Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 8.1933

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3. Gewöhnlicher weißer Anstrich auf Kalkmörtelgrund.
Zu beachten ist das streifige Aussehen

4. Gewöhnlicher Anstrich, dicht geschwammt. (Einfachste
Methode der Auflockerung des Anstrichs)

worfen sind. Es ist, um erneut ein Beispiel anzuführen, gar
nicht gleichgültig, welche weiße Körperfarbe zur Erstellung des
Anstriches hergenommen wurde. Eine Vergleichstafel zeigt
ziemlich deutlich die optische Erscheinung dreifacher Anstriche,
die auf die verschiedenen Lithoponesorten, deren Güte durch
sogenannte Siegel gekennzeichnet sind, zurückgehen.

Wenn man demnach das Wagnis unternimmt, für die ver-
schiedensten Weißlackierungen einschließlich der Fenster-
anstriche eine Art Gütestufe (Gütenormen) aufzustellen, so
stößt diese Arbeit insofern auf ein schwerwiegendes Hindernis,
als in diesem Falle die verschiedenen Faktoren, die die Qualität
des Werkstückes bedingen, einzeln untersucht und heraus-
gestellt werden müssen.

Der Anregung des Schriftleiters der Form, Dr. Lötz, zufolge
hat die Meisterschule für das Deutsche Maler- und Lackierer-
handwerk in München den Aufbau einer solchen Gütestufe
der üblichen Malerarbeit durchgeführt, und ist dabei zu dem
Ergebnis gekommen, daß die fraglichen Gütenormen nach
folgenden Gesichtspunkten getrennt aufgestellt werden müssen:

a) hinsichtlich des Anstrichaufbaues (einschl. der Spritz-
lackierung) unter Verwendung der gleichen Werk-
stoffe;

b) hinsichtlich des Tempos des Arbeitsvorganges (ebenfalls
unter Verwendung der gleichen Werkstoffe) und

c) hinsichtlich der Verwendung der verschiedenen Bindemittel
und Pigmente, bei gleichem Aufbau der in Betracht kom-
menden Anstriche.

Bei der Feststellung von Gütenormen für Fensteranstriche
müssen die Versuche naturgemäß auf Weich- und Hartholz
und unter Verwendung der verschiedensten Aufbaumethoden
der Anstriche unternommen werden. Bei dieser Gelegenheit
muß einmal mit aller Offenheit festgestellt werden, daß die
ungeheure Unübersichtlichkeit des Werkstoffmarktes stets dazu
führt, bekannte und bewährte Arbeitsmethoden zu verlassen,
um neue, ziemlich laut angepriesene, zu übernehmen. Es sei
nur daran erinnert, daß noch vor 50 Jahren im allgemeinen
3 Bindemittel für Wandanstriche in Gebrauch waren (tierischer
Leim, Kasein und Kalk), während heute über 30 als gebräuch-
lich auf den Markt gebracht werden. Die Aufstellung von
einigermaßen verbindlichen Gütenormen wird durch die Über-
schwemmung des Marktes mit allen möglichen Produkten derart
erschwert, daß man ohne Besinnen zu den sogenannten kon-
servativen Verfahren greifen muß, um nur einigermaßen eine
Ordnung in die Arbeit des Baumalers zu bringen.

Der Reiz des einfachen glatten Holzanstriches, bzw. der
einfarbigen, glatten Lackierung beruht, wie schon angedeutet
wurde, auf dem einwandfreien Aussehen einer Oberfläche bzw.
auf der Glätte und dem Grad des Glanzes derselben. Matt-
glänzende, glatte Oberflächen hinterlassen stets dort, wo es
sich um Einrichtungsgegenstände irgendwelcher Art handelt,
einen günstigeren Eindruck als hochglänzende oder rauhe.

Im Zusammenhang mit dieser Tatsache sei auch auf die
eigenartige Wechselbeziehung zwischen dem Werkstoff Farbe
und den übrigen, in einem Räume verwendeten Werkstoffen

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