Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 8.1933

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F. H. EHAACKE, MÜNCHEN

Diese Ausstellung in der Münchner Neuen Sammlung ist
veranstalte! worden von der Abteilung für Gewerbekunst am
Bayerischen Nationalmuseum in Verbindung mit der Bayerischen
Staatsbibliothek und dem Archiv für die deutsche Schrift. Das
sicherte ihr von vornherein als wertvollste Leihgaben die kost-
baren Schätze frühen deutschen Druckes und älteste schriftliche
Urkunden des Münchner Stadtarchivs. Die Aufstellung des um-
fänglichen Materials ist übersichtlich erfolgt und ermöglicht so
auch dem Laien ein Eindringen in das vielfältige und mitunter
recht verwickelte Stoffgebiet.

Der zentrale Hauptraum zeigt auf großen Tafeln die histo-
rische Schriftenfolge, angefangen von der karolingischen
Minuskel über gotische Schreibschrift, Drucktextur, Kanzlei-
schrifteinflüsse, Schwabacher, Fraktur, bis zum letzten histo-
rischen Versuch einer deutschen Type von Unger. Eine Tafel
veranschaulicht deutlich die Vorzüge, die für uns Deutsche die
Fraktur vor der Antiqua als Buchschrift hat: Die Verwachsen-
heit von Schriftbild und Klangbild der Sprache, die bessere
Verdeutlichung umfangreicher Wortbilder und, daraus neben-
bei sich ergebend als wirtschaftlich praktischen Vorteil die
raumsparende Engführung der Texte. Eine andere Tafel führt
Aussprüche berühmter Deutscher auf, die sich entschieden zur
Fraktur bekennen: Luther, Goethe, Kant, Bismarck. Die Vitrinen
bergen früheste deutsche Schriftdenkmäler wie Wessobrunner
Gebet und Nibelungenhandschrift, sowie früheste deutsche
Druckdenkmäler: Einblattdrucke und Blockbücher.

Von diesem Mittelraum aus ist das zur Schau gestellte
Material nach links und rechts in zwei große Gruppen: Hand-
schrift und Druckschrift, geteilt. Zur linken Hand veranschau-
lichen die alten Steuer- und Gerichtsbücher, Handwerks-
ordnungen und Wappenbriefe aus dem Münchner Stadtarchiv
die Entwicklung der gebräuchlichen Schreiberhandschrift vom
vierzehnten bis zum Anfang des neunzehnten Jahrhunderts.
Die großen mittelalterlichen Staatsurkunden bereiten überdies
eine Augenweide mit ihren stattlichen roten Siegeln, die sich

Plakat von Ortwin Eberle.

warm vom rohseidenen Grund der niedrigen Glastische ab-
heben. Ebenso sind die persönlichen Handschriften berühmter
Deutscher in Originalbriefen auf lichtgrünen Wandflächen
wirkungsvoll ausgebreitet. Originalmanuskripte heutiger Dichter
zeigen die deutsche Handschrift der Jetztzeit.

Die neue Kunstform des Schreibens ist durch geschlossene
Gruppen bestimmter Kulturkreise vorgeführt. Rudolf Koch mit
seiner Schule bildet in protestantisch herber Strenge den
Gegenpol zur Einflußsphäre des Wiener Altmeisters Rudolf
von Larisch, der mit seiner Frau und Mitarbeiterin Hertha
Larisch-Ramsauer nebst Schülern die österreichisch-süddeutsche
Farbe in das Gesamtbild trägt. Neben Anna Simons und ihrer
Schule sind, außer meinen eigenen, Arbeiten meines Schüler-
kreises ausgestellt.

Zur Rechten, bei den Druckschriften, interessiert es vor allem,
an Hand der Hauptwerke historischer deutscher Druckkunst
die Frakturentwicklung zu verfolgen. Ein von Ortwin Eberle
mit viel Hingabe ausgeführter Stammbaum mit farbigen
Wappenbildern der Hauptdruckstädte veranschaulicht die
chronologische Folge der einzelnen Etappen auf dem Weg
zur Fraktur.

Die Vitrinen zeigen Gutenbergs erste Druckleistung, den
Türkenkalender, seine 42zeilige, sowie Mentelins erste deutsche
Bibel, die berühmten Druckwerke der maximilianischen Aera,
Dürerdrucke, Luther- und Hans Sachsschriften, barocke Buch-
denkmäler wie Poesien von Opitz, Spees Trutznachtigal,
Abraham a Santa Clara, Literatur des achtzehnten Jahr-
hunderts: Geliert, Lessing, Klopstock, Wieland, Herder, Goethe
und Schiller in Erstausgaben bis zur romantischen Epoche der
Ungerdrucke.

Hier schließen sich wiederum die neuzeitlichen Leistungen
an: Deutschschriftdrucke aus William Morris' Keimscott Presse,
meiner Rupprechtpresse, der Bremer und Mainzer Presse. Es
folgen meine eigenen und Arbeiten meines Schülerkreises auf
gebrauchsgraphischem, drucktechnischem Gebiet. Hier sind

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