Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Nekrologe. — TodesMe. — Kunstunterricht und Kunstpflege. — Kunsthistorischss. — Konkurrenzen.

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Nekrologe.

/. Der Professor dcr Nürnbcrger Kunstgcwcrbeschulc,
Malcr und Nrchitekt Georg Eberlci», ist uiu 8. Juli in
Nürnberg gestorben. Er war am 13. April 18>9 zu Linden
bei Markt Erlbach geboren und machte seine ersten künstleri-
schen Studien bei dem Architekten und Konservator Karl
von Heideloff. Später wirkts der Dahingeschiedene als
Zeichenlehrer an der Handwerker-Sonntagsschule in Nürn-
berg, bis er schließlich Änstellung als Professor an der unter
A. v. Krelings Leitung stehenden königl. Kunstgewerbeschuls
dort erhielt. An dieser Lehrstelle für Nrchitsktur, und ins-
besondere gotische Baukunst, entwickelte Eberlein eine große
und segensreiche Thätigkeit; zahlreiche Schüler bildete er
heran. Unter seiner Leitung wurde die Burg Hohenzollern
restaurirt, wie er überhaupt als Restaurator von Kirchen und
alten Profangebäuden große Verdienste sich erworben hat.
Nach seinsm Entwurf wurde die zweite protestantische Kirche
in München erbaut, und nach seinen Plänen soll dle Kirche
zu Neuendettelsau erstehen.

Todesfälle.

-- Moriz Thaustng ch. Soeben verbreitet sich die Trauer-
kunde, dafi Professor M. Thausing, welcher seit einiger Zeit bei
Verwandten in seinsr Heimat weilts, um dort Heilung von
seinem schweren Leiden zu suchen, am Donnerstag d. 14. d. M.
bei Leitmeritz in der Elbe ertrunken ist. Ein neuer Anfall von
Geistesverwirrung soll dieses tragischs Ende des ausgezeich-
neten Gelehrten, in welchem die deutsche Kunstforschung einen
ihrer begabtesten Vertreter verliert, herbeigeführt haben.

liunstunterricht uud Aunstpflege.

8. 8. Übcr -ic Jnvcntaiistrung der thüringischen Kunst-
denkmäler, über welche wir bereits in Nr. 8 sinsn kurzen
Vermerk brachten, hat nunmehr die grofiherzogl. sächsische
Negierung zu Weimar eine amtliche Bekanntmachung erlasfen,
der wir das Folgsnde entnehmen. Die Regierungen des
Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach, der Herzogtümer
Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Koburg-
Gotha, des Fürstentums Schwarzburg - Rudolstadt und der
Fürstentümer Reuß älterer und jüngerer Linis (Schwarzburg-
Sondershausen beharrt demnach leider auf seinem abweichen-
den Standpunkt) haben sich zu dem gemcinsamen Unterneh-
men der Aufzeichnung der Kunstdenkmäler in den Gebieten
ihrer Staaten vereinigt und zu diesem Zweck eine Kommission
eingesetzt. Die Arbeit soll sich auf sümtliche Stilperioden bis
1809 erstrecken, während von den Denkmälern der sog. vor-
geschichtlichen Zeit sowohl wie dieses Jahrhunderts nur die
hervorragendsten, und die letzteren auch nur unter Ausschluß
von Abbrldungen, berücksichtigt werden sollen. Die oberste
Leitung wird Herrn Prof. 1)r. Klopfleisch zu Jena über-
tragen, während es vorbehalten bleibt, demselben einen stän-
digen Gehilfen fwis wir hoffen wollen, aus dem sich ststig
mehrenden Kreise kunstgeschichtlich gsbildeter Architekten) bei-
zugeben. Beide haben bezirksweise Thüringen zu bereisen
und die Ergebnisse in einem in Heften erscheinenden Werke
„Die Kunstdenkmäler Thüringens", das zum Schluß cin nach
den Stilperioden, den einzelnen Kunstarten und deren Meistern
geordnetes genaues Nachschlagersgister bringen soll, nieder-
zulegen. Das ganze Nnternehmen ist auf die Dauer von
füns Jahren berechnet und wird durch die Versendung von
Fragebögen an die Ortsgeistlichen, Lehrer, -Ortsvorstände,
Baubeamten u. s. w. vorbsreitet. Schließlich wird „das
Unternehmen, welches den erfolgreichen Vorgängen in anderen
deutschen Staaten fich anschließt und sich die Aufgabe stellt,
bekannt zu macheu und zu erhalten, was die Frömmigkeit,
die Heimatsliebe und der Kunstsinn der Vorfahren an Kunst-
denkmälern geschaffsn und gesammelt hat, der Förderung
aller Kreise, in denen Sinn für die Kunst und Znteresse für
heimatliche Art und Geschichte lebendig sind", dringend em-
pfohlen.

Ein Gcsctzentwurs, betreffcnd die Erhaltung der Kunst-
denkmäler und Altcrtümer, wird dem preußischen Landtags
bestimmt in der nächsten Session zugehen. Derselbe nimmt
das Vorhandensein der in den einzelnen Provinzen bestehen-
den wissenschaftlichen Vereine, deren Bestrebungen direkt oder

indirekt auf die Erforschung und Erhaltung der beiveglichen
und unbeweglichen Denkmäler gerichtet sind, zum Ausgangs-
punkt. Wis aus siner seitens des Kultusministers an die
Oberpräsidenten erlassenen Verfügung hervorgeht, sollen zu
den Denkmälern Bauwerke jeder Art, als Kirchen, Schlösser,
mittelalterliche Befestigungen, Ruinen, prähistorische Denk-
müler, z. B. Steingräber, sodann auch Bilder, Schnitzereien,
Münzen und dergleichen gerechnet werden. Was die Organi-
sationsfrags anbelangt, so dürfte dis Einrichtung einer Art
Csntralkommission nach österreichischem Vorbilde in Aussicht
genommen sein, worin die einzelnen dotirten Verbände ein-
gegliedert werdsn. Jn Preußen existiren etwa 159 Alter-
tnms-, Geschichts-, Kunst- und Architektenvereine, unter deren
Mitgliedern (über 29 999) gewiß viele für die Mitarbeit an
den Aufgaben der Kunstverwaltung zu gewinnen sein würden.
Die österreichische Centralkommission, errichtet 1853 und re-
organisirt 1813, hat drei Sektionen lfür Altertum, Mittel-
alter und Neuzeit) und hat als Hilfsorgane 65 Konservatoren
lein Ehrenamt) und eine sehr große Zahl von Korrespon-
dcnten zur Seite. Diese Kommission hat schon ganz
Außerordentliches geleistet und die von ihr publizirten
„Mittheilungen" beweisen, welches Entgegenkommen ihre
Korrespondenten in allen Provinzen finden. Ehe nicht eiue
gleiche Einrichtung in Preußen eingeführt ist, kann nicht
daran gedacht werden, Beschädigungen und Vsrkäufe von
Kunstwerken zu verhindern, da der Staat jetzt nur in ganz
bestimmten Fällen um seine Zustimmunq angegangen wer-
den muß.

Aunsthistorisches.

llbcr dic nciiesten Ausgrabungcn in Epidauros wird
der „Allg. Zsitg." unter dem 13. Juli aus Athen ge-
gefchrieben: Die auf Kosten der hiesigen archäologischen Ge-
sellschaft vorgenommenen Ausgrabungen in Cpidauros waren
von glücklichem Erfolge begleitet. Neben dem Stadium wurden
das Fundament und einige Ilrchitekturteile eines dorischen
Tempels gesunden, den einige für den von Pausanias er-
wähnten Tempel der Artemis halten. Es sind also bis jetzt
auher dsm Theater, das vollständig freigelegt ist und seine
ehemalige Pracht ahnen läßt, vier Gebäude zu Tage gekom-
men: der Tempel des Asklepios, das Abaton, die Tholos
des Polpklet und das vor drei Tagen aufgedeckte Gebäude.
Aber auch wichtige Denkmäler der Plastik hat uns die Mühe
der letzten Tage beschert. Von denselben sind nach Athen
gebracht worden: l> Eine Nike, die, wie aus einigen Spuren
am Kopfe, zwischen den Flügeln und an der Basis ersichtlich
ist, einem Giebel angehörte. Das Motiv ist dem der Nike
des Püonios verwandt. Der prachtvolle Kopf ist abgebrochen,
paßt aber gennu zum Rumpfe; er hat übrigens durch Korro-
fion gelitten. Der Nike fehlt die rechte Hand, der linke Arm
und der eins Flügel. 2) Eins zweite Nike, etwas größer als
die vorige (Höhe ca. 1 ni), in zwei großen Stücksn; der ab-
gebrochene Kopf ist stark beschädigt, doch kann über seine Zu-
gehörigkeit kein Zweifel bestchen. Das Werk, wie das vorige
der Blütezeit angehörig, hat durch den Einfluß der Feuchtig-
keit bedeutend gelitten; es wurde nur l ni unter der Erd-
oberstäche gefunden, während das andere 2 m tief lag.
3) Der Torso eines Jünglings, 9,55 m hoch; es fehlen der
Kopf, die Beine von den Knien ab, und die Hände. 4) Ein
anderer Torso ähnlicher Art; die Hände fehlen wie beim
vorigen; dagegen wurde der zugehörige Kopf gefunden, dem
ein grotzer Teil des Gesichtes mangelt. Höhe iKopf mit in-
begriffen) 9,75 in. Beide Torsen sind treffliche Kunstwerke
von wunderbarer Weichheit und Zartheit der Behandlung.
Einige Körperteile, wie die Hände, waren mit eisernen
Nägeln eingezapft, deren Verrostung den umgebenden Marmor
sprengte; es sanden sich noch vier Armfragmente der einen
Statue, die auf solche Weise durch den Zapfen gesprengt
waren. 5) Eine wohlerhaltene Statuette des Asklepios, aus
römischsr Zeit, 9,79 m hoch, das einzige Bild des Gottes,
das bisher in Epidauros gefunden worden ist.

Aonkurrenzen.

Konkuirenz uni dcn Ncubau ciner Börsc in Amstcr-
dain. Seitens der Gemeindebehörden von Amsterdain werden
die Architekten zur Wettbewerbung für ein Börsengebäude
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