Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 8.1933

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Abb. 8. Vorschlag Tamms — Umlauf. Blick gegen das Schloß, vom verlängerten Schloßplatz gesehen. Die rechte Platzseite ist ausgebaut angenommen.
Im Hintergrund die Mündung der Königstraße und der Rathausturm.

gehenden Maßnahmen angesehen werden" (H. Hartwig,
Heft 16 der „Baugilde").

Ueber diese Anregungen hinaus traten mehrere Architekten
mit städtebaulichen Vorschlägen an die Öffentlichkeit und ver-
suchten dadurch von sich aus, die städtebauliche Bearbeitung
ins Rollen zu bringen („Baugilde", Heft 15). Architekt J. Tiede-
mann, Berlin, schlägt die Verlegung des Reichsbankneubaues
an die Südseite des Schloßplatzes vor, ohne den Zusammen-
hang mit dem Altbau zu wahren, wohl eine utopische An-
nahme. Darüber hinaus gibt er aber weitgehende Anregungen
für eine Umgestaltung der westlichen und südlichen Umgebung
des Schlosses, die auch an sich sehr interessant sind. Architekt
W. Heilig, Berlin, befaßt sich mit dem Verhältnis des Neu-
baues zu den historischen Bauten der Umgebung. Ein anderer
Vorschlag von Architekt F. Tamms, Berlin, und dem Verfasser
geht am weitesten und versucht eine Lösung im Sinne der
hier eingangs dargestellten Auffassung der Aufgabe in
ihrem ganzen Umfang (siehe Abbildungen). An der Dis-
kussion beteiligten sich, zum Teil mit weiteren positiven Vor-
schlägen, Architekt Hartwig, Berlin; Prof. Schumacher, Ham-
burg; Dr.-Ing. Kießling, Berlin und Prof. Paul Bonatz, Stuttgart.
(Vgl. „Baugilde", Heft 16.) Es ist zu hoffen, daß sich die maß-
gebenden Stellen diesen Anregungen nicht verschließen,
insbesondere da jetzt, vor dem Winter, die erforderliche Zeit
auf alle Fälle zur Verfügung steht.

Die Notwendigkeit der städtebaulichen Bearbeitung steht
fest und der Weg ist gewiesen, der der großen Verantwortung
der Aufgabe entspricht:

1. Eine Sammlung städtebaulicher Anregungen.

2. Eine systematische Durcharbeitung dieser Anregungen und
die Entscheidung für eine bestimmte Lösung.

3. Auf dieser Grundlage kann die Gestaltung des Baues selbst
erneut in Angriff genommen werden.

Die Architekten haben zur Lösung der Frage beigetragen,
was möglich war. Die Verantwortung liegt nun eindeutig auf

der anderen Seite. Es sei noch einmal betont, daß es sich bei
dem Neubau der Reichsbank um ein Kernproblem für die Ge-
staltung der Reichshauptstadt handelt und daß dies letzten
Endes nicht nur eine Angelegenheit Berlins ist, sondern das
ganze Reich angeht.

* * *

Selbst wenn alle kühnen Hoffnungen in diesem Einzelfall
in Erfüllung gehen sollten, wäre damit aber erst ein einziger,
wenn auch einer der wesentlichsten Punkte in der städtebau-
lichen Aufgabe Berlin gelöst. Wenn diese Stadt aber jemals
das Erbe des 19. Jahrhunderts überwinden will und wenn sie
jemals eine schöne und gesunde Stadt werden soll, dann muß
systematische Arbeit geleistet werden. Dann muß die Reichs-
hauptstadt eine städtebauliche Leitung mit entsprechenden
Befugnissen erhalten, die die Aufgaben nicht von Fall zu
Fall im letzten Augenblick an sich herankommen läßt, sondern
die weitschauend und umfassend plant und zur rechten Zeit
von sich aus an die Aufgaben herantreten kann.

Abb. 9. Obersichtsplan zum Entwurf Tamms — Umlauf vom Alexanderplatz
bis zum Gendarmenmarkt, mit dem verlängerten Schloßplatz und der
Straßengabelung (Einbahnstraßen) Französische — Jägerstraße.

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