Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Weihnachtsgaben deutscher Annst

moderne süßliche Mädchenlitteratur bedarf recht wohl einer Ver-
tiefung, die uns die Erzählungen Brigitte Augustis „Die
letzten Maltheims" und „Die Erben von Scharfeneck"
(L6 Mk.) herbeizusühren wohl geeignet erscheinen. Erstere in der Zeit
Friedrichs des Großen spielend, ist von dem Münchener Maler
Hugo Engl ganz meisterhaft illustriert, was uns um so mehr
verwundern muß, da H. Engl ein Defreggerschüler ist und sonst
nur Bauernbilder malt. Weniger können uns die Illustra-
tionen A. v. Rößlers zu den „Erben von Scharfeneck" gefallen,
wenn schon nicht zu verkennen ist, daß der Künstler gut zu
komponieren versteht.

Das erste Jahr im neuen Haushalt. Eine Ge-
schichte in Briefen. Von R. Artaria. Mit einem Titelbild
und Lichtdruck von R. Rein icke. (Stuttgart, Gebr. Krön er.
5 Mk.) Dieses hübsch ausgestattete Merkchen, dessen Thema
eigentlich weit von dem der „Kunst für Alle" abweichr, verdankt
seine Erwähnung an dieser Stelle nur seinem Titelbilde, welches
von der Hand eines jungen Münchener Künstlers, Rene Rei-

Personal- und Ateliernachrichten Hz

er mit diesem Versuche, die LKriLtmas-dlumKers der Engländer
und Franzosen bei uns einzubürgern, Erfolg haben möge, wollen
jedoch nicht unterlassen für künftige Wiederholungen etwas mehr
künstlerische Konzentriertheit zu empfehlen, denn das technisch
trefflich ausgestattete Heft zeigt eine Buntheit, die uns für die
nach allen Seiten auseinanderlaufenden Kunstbestrebungen der
Reichshauptstadt charakteristisch zu sein scheint. In dem Bestreben
es Allen recht zu machen ist man entschieden zu weit gegangen,
Murillo und Japan vertragen sich schlecht miteinander! Wie
dem auch sei, dem größten Teil des Publikums wird dieser
italienische Salat gar nicht so übel schmecken. 8.

Personal- und Ateliernachrichtrn

* Der Vorstand der Dresdener Kunstgenossenschaft
besteht nach der Wahl vom 27. November für das beginnende
Vereinsjahr aus den Herren Prof. Hermann Hultzsch, Bildhauer,

„Auf kaltem Wege", von Paul üeydel
Probe-Illustration aus „Aus Amors Werkstatt
(Besprechung siehe Seite ys)

nick es herrührt. Auch ans dem kleinen Raume dieses Blattes
offenbart sich das Talent des jungen Illustrators, der nebst
F. Wahle zu den hoffnungsvollsten unter den jüngern Mitarbeiten:
der „Fliegenden" zählt. Vom Text versichert uns eine kompetente
Beurteilerin, daß es eine vortreffliche Weihnachtsgabe für junge
Frauen sei. Da wir nun schon einmal bei der Frauenzimmerlektüre
angekommen sind, wollen wir hier gleich auch unfern Leserinnen
berichten, daß von E. Marlitts Romanen bei E.Keils Nach-
folger in Leipzig eine illustrierte Ausgabe in 70 vierzehn-
tägigen Lieferungen a 40 Pf. erscheint, von der bis jetzt 16 vor-
liegen. Es ist der Verlagshandlung gelungen eine Reihe von
unfern talentvollen jüngern Illustratoren: Kleinmichel, E. Wagner
rc. vor den etwas abgenützten Triumphwagen der Frau Marlitt,
Gott habe sie seelig, zu spannen, so daß die neue Lieferungs-
ausgabe der Werke der beliebtesten aller Gartenlaube-Schrift-
stellerinnen bei allen empfindsamen Frauenseelen auf eine gute
Aufnahme rechnen kann.

Kurz vor Schluß dieses Heftes sendet uns noch der G.G r o t e'sche
Verlag in Berlin ein stattliches Heft in Folio mit reizendem Buntdruck-
umschlag „Deutsches Weihnachtsblatt 1888". Ein Weihnachts-
jupplement zu allen deutschen Familienjournalen. 2'/, Mk. Wir
wünschen den: kunstsinnigen Grote'schen Verlage von Herzen, daß

Vorsitzender, Bildhauer Heinrich Nöller, stellvertretender Vor-
sitzender, Maler Max Fritz, Schatzmeister, Bildhauer Oskar Nassau,
Maler Moritz Rödiq, Maler Prof. Franz Arndt und Architekt
Erhardt Schroth.

— Berlin. Johannes Otzen, der Erbauer der Kreuz-
kirche, erhielt gelegentlich ihrer in Gegenwart des deutschen Kaisers
erfolgten Einweihung den roten Adlerorden.

— München. Jndie Vierzehnerkommission zur Vor-
beratung des „Münchener Salon" sind folgende Herren gewählt
worden: W. Lindenschmit, Fritz Baer, H. v. Habermann, V. Weis-
haupt, A. Langhammer, Pros. B. König, F. v. llhde, W- Keller-
Reutlingen, O. Fröhlicher, B- Piglhein, I. Zumbusch, P. Hoecker,
G. Laeverenz, R. Poetzelberger.

— München. Emanuel Fremiet, der Schöpfer des
vielgerühmten und vielgeschmähten „Gorilla" ist nachträglich als
Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in München
gewählt und bestätigt worden.

— München. Zu seinem 25-jährigen Künstlerjubiläum
hat Adolf Oberländer die Ludwigsmedaille erhalten.

Gestorben. Zu München am 25. November Christian
Jank im Alter von 55 Jahren.
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