Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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LICHTREKLAME AM CAPITOL-LICHTSPIELTHEATER BERLIN
Entwurf: Hertha Jeß, Berlin

SCHRIFTSCHILDER

Schilder und Beschriftung an Außenarchi-
leklur oder Innenräumen gelten meist nur
als notwendiges Übel und wenn eine Be-
schriftung unumgänglich ist, so pflegt man
sie so zurückhaltend wie möglich anzubrin-
gen. Sie soll sich im Gesamtbild nicht auf-
drängen und sich nur dem Suchenden zei-

SCHRIFTSCHILD AN EINEM BANKSCHALTER
Grund: schwarzes Glas, Schrift: goldnes Überfangglas
Entwurf: Hertha Jeß, Berlin

gen. Früher hat ein Architekt nicht damit
gerechnet, daß die Stadtverwaltung dem
Haus auch eine Nummer und an das Eck-
haus eine Straßenbezeichnung anbringen
wird, und die Emailschildchen sind ja auch
meist so häßlich, daß man sie lieber als
häßliche Zutat vorkleben läßt, als ihnen ar-
chitektonisch einen Platz zuweist.
Nun wird auf einmal in diesem Jahrhundert
das Bild der Straße von Grund auf verän-
dert. Überall prangen große Firmenschil-
der und Reklameanzeigen. In den Hauptge-
schäftsstraßen bleibt kaum ein Stück Mauer
frei, und selbst abends werden die Beschrif-
tungen durch Schcimverfer beleuchtet oder
die Leuchtschrift blitzt auf. Der Verkehr
macht es notwendig, daß überall Schilder
mit Inschriften oder Verkehrszeichen ange-
bracht werden und selbst der Bauzaun, der
früher aus schmutzigen Latten bestand,
wird nun mit Reklamebildern und Inschrif-
ten, oft künstlerisch sehr gut, versehen.
Selbst in den vornehmen Vierteln des
„Westens", in dem es als besonders vor-
nehm gilt, wenn das Haus noch nicht ein-
mal das Namensschild des Besitzers trägt,
dringt die Beschriftung ein, wenn man sich
auch noch oft gegen die Reklamesäule als

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