alter von zweiund-
achtzig Jahren. Der Verewigte, geboren 1818 in
Köln, kam 1841 nach Düsseldorf und besuchte die
Kunstakademie bis 1851. Seine hervorragendste
Arbeit ist der grosse Kupferstich nach dem Kölner
Dombilde, an dem er lange Jahre arbeitete. Auch
seine Stiche nach Degers > Weltheiland- in der
Kuppel der St. Apollinariskirche bei Remagen und
nach desselben Meisters .Mater amabiliss sowie
diejenigen nach Christian Köhlers >Mignon<, sind
treffliche Grabstichel-Blätter. Von Friedrich Over-
becks vierzig Darstellungen aus dem Evangelium hat
Massau auch mehrere gestochen. - In den vom Zen-
tralverein ausgeschriebenen Wettbeiverb um ein Plakat
für die 1902 hierselbst geplante Ausstellung errang den
ersten und zweiten Preis (1200 und 800 M.) der
Bildhauer undMaler Martin Wiegand in München,
den dritten Preis (600 M.) die Malerin Ida Stöver
in München, den vierten Preis (300 M.) der Maler
Hans Looschen in Berlin. I449!

= ERLANGEN. In den Lehrkörper der hiesigen
Universität wird Dr. phil. Friedr. Haack aus Berlin
als Privatdozent für neuere Kunstgeschichte ein-
treten. I44')

= GESTORBEN: In München am 5. April der
Maler Heinrich Ruland. I446!

VON AUSSTELLUNGEN

C. E. G. MOSKAU. Nach mehrwöchentlicher
Dauer ist die „Allgemeine reichsdeutsche Kunstaus-
stellung" unlängst geschlossen worden. Veranstaltet
hatte sie mit allerhöchster Genehmigung (d. h. des
russischen Kaisers) die j Kaiserliche russische Ge-
sellschaft zur Förderung der Künste in Petersburgs
in derem Auftrage ein Agent dreihundertfünfund-
neunzig Kunstwerke von Künstlern in Berlin, Dres-
den, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Karlsruhe,
München, Stuttgart und Weimar zusammengebracht
hatte. Ein übersichtliches Bild vom gesamten zeit-
genössischen deutschen Kunstschaffen bot die Aus-
stellung freilich nicht, doch war immerhin durch
vortreffliche Werke eine Reihe hervorragender
Meister vertreten, von denen allerdings gar mancher

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