Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 8.1933

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Zehn Jahre Steiermärkischer Werkbund.

Der Steiermärkische Werkbund hat über seine zehnjährige
Arbeit ein kleines Werk herausgegeben, das, mit vielen Ab-
bildungen geschmückt, einen Ueberblick gibt, wie weit sich
dort der Gedanke der Qualitätsarbeit durchgesetzt hat. Wenn
auch im einzelnen hier und da vielleicht nicht alles so ist, wie
wir es als Vorbild ansehen, so können wir den Kollegen
und Freunden im Steiermärkischen Werkbund nur wünschen,
daß sie im Anschluß an die große deutsche völkische Idee zu
noch größeren Ergebnissen kommen und daß allmählich durch
den Werkbund die große kulturelle Gemeinschaft des deut-
schen Volkes auch jenseits aller Grenzen von Versailles her-
gestellt wird. W. Wendland.

Hans Hildebrandt: „Stuttgart". Deutscher Kunst-
verlag, Berlin. 100 S. Preis brosch. RM. 3,—, Ganzleinen
RM. 3,90.

Ausgezeichnete Aufnahmen der württb. Bildstelle sind durch
einen klaren, zurückhaltenden Text zusammengefaßt — die
Sammlung greift, aus guten Gründen, über die eingemeindeten
Vororte hinweg auch auf die benachbarte zweite Residenz,
Ludwigsburg, die ihre Existenz ja auch dem Stuttgarts Wesen
in der Hauptsache prägenden fürstlichen Bauwillen verdankt.
Die Bilder sind gut ausgewählt und chronologisch geordnet —
vortrefflich ist die Einleitung, die das Stadtwachstum-und in
seiner Schilderung die Leistung der einzelnen Fürsten und Stil-
perioden charakterisiert. Th. H.

Wird die Kultur diktiert?

Peter Meyer, der ausgezeichnete Leiter der schweizerischen
Werkbundzeitschrift „Das Werk", dessen Beiträge zu den
Fragen der neuen Gestaltung und dessen treffende und maß-
volle Kritik auch in Deutschland stets Anerkennung gefunden
haben, hat in Nummer 10 des „Werk" einen Auszug aus einer
Rede Wendlands gebracht, die er auf der nationalsoziali-
stischen Kulturwoche in Löwenberg in Schlesien gehalten hat
und die im Auszug in der „Werkbund-Korrespondenz" wieder-
gegeben war.

In dieser Rede Wendlands findet sich folgender Satz: „Mit
dem Siege des Nationalsozialismus hat dieses kulturelle
Prinzip des deutschen Menschen wieder die Führung in der
Welt übernommen, der französische Liberalismus steht allent-
halben auf der Verteidigungslinie und überall regen sich in
den Völkern die durch das neue deutsche Prinzip angeregten
Bestrebungen zum Kampf um die völkische Eigenart. Zum
ersten Mal seit 150 Jahren wird die Kultur nicht mehr von
Paris aus diktiert, sondern die kulturelle Entwicklung geht von
der deutschen Erhebung aus und strahlt von dort aus über
die Völker."

Hieran scheint vor allem Peter Meyer anzuknüpfen, wenn
er sich zu folgender Schlußbemerkung verleiten läßt: „Wie
man sich das im Dritten Reich so vorstellt — die Kultur, die
bisher von Paris „diktiert" wurde, und die jetzt der Welt von
Berlin aus kommandiert wird! Daß es hier überhaupt nichts
zu diktieren gibt, daß hier auf die Dauer das instinktive Wert-
gefühl, die freiwillige Anerkennung der besseren Leistung
allein den Ausschlag gibt — inappellabel und aller Gegen-
propaganda zum Trotz — das können sich diese Kultur-
Feldwebel gar nicht vorstellen,"

Wenn man aufmerksam Wendlands Rede durchliest, so kann
man wirklich nicht verstehen, wie Meyer von „kommandieren"
und „Kultur-Feldwebel" sprechen kann. Wenn es in der gleich-
falls im „Werk" zitierten Einladung des deutschen Werkbundes
zu seiner Würzburger Tagung heißt, daß die Mitglieder die
neuen Ziele des Bundes dort „ohne viel Rede und Gegenrede"

kennen lernen sollten, so besagt das nur, daß die neue Werk-
bundleitung sich ein Ziel gesetzt hat, das sie entweder
hundertprozentig durchsetzen will und von dem sie sich nicht
abbringen läßt, oder sie betrachtet den Werkbund nicht als
das Instrument, mit dem sich dieses Ziel verwirklichen läßt.

Wenn Wendland davon sprach, daß die Kultur bisher von
Paris aus diktiert wurde, so wollte er damit nur auf eine uns
allen bekannte Tatsache hinweisen. Dieses Diktat wurde als
solches natürlich nie ausgesprochen. Aber ein wirklich sehr
veralteter Heiligenschein übte immer noch seinen Einfluß aus.
Man konnte jeden Einwurf, den man wagte, durch einen Hin-
weis, daß man das in Paris tue oder in Paris zuerst getan
habe, entkräftet bekommen. Wenn man sich heute in Deutsch-
land erlaubt, diese Kultur in Anführungsstriche zu setzen, dann
geschieht es vor allem deshalb, weil das, was von Paris aus
Schule machte, eine sensationelle Hochzüchtung einzelner
Künstlerfiguren war, die man in völkischem, in nationalem Sinn
als vagabundierende Elemente ansprechen muß. Wir alle
zweifeln nicht daran, daß es noch ein anderes Paris gibt, eine
echte gewachsene Kultur, deren Stärke es ist, daß sie typisch
französisch, also bodenständig ist. Wir Deutsche haben davor
eine hohe Achtung, Leitstern kann sie für uns freilich ebenso-
wenig sein wie die „Kultur", die dort als Exportartikel von
allerlei Leuten fabriziert wurde.

Für jede dieser vagabundierenden Künstlerfiguren wurden von
Bewunderern und beruflichen Züchtern neue Maßstäbe auf-
gestellt, die wieder für andere nicht zu gelten brauchten. Im
„Schaufenster der Welt", wie Paris sehr treffend bezeichnet
wurde, wurden diese Figuren hergestellt, und man vertraute
rückhaltlos der Arbeit dieser Schaufensterdekorateure. „Vaga-
bundierend" soll hier eine Feststellung sein. Eine negative Be-
wertung soll nicht in der Nebenbedeutung des Wortes liegen,
aber in der Feststellung, daß nur der in seiner wahren Volks-
gemeinschaft verwurzelte Künstler der Kultur seines Volkes
und seiner Zeit eine Prägung geben kann.

Und wenn nun Wendland als Nationalsozialist dem Glauben
Ausdruck gegeben hat, daß unsere kulturelle Entwicklung aus-

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