Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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<9- Iahrgang.

Nr. ^Z.

Beilräge

smd an ssrof. Dr. L. von
kützow (Wien, Chere-
sianumgasse 25) oder an
die verlagsl^andlung in
Gartenstr. 6,
zu richten.

^O. ^Zanuar

Inserate

d 25 sss. sür dte drei
lNal gespaltene j)etit-
zeile werden von jedet

t88^.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunft.

^krscheint von Gktober bis Lnde Iuni jede Moche am Donnerstag, von Iuli bis Lnde September alle Tage, für die Abonnenten der ,,Aeitschrift
für bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen Aostanstalten.


Oosef Anton Aochs AAtwirkung an lchnnboldts
Reisewerk.

Sehr geringe Beachtung hat lnshcr die Thätigkcit
gefunden, welche Josef Anton Koch dcm ^tls« pitto-
rssosno zu Alex. von Humboldts großem Wcrke über
seine Reisen im tropischen Amerika gewidmet hat. Nur
Andcntungcn zumcist gnnz flüchtigcr Nalnr sind Larnber
in der Litterntur zu finden.

Der ^tln8 pittors8<ins crschien 1810 in PariS
bci Schoell nnd sollte den Vo^ags nn idlonvenn 6on-
tinsnt begleiten; thatsächlich aber ging cr ihm voran,
denn dieser erschien erst 1814. (Die Vorrede ist
vom Februar 1812 datirt.) Über die vcrwickelten Ver-
hältniffe, unter denen das genannte Reisewerk erschien,
das neben mehreren anderen auch den Titel der Vno8
äs8 Ooräillörso sührt, finden sich die nötigen Mit-
teilnngen in Karl Bruhns' „Alexander v. Humboldt"
(H. Bd., S. 496 ff.). Dort sind auch die bibliographi-
schen Angaben über Humboldts großes Werk zu suchen.')

Koch hat zu drei Tafeln des ^tls8 pittors8gns
die Zeichnungen geliefert. Die Blätter smd nicht un-
intereffant und verdienen wohl eine Beschreibung. Wir
heute, denen die Photographie und ihre Descendenz
zur Versügung stehen, wüßten alterdings für ein Reise-
werk landschaftliche Ansichten von großerer Naturtreue
herzustellen, als es für Humboldts Buch zu Aufaug
unseres Jahrhunderts möglich war. Trotzdem, wohl
uuch deshalb, ist es für uns anregend, zu sehen, daß

1) Bezüglich der Tafeln des ^tla« xittoresgus siehe
«. a. O. S. .102 u. 503.

mau damals noch eiuen Stilisteu wic Koch zu ciner
solchen Aufgabc heranzog. Ohne in den Tropenländern
gereist zu sein, mußte der Maler eine trvpische Land-
schast nach ciner gewiß nicht sehr durchgebildeten Vor-
lagc — komponircn. Kochs Zeichnungen siud nämlich,
wic dic uicistcn übrigcn Taseln des ^tlu8 pittorssgus,
an dercn Herstellung sich nebcn Koch ein Bouguet,
Gmelin, Mauzaise beteiligten, nach Skizzen von A. v.
Humboldt ausgeführt. Diese Skizzen kenne ich nicht.
Doch läßt sich annehmen, daß Kochs Vorlagen uicht
mehr als die allgemeine Disposition und eiuige botauische
Einzclheiten geboten haben; wären es ausgesührte
Studien gewesen, so hätte man sie eben nicht Skizzen
genannt.

Die Stiche nach Kochs Zeichnungeu siud in ge-
mischter Technik ausgesührt und bilden die 5., 18. und
30. Tafel des Atlas.

Nun zur Beschreibung:

1) Tafel 5. ?U88UA6 äu ()ninäln äar>8 la Oor-
äillörs äs8 2lmäs8.

Br. 0,415, H. 0,295.

Breites Thal mit tief ausgewaschenen: Defilö im
Mittelgrunde links. Dort ist in schmalem Streifen
ein Fluß (Oornlzsiina) 1) sichtbar. An seinen llfern
dichte tropische Vegctation. Die Thalsohle scheiut nach
der Ferne zu und gcgen rechts abzufallen, wo man
ein außergewöhnlich breites Thal (lu Zranäs vallös
äs la rivlörs äs lu Uaäslsins) erblickt. Lange Berg-
rücken (!a olialns orisntals äs8 ^näss) begrenzen das-

I) Die eingeschalteten Namen und Bemerkungen sind
zum größten Teil dem Text zum Zlt.lg.8 xittoiesgus ent-
nommen.
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