Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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BAUKORPER OHNE WOHNUNGEN

Wir geben den Ausführungen von Frau Dr. Lüders Raum, weil wir glauben, daß es mit der Zweck der Siedlung ist, daß sie
zur Erörterung und Kritik Anlaß gibt. Wir glauben aber — im Verein mit vielen einsichtigen Menschen —, daß in Stuttgart
soviel Positives gezeigt wird und soviel neue und fortschrittliche Ideen zur Darstellung gelangt sind, daß ein so starkes Her-
ausstellen von Mängeln und eine solche Verurteilung wie in vorliegendem Aufsatz der Leistung als Ganzes nicht gerecht
wird. Es wird der Stuttgarter Siedlung so gehen wie allen fortschrittlichen Schöpfungen, die auf viele Teilgebiete über-
greifen müssen, daß jeder eingesohworene Fachmann auf seinem Gebiet Mängel entdecken wird, der Wert der Leistungen
als Ganzes wird dadurch nicht geschmälert. So wird auch die Stuttgarter Ausstellung ein bedeutsamer Schritt zur weiteren
Entwicklung auf dem Gebiet des Wohnhausbaus bleiben. Die Schriftleitung

Die Reichsforscliungsgesellschaft für Wirtschaft- zu begrüßen, daß die Stadt Stuttgart alle Yoraus-
lichkeit im Bau- und Wohnungswesen hat kürzlich Setzungen schafft, um das Studium all der in der

p*e-

eine größere Summe zur wissenschaftlichen Unter- Weißenhofsiedlung behandeilen Probleme un
suchung der sogenannten Weißenhof Siedlung in hindert durchführen zu können. Über den Aus-
Stüttgart bewilligt. Es kann keinem Zweifel unter- gang der Untersuchungen von vornherein irgend-
liegen, daß in dieser Siedlung in bisher nicht vor- welche Vermutungen anstellen zu wollen, ist
banden gewesener Mannigfaltigkeit die verschie- müßig; ebenso verkehrt erscheint es uns, mit Vör-
dens ten bauleclmischen Neuerangen, sowohl neu- gefaßter Meinung an die Arbeit heranzutreten, nur
artige Decken-, Wand-, Türen- und Fenslerkon- weil man geschmacklich auf anderem Standpunkt
sti'uklionen, wie neue Materialien angewendet steht, als er in jener Siedlung zumeist zum Aus-
sind und daß die technische Ausstattung der druck kommt. Es handelt sich bei den Aufgaben,
Gebäude in bezug auf Heizungs-, Bade- und für deren Bearbeitung die Reichsfors'chungsgesell-
Küchenanlagen usw. reichstes Material für die schaff Gelder bewilligt, nicht um Fragen des Ge-
Durchführung der Zwecke der Beichsforscliungs- sebmacks, um Schönheitswettbewerbe, sondern ein-
gesellschaft bieten. Es ist deshalb dankbar zig und allein um die Förderun«- des sehr nüchter-

A. E. G.-LEUCHTOFEN

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