Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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TERRASSEN AM HAUS BEHRENS*

weibliche Angehörige der Familie im er-
wachsenen Aller von den männlichen zu se-
parieren und erst recht dann, wenn Hausge-
nossen, die nicht zur Familie gehören, auf-
genommen werden müssen. Die Anordnung
dieser Einrichtung ist aus dem Grundriß zu
erkennen.

Die lerrassenartige Abtreppung der Häuser,
die fast in einem Winkel von 45° stattfin-
det, würde wegen des begünstigenden Licht-
einfalles schmälere Straßen zulassen und
somit auf die Kosten für Aufschließung des
Geländes ökonomisch günstig wirken. Aber
abgesehen davon hat ein solches Haus, be-
sonders wenn es — worauf geachtet werden
müßte — nach Süden orientiert ist, noch
den Vorteil einer starken Insolation. Durch
die Anlage solcher Häuser, die Lichthöfe
vermeiden und die durch die Möglichkeit
der verschmälerten Straße keinen wirt-
schaftlichen Nachteil bieten, würde den drei
großen Feinden der Volksgesundheit ent-
gegengearbeitet werden können: erstens soll
durch den dauernden Aufenthalt bei Tag
und Nacht in frischer Luft auf den Terras-
sen den an Tuberkulose leidenden oder dazu
neigenden Personen ein Heilmittel zugeführl
werden, zweitens soll durch das Hinausbrin-

gen der Säuglinge und Kinder auf neben
der Wohnung gelegene Freiplätze der Kin-
dersterblichkeit in den heißen Monaten ent-
gegengearbeitet werden und drittens sollen
durch das Abtrennen mittels Scherwänden
der einzelnen Schlafstellen Ansteckungsge-
fahren, die der großstädtische Verkehr lei-
der mit sich zu bringen pflegt, vermieden
werden. Dies sind die Vorteile in hygieni-
scher und sittlicher Beziehung, das ästheti-
sche Moment solcher Terrassenhäuser ist bei
äußerster Einfachheit der Gestaltung nicht
zu verkennen, da durch die Vor- und Rück-
sprünge ein malerisches Bild für die Häuser
gewonnen wird, das selbst durch das Trock-
nen von Wäsche, das Aufs 1 eilen von Schir-
men und Sonnenschutzdecken nicht beein-
trächtigt wird, sondern im Sinne des gesam-
len Organismus des Hauses begünstigend in
Erscheinung tritt. Peter Behrens

Die Abbildungen sind nach Aufnahmen von W.
Lossen, Stuttgart-Feuerbach, gefertigt Die Abbil-
dungen sind entnommen dem Werk „Bau und
Wohnung 1927''. Herausgegeben vom Deutschen
Werkbund. (S. Mitteilungen 3. Seile.)

Berichtigung: Das im Heft 7, S. 209 oben er-
wähnte Volkskunstmuseum unler Leitung von
Prof. Seyffert ist nicht in Leipzig, sondern in
Dresden eingerichtet worden.

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