Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Erzählt von U. Raupp



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Skändchrn. Federzeichnung von Ferd. Barth

N

das südliche Ufer bei Feldwies, das
westliche bei Harras und Schaffwaschen.

Das Leben der Bewohner der stillen
Insel, der Fischer und Ackerbauer, im
engen Zusammenhang mit der um-
gebenden Natur gibt hauptsächlich den
mannigfaltigsten Stoff zu immer neuen
Schilderungen. Es findet denn auch
Jeder das ihm zusagende Feld und
keiner' begegnet dabei dem andern so
leicht auf gleichen Pfaden. Wenn ein-
mal einer^der Mitarbeiter der „Kunst
für Alle", Herr Helferich, in einem
sehr pikant und geistreich geschriebenen
Bericht über die neueren Erwerbungen
der Dresdener Galerie in Bezug auf
mein dort befindliches Bild sich be-
müßigt sah, vermittelst Parenthese (das
Chicmseebild) eine spezielle Gattung
desselben zu bezeichnen, so hat er,
glaube ich, mir damit, vielleicht un-
beabsichtigt, zu viel Ehre angethan.

Jos. Wopfner z. B. malte bis in die
letzte Zeit vorzugsweise Motive aus
dem Fischerleben, was ich nie gethan,
auf R. Fallenbergs Leinwand finden
wir augenblicklich ein bäuerliches Liebes-
paar, das auf dem tonig dunkeln
Hintergründe des Gestader Waldes
drüben am nördlichen nahen User die
alte und doch ewig neue Frage des
Herzens zum endgiltigen Austrag bringt.

Christian Max Bär dagegen sncht seine
Ausbeute in den blumenreichen Gärt-
chen der kleinen Fischerhäuser, die er
ebenso Pikant als wirkungsvoll mit sein
beobachteter Wahrheit zu verwenden
und mit entsprechender Staffage zu
versehen versteht. Hermann Koch malt
die charakteristischen Details der land-
schaftlichen Umgebung seiner Figuren
hinein in seine Bilder, die Figuren
selbst aber versetzt er um einige Jahr-
hunderte zurück, er sucht den Reiz des
Kostüms mit dem der Landschaft zu
verbinden. Und warum auch nicht,
reicht doch die Geschichte der Frauen-
insel und ihres Klosters zurück bis in das achte Jahr-
hundert und allzuviel wird der Wandel der Zeit an der
Situation im Ganzen, wie im Einzelnen nicht geändert
haben. Ist doch selbst der Einbauin, ein Fahrzeug aus
grauer Vorzeit, noch vor wenig Jahren allgemein im
Gebrauch gewesen! Der verstorbene Meister von Ram-
berg schilderte in seinem bekannten Bilde ein elegantes
junges Paar, das auf stiller Flut, im still verschwiegenen
Schilf Kahn an Kahn geschmiegt, in schüchternem Ge-
ständnis sich gefunden; der junge Maler Diefenbacher
dann wieder einen flüchtenden Wilddieb, auf einem
Schlitten 'von mutiger weiblicher Hand über die zuge-
frorene Fläche des weiten winterlichen Sees geführt. Der
Ausdruck also, in dem individuelle künstlerische Bestrebung
sich hier kund gibt, kann gar mannigfaltiger Art sein und
die wenigen^Beispiele zeigen zu Genüge, in wie vielerlei

Gestalt das künstlerische Auge die in scheinbar engen
Rahmen sich bewegende Inselwelt zu erfassen und zu ge-
stalten weiß. Doch das erste und älteste Genrebild, das
dem Chiemsee seine Entstehung verdankt, dürfen wir hier
nicht vergessen! Es ist das in den vierziger Jahren einst
Aufsehen erregende und eine beispiellose Popularität er-
langende „Ave Maria" von Rüben, in zahllosen Ver-
vielfältigungen bis auf unsre Zeit gekommen und bekannt
geworden.

Im alten Einbaum fitzt ein pilgernder Mönch,
hinüber zu dem mauerumfriedeten Kloster auf kleiner Insel
von Schiffer und Schifferin gefahren. Das letzte Abend-
licht vergoldet die Spitze des Hochgern und unter dem
Glockenton der Klosterkirche finden sich die Hände im
Gebet. Meisterhafter aber als Viktor Scheffel, der durch
dies Bild angeregt, in herrlichem Vers die fülle Poesie
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