Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 8.1933

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strahlen wird über alle Völker, so hat er dieses Ausstrahlen
anders aufgefaßt, als es Peter Meyer darstellt. Gerade nicht
als ein Diktat. Auch nicht als ein Diktat der Mode, wie es
mit jener Pariser „Kultur" der Fall war. Eher als ein Beispiel.
Die Führer des nationalsozialistischen Deutschland haben wie-
derholt betont, daß sie tiefe Achtung vor dem Wert anderer
Staaten und Völker und ihrer Kultur haben. Aber wir alle
hoffen, daß überall dort durch das Beispiel Deutschlands „auf
die Dauer das instinktive Wertgefühl, die freiwillige Anerken-
nung der besseren Leistung allein den Ausschlag gibt,
inappellabel und aller Gegenpropaganda zum Trotz".

Die Einstellung des neuen Deutschland zur Frage des Diktats
in der Kultur geht eindeutig aus der Rede von Dr. Goebbels

bei Eröffnung der Reichskulturkammer hervor, aus der wir
folgende Stelle wiedergeben: „Vielleicht wird die Kunst sich
früher oder später der Stoffe und Probleme bemächtigen, die
wir aufgeworfen haben. Es würde ihr und uns zum Nutzen
gereichen. Wir haben nicht die Absicht, das zu kommandieren.
Aber es steht uns das Recht zu, darüber zu wachen, daß,
wo sie aufgegriffen wird, sie auch gemeistert werden. Nie-
mand befiehlt, daß die neue Gesinnung über die Bühne oder
Leinwand marschiere. Wo sie aber darüber marschiert, da
müssen wir eifersüchtig dafür sorgen, daß sie auch in ihrer
künstlerischen Formung der Größe des historischen Prozesses
entspricht, den wir in der deutschen Revolution durchgeführt
haben." W. L.

Stoffe und Materialien

Unter diesem Titel erschien in Heft 4 d. J. ein Beitrag von
Herrn Dr. Lötz, der sich mit den Eigenarten und Verwendungs-
zwecken verschiedener Materialien beschäftigte. Der Verfasser
behandelt in diesem Zusammenhang u. a. die Frage der
„Denaturierung" eines Stoffes, wie sie jede Materialbearbeitung
zwangsläufig mit sich bringt. Er billigt auch die Verwendung
ausgesprochen unechter (Kunst-)Materialien und prägt den
guten und treffenden Satz: „Wir wollen nicht mehr das Wissen
haben, daß es ein echtes Material ist, aus dem etwas gemacht
ist. Auch interessiert uns das, was unter der Oberfläche ist,
nicht mehr in dem Maße wie die Generation vor uns, die das
Prinzip der Materialechtheit aufgestellt hat."

überraschend aber lehnt der Verfasser das überziehen einer
billigen Holzplatte mit dem Muster eines echten Holzes ab.
Er bezeichnet das sogenannte „Masa"-Verfahren als eine
„geradezu scheußliche Transfusion nur des Aussehens eines
Materials". Dieses scharfe Urteil steht im Gegensatz zu dem
oben aufgestellten Prinzip. Damit wird Hunderten von Material-
verwandlungen — welche Veränderungen des Aussehens be-
wirkt allein schon das Lackieren oder Beizen eines Holzes! —,
ungezählten Metall- und Lederimitierungen, ja selbst dem
schlechtesten Farbanstrich ein weitgehendes Recht eingeräumt,
das einem einzigen Verfahren nicht zugebilligt wird. Wenn
der Unterschied vielleicht darin bestehen soll, daß z. B. beim
Versilbern eines Metalls noch eine hauchdünne Schicht
„echten" Materials, beim Masa-Verfahren aber nur das natur-
getreue Abbild eines Originalstoffes aufgetragen wird, so
stellen diese beiden Methoden doch sicher nicht Unterschiede
im Sinne des vom Verfasser aufgestellten Prinzips dar: „Wir
wollen nicht mehr das Wissen haben, daß es ein echtes
Material ist, aus dem etwas gemacht ist". Wäre nicht erst
recht das überziehen eines hölzernen oder Gips-Biiderrahmens
mit Goldbronze oder silberner Farbe eine „scheußliche Trans-
fusion nur des Aussehens" eines echten Materials?

Auch das Masa-Verfahren gibt sich nicht für Echtheit aus.
Es überträgt nur keine Gold- oder andere Metallfärbung, son-

dern eine Holz- oder Marmortönung auf das Grundmaterial.
Es will ganz einfach nur „Masa" sein, wie ein versilbertes
Besteck nicht als Silber, ein Double-Ring nicht als Gold, der
Kunstlederbezug einer Autokarrosserie nicht als echtes Leder
oder ein hölzerner Bronzerahmen nicht als massiv goldener
Rahmen gelten will. Wo sind da die prinzipiellen Unterschiede,
wo endet die „reelle Imitation" und wo beginnt die scheußliche
Übertragung des göttlichen Ebenbildes — beim Material oder
beim Muster? Und kann man das eine ablehnen, wenn man
das andere billigt?

Was ist schließlich der letzte Sinn jeder Imitation, und was
rechtfertigt sogar auch manche der 100 schlechten Imitationen,
mit denen wir Tag für Tag umgehen, ohne noch darauf zu
achten? — Es ist der Wunsch, beliebte und schöne, aber teure
Muster billig anzufertigen und sie auch dem Unbemittelten
zugänglich zu machen. Es ist nicht recht, von dem kleinen
Mann zu verlangen, er solle sich gestrichene oder lackierte
Kiefernmöbel in seine Wohnung stellen, wenn er sich echte
nicht leisten könne. Auch er will behaglich wohnen, und er
will lieber auf echte Kiefernmöbel verzichten, wenn er für den
gleichen Preis unechte Nußbaum-Möbel haben kann. Und
wenn Herr Dr. Lötz bei einer Besichtigung gemaserter Möbel
äußerte, das Fatale an diesem Verfahren sei, daß man die
gemaserten Stücke von den echten nicht unterscheiden könne,
so kann dies nur für aber nicht gegen das Masa-Verfahren
sprechen. M a s a - G. m. b. H.

Bei dem Masaverfahren handelt es sich um Übertragung des
Bildes der Holzmaserung mit Hilfe von Fotografie und Druck
auf Metall oder auf geringwertigeres Holz. Mit Versilberung
oder gar mit Fournieren hat das gar nichts zu tun. Wer meinen
Aufsatz, auf den sich diese Zuschrift bezieht, durchliest, kann
mir die Folgerichtigkeit nicht absprechen, wenn ich das Masa-
verfahren vollkommen ablehne. Bei der Unterhaltung mit den
Herren der Masa G. m. b. H. ergaben sich einige Fragen, auf
die ich demnächst zurückkommen werde. W. Lötz.

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