Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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IV. Jahrgang, tzeft 19

1. Juli 1889

>- tzerau^gegeben von Friedrich Wecht

^Die Kunst für Alle"' erscheint in halbmonatlichen Heften von 2 Bogen reich illustrierten Textes und 4 Bilderbeilagen in Umschlag geh. Abonnementspreis im
Buchhandel oder durch die Post (Reichspostverzeichnis Nr. 3259, bayr. Verzeichnis 415) 3 Mark 60 Pf. für das Vierteljahr (6 Hefte); das einzelne Heft 75 Pf. —
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Vor Eröffnung der ersten Münchener Inhre^-Au^stellung 1889

von Friedrich pecht

Die Begegnung

Fragment-Zeichnung nach seinem Älbilbe von L. Rickelt

Erste Münchener gahres-Ausstellung IS8S

sst das Aufblühen Deutschlands in unserm
Jahrhundert trotz der heftigsten innern und
äußern Kämpfe an sich schon fast ein Wunder,
so ist es das der Münchener Kunst innerhalb
dieses Zeitraumes kaum weniger. Man muß
das, wie Res., miterlebt haben, um es für mög-
lich zu halten. Denn welcher Unterschied besteht
z. B. zwischen jener im Sommer 1835 in ein
paar Sälen der Kunstakademie ebenso plan- als
geschmacklos aufgehängten dürftigen Bilderzahl
und den mit allen Reizen der Kunst und dem
feinsten Raffinement ausgestatteten endlosen Ge-
mächern, in denen die heutige Münchener Schule
die eigenen, wie die Werke aller zivilisierten
Nationen des Erdballs bei sich versammelt?
Jndeß enthielt jene erste Kunstausstellung, deren
Räume Res. als blutjunger Mensch mit klopfen-
dem Herzen betrat, doch wenigstens zwei Werke,
die bis heute ihren Wert behalten haben: den
Karton des jüngsten Gerichts von Cornelius
und Peter Heß' „Einzug des Königs Otto in
Nauplia" — beide in ihrer Art seither nicht
übertroffen Wird man nun nach abermals
54 Jahren wohl Ähnliches von zwei der jetzt
im Glaspalast aufgestellten Meisterwerke be-
haupten können? Neben vielem andern auch dies
zu untersuchen, mit aller Gewissenhaftigkeit und
aller Ehrlichkeit, aber auch mit jenem Wohl-
wollen, das man den Anstrengungen der Gegen-
wart immer schuldig bleibt, das ist die Auf-
gabe der nachstehenden Berichte.

Jene zwei Werke waren Lerchen, die einen
neuen Frühling der Kunst verkündeten, der aber
doch erst viel später so recht ins Blühen kam.
Denn sonst verhielt sich jene Ausstellung zur

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Di- Aunst für Alle IV
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