Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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nissen heraus haben sie versucht, die wir-
kungsmöglichkeiten des modernen gedichts
aus der sfäre der akustik in die der optik
zu verlegen.

so schrieb der franco-pole guillaume apol-
linaire seine „calligrammes" in „gegen-
ständlicher" form, seine verse beschrei-
ben konturen von brillen, uhren, vögeln,
blumeri, pferden, menschen usw. ihre Ver-
öffentlichung war indessen von der fotome-
chanischen reproduktion der handschrift —
einem umweg — abhängig,
den schritt zu einer betont typografischen
geslallung der dichtung machte der italieni-
sche futurist f. t. marinetti in seinem buch
,,les mots en liberte futuristes" (1919).
durch die anwendung verschiedener fettig-
keitsgrade und verschiedener Schriften, ihre
besondere räumliche Stellung, die Wieder-
holung von konsonanten und vokalen und
eine neuartige Verwendung der typografi-
schen zeichen versucht er, die fonetische

wirkung des gesprochenen worts durch die
eindringliche optik der typografischen for-
men zu ersetzen, das gedruckte wort als
vermittler der Vorstellung ist um die starke
wirkung seiner besonderen typografischen
geslalt bereichert worden, alle früheren
bücher rechnen mit dem vorlesen oder dem
geruhsamen lesen in weltferner cinsamkeit.
das moderne buch als ausdruck des heutigen
menschen ist erstmalig von marinetti gestal-
tet worden, es rechnet zum' ersten male
mit dem auge als dem bevorzugten auf-
nahmeorgan des heutigen menschen,
aber es gibt neben dem reinen „buchstaben"-
buch eine neue buchform, das „bilder"-
buch. in den illustrierten Zeitschriften und
magazinen hat sich der moderne mensch
eine neue quelle des genusses verschafft: die
überpersönliche klarheit und exaktheit der
reporterfolografie, die oft weit besser und
schneller unterrichtet, als es ein das gleiche
thema behandelnder artikel vermag, in vie-

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F. T. MARINETTI: ZWEI SEITEN AUS SEINEM BUCH „LES MOTS EN LIBERTE FUTURISTES"
(MILANO, EDIZIONI FUTURISTE Dl POESIA, 1919J

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