Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 8.1933

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Aus „Sowjetische Architektur", Moskau. Aus „Architektura i budownictwo", Warschau.

Entwurf der Architekten A. Zukow und D. Czeczulin, Mitarbeiter D. Smolin, Entwurf derselben Architekten (jedoch unter Mitarbeit von A. Kurowski) für
für den 1. Wettbewerb um den Sowjetpalast. (Ein Preis von 10 000 Rubel.) den 2., engeren Wettbewerb um den Sowjetpalast.

Neue Sowjetarchitektur

Anläßlich des großen allgemeinen Wettbewerbs um Entwürfe
für den Zentralpalast der Sowjets in Moskau ist zum ersten
Male die Abkehr der russischen Architektur vom „Neuen
Bauen" Westeuropas in Erscheinung getreten. Von den
russischen Entwürfen zu diesem Wettbewerb sind die unter
den ersten Preisen befindlichen Arbeiten der Architekten
Jofan und Zoltowski in deutschen Zeitschriften häufig abge-
bildet worden, so daß wir sie wohl als bekannt voraussetzen
können. Wir bringen heute einige weitere Abbildungen, die
für die Entwicklung in Rußland charakteristisch sind und führen
nachfolgend einige Stellen aus einem Artikel der polnischen
Zeitschrift „Architektura i budownictwo", Warschau, an, der sich
mit den Entwürfen des zweiten, engeren Wettbewerbs um den
Sowjetpalast und mit ihrer Beurteilung durch das Preisgericht
befaßt. Es ist bezeichnend dafür, wie sehr auch in Rußland in
den Fragen der Baukunst alles im Fluß ist, daß auch dieser
zweite Wettbewerb noch nicht zu einer Entscheidung geführt
hat. Es ist vielmehr noch ein dritter engerer Wettbewerb aus-
geschrieben worden.

Aus „Architektura i budownictwo", Warschau, Februar 1933:
„Die Projekte des zweiten Wettbewerbs zerfallen in drei

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Aus „Architektura i budownictwo", Warschau.
Entwurf für ein Haus, das in der Mochowstraße in Moskau ausgeführt
worden ist. Architekt J. Zoltowski.

Gruppen: eine „klassizistische", der u. a. die Architekten Zol-
towski (im ersten Wettbewerb Träger eines 1. Preises von
12 000 Rubel), Zukow und Czeczulin (im ersten Wettbewerb
Träger eines Preises von 10 000 Rubel, siehe Abb.) angehören.
Eine mittlere Gruppe, gebildet von den Architekten Jofan (im
1. Wettbewerb Träger des am besten bewerteten Entwurfs),
Szczuko und Szczusiew, dem Schöpfer des Leninmauseieums,
dem in Sowjetrußland zur Zeit am meisten geschätzten Archi-
tekten. Die dritte Gruppe bilden die Projekte der „funktio-
nellen Konstruktivisten", denen die Brüder Wiesnin, Ginzburg,
Ladowski und die in Rußland arbeitenden Deutschen an-
gehören. — Bei der Begutachtung wurden die Entwürfe der
dritten Gruppe „überhaupt nicht für würdig erachtet, ange-
nommen zu werden". Sie wurden als ein Witz gegenüber der
Sowjetöffentlichkeit bezeichnet. Die Architekten verteidigten
ihre Projekte vor dem Präsidenten des Sownarkom und legten
ihm ihre Ideen dar. Gleich am folgenden Tage wurden
daraufhin Ginzburg und Ladowski von ihren Professorenämtern
enthoben. Den Brüdern Wiesnin gab man Zeit zum Nach-
denken über Architektur und Kunst."

Aus „Sowjetische Architektur", Moskau.
Ein weiterer Entwurf für den Sowjetpalast aus dem 1., allgemeinen Wett-
bewerb. Verfasser unbekannt.

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