Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

Page: 525
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1884/0265
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
19. Iahrgang.
Beiträge

sind an j)rof. Dr. L. von
Lützow (wien, Chere-
sianumgasse25) oderan
die verlagshandlung in

22. rilai

Nr. 52.
Inserate

ti 25 für die drei
lNal gespalkene j?etit-
zeile werden von jeder
Vuch- u. Runsthandlung
angenomnien

188^.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Crscheint von Vktober bis Lnde Iuni jede woche am Donnerstag, von Iuli bis Ende September alle ^ Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift
für bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 wark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen


Aorrespondenz.

Düsseldors, im Mai 1884.

Die Kunsthalle crweist sich iiumcr mchr von dcm
günstigstcn Einfluß auf unscr Ausstellungsweseu; das
crkenuen uachgcrade auch die Pessimisten an, die von
der Jdee cines solcheu Jnstitutes nichts Ivissen wollten.
Die Gelegeuheit zu Kollektivansstellungen ist damit
ein siir alle Mal eröffnct und in der jüngst ver-
flossenen Zeit mit bestem Erfolge benutzt wordeu. Bot
auch eine Ausstelluug älterer Düsseldorfcr uud andercr
Arbeiten znr Feier dcn Weihnachtszeit bei weitem
nicht das, was cine Gcsamtvorführung derartiger, im
hiesigen Privatbcsitz reichlich vorhandcuer Wertstücke zu
leisten im stande wäre, sv kam dabei doch manches
intcressaute Bild uud uameutlich ciue Reihe kleinerer,
leicht gehaltencr Bildchen zum Vorschein, die teils über-
haupt noch nicht bekannt warcu, tcils bei ihrem
Wiedererscheinen durch ihrc Lebenskraft überraschten.
Abcr einc wirkliche Bedcutung gewann das Unter-
nehmen durch die Ausstellung der gezeichneten Ent-
würfe sür das Luther-Dcukmal von Gottfried Schadow
aus dem Besitze seines Schwiegersohncs Bendemaun.
Jmmer deutlicher crkennen wir, daß dieser große
Meister eine viel uuivcrsellere Künstlerbegabung dar-
stellt, als nian ans seinen ausgeführten plastischcn
Arbeiten — auch bei unbedingter Hochschätzung —
abzunehmcn vermag. Die würdige Publikation sciner
kvstlichcn Zcichnungen im Besitze der konigl. Kunst-
akademie zu Bcrlin und der Direktors Bendcmann ist
eine Schuld an die preußische Kunstgeschichte, welche
man an leiteuder Stellc nbzutragen nicht länger säumen

sollte. Auch die Reproduktion der seltenen Radirungen
wird erst das Bild des Meisters vervotlständigeu'
können.

Von einschneidcnder Bedentung für die hiesigen
Kunstanschauuugen war alsdanu die Vorführung der
sranzösischen Abteitung von der Ausstellung der
graphischen Künste in Wien. Sie ist im wesent-
lichen den Bemühungen des Professors Forberg zu
danken. Jn einer Zeit, die dem befestigten Grund-
besitz der Kupferstecherkunst — wenigstcns im nörd-
lichcn Deutschland — jeden Ncchtsanspruch entziehen
möchte, kanu das Erscheinen einer bei der Nachbar-
nation in ungeahnter Entwickelung befindlichen Aus-
übung dieser Kunst nicht ohne großen Eindruck
vorübergehen, zumal wenu gleichzeitig damit die
Vereinseitigung dargethan wird, in der sich die gleich-
artigen Bcstrcbungcn auf unserem vaterläudischen Boden
bcsindeu. Einc ins einzelne gehcnde Besprechung hat
vvn anderer Scite zu erfolgen; nur das sei erwähnt,
daß die Arbeiten Gaillards, trotz des Widerspruches
aus Zunftkreisen, nnserer Künstlerschast den lebhaste-
sten Anteil abgcwonnen haben. Hört mau freilich da-
zwischen Sentenzeu, und uoch dazu aus dem Munde
bewährtcr Künstler, wie: „Jm günstigsten Falle komiut
er der Photographie nahe", danu kvmmen Eincm doch
wicdcr recht ernste Zwcifel, ob dic Kunst dabei gut
sährt, wenu die Herren vom Fach bei der Wertbemessnng
der Einzcllcistungen ihren Wünscheu gcmäß unter sich
bleiben. Wer die selbständig wirkende Kunst in einem
Blatte von Gaillard nicht sühlt, der mag konseguen-
terweise eine Photographie cinem Bildnisse von ir'en-
bach vorziehen.
loading ...