Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Kunstlitteratur und Kunsthandel. — Nekrologs. — Kunsthistorisches.

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sriner Knabenzeit her gelänfigen Sprache des W ei n> ari -
schen svg. gemeincn Mcmnes bedientc, was seinen
Kraftansdrücken einen sehr drastischen Nachdruck ber-
lieh. — Wenn ich ihn bei der Arbeit traf, in der er
sich nicht unterbrach. habe ich bvn Krankhcit oder Ber-
stinnnnng nichts an ihm bemcrtt. Nnr einnial in
srüherer Zeit klagte er über Mangcl an Austrägen mit
Besorgnis wegen der Seinigen, wenn er früh sterbe.
Darauf erwiderte ich ihm: „Malen Sie nur tapser
drauf los, was Jhnen beliebt. Sollten Sie bald
sterben, so hinterlassen Sie den Jhrigen das wertvollste
Kapital in Jhren Bildern. Die sind nach Jhrem Tvde
doppelt sv hoch im Preise, wie bei Jhren Lebzeitcn."

Es fehlte ihm an aller Betriebsamkeit, worin
manche andere Künstlern, nicht bloß bildende, das Übrige
thun. Vielleicht that er darin zu wenig, nicht bloß aus
Beguemlichkeit. Er war dazn zn stolz und zu frei
von deü Eitelkeit, die um den Beifall der Menge buhlt.
Seine Bilder auf den Ausstellungen herum wandern
zu lassen und Beschüdigungcn auszusetzen, dazn waren
sie ihm zu lieb, das hielt er unter seincr Würde und
der Würdc der Knnst. Man liest ja bci Rvguette,
welche Mühe es seinen Freunden kvstete, Lie Entivürfe
zu den Odysseebildern für die Berliner Ausstellung
herzugeben.

Kurz: Friedrich Preller war, gleich anderen Men-
schen, kein Engel, aber ein ganzer Mann und ein
ganzer Künstler.

Jena. Fr. I. Frommann.

Aunstlitteratur uud Aunsthandel.

x. — Von Lilbke's Geschichte der Architektur. die seit fast
einem Jahre vergriffen war, befindet sich die sechste Auflage
im Druck. Bis jetzt sind 7 Lieferuugen erschienen, welche
zusammen den ersten Halbband bilden und die Geschichte der
Baukunst des Altertums umfassen. Schon ein flüchtiger Blick
in diese ersten 2l Bogen der neuen Auflage des allbekann-
ten, vielbenutzten Werkes zeigt, mit welchem Fleiß und Eifer
der um die Kunstgeschichte hochverdiente Verfasser sich bemüht,
sein Werk auf die Stufe der neuesten Forschung zu erheben.
Jnsbesondere gilt dies von den Kapiteln, welche sich mit der
ngyptischen und der griechischen Baukunst befassen. Dort
kommen in ausgiebiger Wsise die in dem grundlegenden
Werke von Perrot und Chipiez niedergelegten Ergebniffe der
Denkmälerforschung in dem alten Pharaonenlande zur Gel-
tung, hier haben die Ausgrabungen auf hellenischem Boden,
voran die Erforschung der Altis in Olympia und die zahl-
reichen an Ort und Stelle angestellten Studien deutscher
Archäologen und Architekten (Curtius, Bohn, Durm, Milch-
höfer rc.) zu einer sehr wesentlichen Ümgestaltung der Dar-
stellung geführt. Jn gleichem Maße wie der Text sind auch
die Abbildungen unter Ausmerzung alles Ungenügenden
vermehrt worden lstatt 236 der fünften Auflage zählt die
sechste 314). Die glänzenden Eigenschaften des Verfaffers als
Schriftsteller zu rühmen, bedarf es an dieser Stelle nicht
mehr.

0. v. bh J„ Brüssel hat sich im vergangenen Jahr unter
dem Titel: „8oeiötö äs ürlrt aueien eu LslAigne" eine Ge-
sellschaft gebildet, die den Zweck verfolgt, Kunstwerke flan-
drischen Ursprungs oder solche, die sich gegenwärtig in bel-
gischen Museen und Sammlungen befinden, durch chromolitho-

graphische und phototypische Rcproduktionen weiteren Kreisen
bekannt zu machen. Die erste Publikation des Vereins bringt
sieben Blatt in groß Folio mit kurzen Erläuterungen. Dre
reproduzirten Kunstwcrke sind: ein Elfenbeinbuchdeckcl von
einem Evangeliarium vom Ausgang des neunten Jahrhun-
derts, aus dem Schatz der Kathedrale zu Tongern, ein zweiter
aus der Kathedrale von Lüttich mit der Darstellung der drei
Totenerwecküngen Christi, eine Silberstatuette des h. Blasius
aus der Kathedrale von Ramur, ein Krug und eins Schüssel
in Emailarbeit des 16. Jahrhunderts, zwei gestickte Gürtel-
taschen aus dem Schatz der Kathedrale von Tongern. Arbeiten
des 14. und 1S. Jahrhunderts, endlich ein Blatt mit einer
Folge von Gegenstünden der Goldschmiedekunst, wie Ringcn,
Fibeln, Nadeln und anderm Schmuck aus fränkischen Gräbern
des S—7. Jahrhunderts in der Provinz Namur, ausgewählt
aus den Schätzen des reichen und trefflich geordneten Vor-
rats des Museums zu Namur. Die Reproduktionen sind
in jeder Richtung zufriedenstellend, der Zweck des Unterneh-
mens selbst ein löblicher, da es manche Lücke in der Kennt-
nis des kunsthistorischen MaterialS zu füllen verspricht.

Nekrologe.

(2 Der Malcr Rudolf Bendcmann, ein Sohn Eduard
Bendemanns, ist in Pegli bei Genua im 33. Lebensjahre
gestorben. Er war am 11. Nov. 1851 in Dresden geboren
und hatte seine künstlerische Ausbildung auf der Düsseldorser
Akademie erhalten. Zur Ausschmückung der Nationalgalerie
nach Berlin berufen, sührte er dort in den Skulpturensälen
und in den beiden Corneliussälen allegorische und mytho-
logische Waudgemülde in Wachsfarben aus. Äuf dcr Düssel-
dorfer Ausstellung von 1880 erschien ein größeres historisches
Genrebild, „Die Beerdigung des Frauenlob in Meißen".
Später unternahm er eine Reise nach Ägypten. von welcher
er die Motive zu einigen Genrebildern aus dem Volksleben
(„Schöpfbrunnen in Ägypten") heinibrachte.

6. v. b'. Gilbcrt Randou, der bekannte Pariser Karika-
turenzeichner, ist am 1. April, 73 Jahre alt, zu Paris ver-
schieden, nachdem er seit sechs Jahren gelähmt und ganz
arbeitsunfähig geworden war. Geboren 1810 in Lyon, kam er
nach einer wechselvollen Jugend, während welcher er sich als
Schreiber, Buchhändler, Quartiermeister, Lithograph. Vig-
nettenzeichner und Photograph versucht hatte, im Iahre 1850
uach Paris, zuerst in die Redaktion des .lourual xour rirs,
dann in die des lourual amusaut, und versorgte nun die
Pariser illustrirten Blätter während eines Menschenalters
mit seinen durch Komik und Humor ausgezeichneten Skizzen
aus dem Soldatenleben, das ihm eine unerschöpfliche Quelle
zu bieten schien. Jn der langen Zeit seines Siechtums war
der gebrochene Künstler auf die Hilfe seiner Freunde und die
Unterstützungen angewiesen, die ihm das lourual aiuusaut
und das Ministerium der schönen Künste zukommen ließen.

Aunsthistorisches.

IZ'. Proscffor Maspcro, der Direktor des Museums von
Boulaq bei Kairo, hat, auf der Rückreise von seiner jährlichen
Jnspektionsreise in Obsr-Ägypten begriffen, in Ekhmin, dsm
altägyptischen Khemnis, der Panopolis der Griechen, auf
halbem Wege zwischen Assiut und Theben. eine bisher un-
bekannte und unberührte Totenstadt von ungeheurer
Ausdehnung entdeckt. Soweit bisher festgestellt werden konnte,
rührt dieselbe aus der ptolemäischen Periode her, indeffen
werden die sortgesetzten Aufdeckungen wahrschdinlich auch
ältere Partien zu Tage fördern. Fünf große Katakomben
wurden bereits sröffnet und ergaben 120 Mumien in vor-
trefflicher Erhaltung. Die Totenstadt enthält einer oberfläch-
lichen Schätzung nach mindestens 6000 Mumien; von diesen
dürften nur etwa ein Fünftel ein historisches oder archäo-
logisches Jnteresse besitzen; aber die Ernte an Papyrusrollen,
Schmuckgegenständen und anderen Schätzen wird bestimmt in
der Geschichte der ägyptischen Funde unerreicht dastehen und
verspricht reiche Ausbeute sür Kunst und Wissenschaft.
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