Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 8.1933

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Holzschutz

Das Leben aller Organismen ist ein ständiger Kreisprozeß.
Im Walde sorgen Pilze und Insekten dafür, daß das alte Holz
zersetzt wird und sich wieder zum Dünger für die neue Vege-
tation umbildet. Diese Zersetzung, die im Walde eine Natur-
notwendigkeit ist, muß vom Nutzholz künstlich ferngehalten
werden. Da alle Holzschädlinge eine bestimmte Wärme und
Feuchtigkeit für ihr Gedeihen benötigen, ist es für die Erhaltung
des Holzes von größter Wichtigkeit, das Holz vor Feuchtigkeit
beim Einbau zu schützen. Wo dies nicht möglich ist, etwa
bei Verwendung im Freien, bei Masten und Schwellen, muß
ein geeignetes Schutzverfahren vorgesehen werden. Hierfür
ist eine Reihe hochwirksamer Mittel und Verfahren entwickelt
worden. Die Teerölimprägnierung der Holzschwellen z. B.
gewährleistet eine 20—40jährige Dauerhaftigkeit, ohne daß
Schäden irgendwelcher Art eintreten. Auch gegen die leichte
Entflammung kann das Holz heute durch Imprägnierung wirk-
sam geschützt werden.
Holzveredlung

Eine der hauptsächlichsten Schwierigkeiten entsteht bei der
Holzverwendung durch die Volumenänderungen des Holzes bei
wechselndem Feuchtigkeitsgehalt.

Beim Sperrholz wird das Arbeiten des Holzes fast voll-
kommen unterbunden. Das Sperrholz ist entweder eine Furnier-
oder Tischlerplatte, die durch kreuzweise Verleimung von ge-
schälten oder gemesserten Furnieren bzw. unter Einschaltung
einer besonderen Mittellage aus Weichholz entsteht. Durch
diese Aufteilung in verschiedene untereinander verleimte Lagen
kann bei Feuchtigkeitsänderungen das Holz weder quellen
noch schwinden. Die Sperrplatten können für besondere Ver-
wendungszwecke mit Auflagen von Metallblech auf einer oder
auf beiden Seiten versehen werden. Hierdurch kann ein
besserer Schutz gegen Feuchtigkeit und Feuersgefahr und
höhere Festigkeit erreicht werden.

Durch Einlassen von Blei oder Zinn und deren Legierungen
wird das sogenannte Metallholz hergestellt, das sich wie Holz
behandeln und bearbeiten läßt, andererseits aber Eigenschaften
wie ein Metall besitzt.

Durch Pressen längs der Faser wird biegsames Holz erzielt,
indem es nach einem besonderen Verfahren gedämpft, ge-
preßt, gekühlt und getrocknet wird. Es kann in jede gewünschte
Form gebogen werden; durch nachträgliche Erwärmung wird
es dann zur Erstarrung gebracht. Durch Pressen quer zur Faser,
bei der das Holzgefüge zusammengedrückt wird, wird ein
Material von hoher Festigkeit gewonnen, das unter dem Namen
Lignostone in den Handel kommt. Lignostone wird z. B. ver-
wendet für Lagerschalen, Webschützen und Zubehörteile an
Textilmaschinen. Auch am lebenden Baum bestehen schon
Möglichkeiten einer Veredlung durch Imprägnierung oder
Buntfärbung durch den ganzen Stamm.
Neue Arten der Holzverwendung

Aus manchem Verwendungsgebiet ist das Holz durch die
fortschreitende Entwicklung der Technik verdrängt worden. So
ist der Verbrauch an Brennholz infoige der gesteigerten Elektri-
zitäts- und Gasversorgung stark zurückgegangen. Die Holz-
forschung hat dagegen auch vielfach neue Verwendungsgebiete

für den Rohstoff Holz erschlossen. Die schon während des
Krieges angewandten Verfahren zur Verzuckerung des Holzes
und der Vergärung zu Alkohol sowie zur Futtermittel-
gewinnung, die aber nach dem Kriege infolge mangelnder
Ausbeute unwirtschaftlich und nicht mehr durchzuführen waren,
sind heute so weit entwickelt, daß sie große Möglichkeiten
für die Zukunft bieten. Die in Tornesch, Holstein, befindliche
Fabrik, die nach dem Verfahren von Scholler arbeitet, ver-
braucht täglich etwa 15 000 kg Holztrockensubstanz und er-
zeugt 3—4000 I Sprit. Dieser Sprit ist billiger als der in den
landwirtschaftlichen Betrieben gewonnene. Die Wirtschaftlich-
keit des Verfahrens wird sich durch die Ausnutzung der an-
fallenden Nebenprodukte, wie Gerbsäure und Essigsäure, noch
wesentlich steigern lassen. In einer in Mannheim-Rheinau
befindlichen Großanlage sollen nach dem Verfahren von
Bergius rund 9000 t Holz jährlich verarbeitet und daraus 6000 t
Kohlehydrate für Futtermittel gewonnen werden. Der Aufschluß
des Lignins bereitet der Forschung noch große Aufgaben,
da dieser Holzbestandteil noch nicht genügend genutzt wird.

Die Holzvergasung ist so weit wirtschaftlich entwickelt,
daß bereits mehrere hundert Lastwagen und Omnibusse auf
Holzgasbetrieb umgestellt sind. Weitere Verwendungsmöglich-
keiten ergeben sich für Triebwagen und für stationäre Anlagen
im landwirtschaftlichen Betrieb.

Für die Bauindustrie ist eine Reihe von Stoffen entwickelt
worden, die entweder durch Pressen einer Holzfasermasse oder
durch Verbindung von Holz mit verschiedenen zementartigen
Stoffen hergestellt werden. Es ergeben sich so sehr leichte
Bauplatten, die für Trennwände, als Isolationsmaterial für
Außenwände, für Fußbodenbeläge und Deckenbekleidung Ver-
wendung finden. Auch hier besteht die Möglichkeit, die Platten
durch Imprägnierung schwer entflammbar zu machen.

Mischungen von Holzmehl mit Harzen werden zu Preß-
stoffen gebacken, die eine immer steigende Verwendung in
der elektrotechnischen Industrie für den Bau von Schalter-
gehäusen und Apparaten und auch für den Maschinenbau zu
Instrumenten und Geräten finden.

Bedeutung der Holzwirtschaft in der Gesamtwirtschaft

Der Wert der Holzerzeugung beträgt durchschnittlich im
Jahre 4—5 Milliarden Mark, das sind ca. 8% des gesamten
deutschen Volkseinkommens. Die Zahl der in der Forst- und
Holzwirtschaft hauptberuflich Beschäftigten beläuft sich in
wirtschaftlich normalen Zeiten auf etwa 1,5 Millionen Menschen,
die meist in kleineren Betrieben in allen Teilen Deutschlands
beschäftigt sind. Allein die Gruppe Sägewerke, Holzbau und
Möbel hatte bei der letzten Betriebszählung noch mit 600 000
hauptberuflich Beschäftigten mehr Beschäftigte als die Eisen-
und Metallgewinnung mit 580 000 Menschen oder etwa die
Elektrotechnische Industrie, Feinmechanik und Optik zusammen
mit 571 000 Beschäftigten. Darüber hinaus sind weite Volks-
kreise durch nebenberufliche Arbeiten mit der Holzwirtschaft
eng verknüpft; so finden in der Forstwirtschaft über 1,5 Mil-
lionen Menschen durch Fuhrleistungen oder sonstige Hilfs-
arbeiten zusätzliche Verdienstmöglichkeiten. Insgesamt sind
somit über 10% der Erwerbstätigen Deutschlands auf Gedeih
und Verderb mit dem Holz verbunden.

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