Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

Seite: 33
DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/form1927/0041
Lizenz: Freier Zugang - alle Rechte vorbehalten Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
UMGESTALTUNG

DER FASSADEN

Bald nach dem Kriege hat eine Entwicklung
eingesetzt, die sich niemand hätte träumen
lassen. Die aus den letzten Jahrzehnten des
19. Jahrhunderts stammenden Großstadt-
straßen, mit deren Häßlichkeit man sich als
mit einem fatalen Erbe einer kultur- und
formlosen Zeit abgefunden halte, beginnen
ihr Antlitz zu verändern. Und zwar sind es
nicht etwa Neubauten, von denen ja in die-
sen Jahren nicht so viel die Rede sein
konnte, sondern die Fassaden werden ihrer
Stuckornamentik beraubt und in ganz ein-
fache Formen gebracht. Die erste Ursache
mag der allmähliche Verfall der Putzorna-

mente gewesen sein, und daß man sie nicht
in alter Pracht wieder erneuerte, lag zuerst
wahrscheinlich öfter an der erzwungenen
Sparsamkeit als an dem gewandelten und
geläuterten Geschmack desBauherrn. Jeden-
falls hat diese erzwungene Sparsamkeit hier
wie auch sonst oft sehr segensreich gewirkt.
Es ist erstaunlich, wie angenehm nun auf
einmal diese Fassaden wirken, an denen alle
überflüssigen Profile und Schmuckformen
weggeschlagen sind, obwohl doch in den
meisten Fällen die reinen Verhältnisse kei-
neswegs besonders eigenartig oder charak-
tervoll sind. Greift diese Übung weiter um
loading ...