Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

Page: 209
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kfa1888_1889/0271
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
IV. Jahrgang, tzeft 14

iz. April 1889

tzerauFgegeben von Friedrich Recht -<

^Die Kunst für Alle" erscheint in halbmonatlichen Heften von 2 Bogen reich illustrierten Textes und 4 Bilderbeilagen in Umschlag geh. Abonnementspreis im
Buchhandel oder durch die Post (Reichspostverzeichnis Nr. 3259, bayr. Verzeichnis 415) 3 Mark 60 Pf. für das Vierteljahr (6 Hefte); das einzelne Heft 75 Pf. —
Inserate die viergespaltene Nonpareillezeile 50 Pf. 12,000 Beilagen 72 Mark, bei größerem Format oder Umfang Preisaufschlag.

Lu Benjamin VautierF 6o. Geburtstage,

den 47. April Mg

Vom Herausgeber

Hinter den großen Schilderern des Bauern-
^ lebens, an denen die neudeutsche Kunst
reicher ist als irgend eine andre, nimmt
neben Knaus und Defregger der französische
Schweizer Vautier unzweifelhaft den her-
vorragendsten Platz ein. Von allen ist er
der anmutigste Jdyllendichter und hat da-
durch dem deutschen Volke in seinen liebens-
würdigen Bildern einen solchen Schatz ge-
schenkt, daß er es überreich verdient, wenn
auch wir heute auf dies selten wohlthuende
Künstlerleben Hinweisen. Ist es schon merk-
würdig, wenn ein Fremder sich so tief in
unsre Sitten und unsre Empfindungsweise,
in die feinsten Eigentümlichkeiten unsrer
Art hineinlebt, daß er sie so unübertrefflich
wiederzugeben vermag, so fällt das am
meisten bei einem Franzosen auf, da die
französische Anschauung vom Bauernleben
sonst eine von der unsrigen grundverschiedene
und nur in der Schweiz derselben ähnlich
ist. Dagegen werden wir den Schönheits-
sinn und die heitere Anmut Vautiers wohl
seiner Abstammung zuschreiben dürfen, da
beide die französischen Schweizer sehr wesent-
lich von den deutschen unterscheiden.

Das Leben unsers Meisters bietet
aber in seiner anscheinend so ruhigen, folge-
richtigen Entwicklung zugleich doch so viel
des Interessanten, daß es schon darum
lohnend sein dürfte, demselben in seinen
Hauptmomenten zu folgen. Denn der
Morgenglanz, die stille, heitere Befriedigung,
die uns auf den meisten Schöpfungen des

Dre Kunst für Alle IV

Benjamin Vautier. Bleistiftzeichnung von L. Schwabe

27
loading ...