Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Der künftiqe Münchener „Salon". Ein Votum des Herausgebers — Personal- und Ateliernachrichten

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I. r. x. Deck, von Joseph 'Fritsch
A. K. Hofburgtheater in Wien

handelt, rauben müßte. — Nur dem Lokalpatriotismus Vorschub
zu thun, kann aber unmöglich Aufgabe eines deutschen „Salons"
sein, so wohlthätig jener sonst in der Kunst zu wirken ver-
mag, wo er als Ausdruck des Stammeslebens noch am ersten
Berechtigung hat.*)

Personal- und Melirrnachrichkcn

* Am 4. Oktober feierte Prof. Karl Werner in Leipzig seinen
80. Geburtstag. Zu Ehren des berühmten Malers hatten die Leipziger
Kunstgenossenschast, der Künstlerverein und die Akademie im Kaisersaale der
Zentralhalle ein ägyptisches Fest veranstaltet, wozu der Saal in eine vom
Mondschein beschienene ägyptische Landschaft verwandelt worden war. Die
Maler Göhring und Crouau hielten Ansprachen. Das Festspiel betitelt
„König Assad", verfaßt von Guido Neumann, verherrlichte die Macht der
Kunst. Assad ist in tiefe Schwermut verfallen und sinnt über die Hin-
fälligkeit alles Irdischen, ja selbst der Götterbilder. Der abendländische
Maler Carlos heilt ihn, indem er ihm zeigt, wie die Natur durch die Kunst
verewigt wird. Ein Kommers beschloß die Feier. Die Genossenschaft
deutscher Künstler, die Berliner und die Dresdener Kunstgenossenschaft
hatten Glückwünsche gesandt. — Karl Werner ist am 4. Oktober 1808
zu Weimar geboren; als achtjähriger Knabe kam er nach Leipzig, wo er
sich später dem Baufache widmen sollte. Nachdem er 1824—1825 an der
Leipziger Akademie unter Hans Veit Schnorr zeichnen gelernt und 1826—1827
an der Universität daselbst Kameralia studiert hatte, wandte er sich später
in München vom Baufache zur Ölmalerei. Auf Empfehlung des Grafen
von Einsiedel, Direktors der Kunstakademie in Dresden erhielt er 1832
ein königliches Stipendium, mit dessen Hilfe er in Italien sich dem Studium
der südlichen Natur, des Volkes und der antiken und mittelalterlichen
Bauten widmete. Nahezu 20 Jahre lebte Werner dann in Italien und
ging hier schließlich ganz zur Aquarellmalerei über. Als reifer Künstler
ging er 1851 nach England, gewann durch einen eigenen Empfehlungsbrief
des Königs von Sachsen an den Prinzen Albert sofort eine günstige Aus-
nahme und errang ebensoviel Ruhm als materiellen Lohn. 1858—1857
bereiste er Spanien, 1862 Palästina, 1863—1864 Ägypten. Aus allen
diesen Ländern brachte er herrliche Kunstwerke zurück, u. a. das herrliche
Aquarell darstellend den Löwenhof der Alhambra, das Prachtwerk Die
livl/ places und die berühmten Nilbilder. Namentlich letztere haben
Werners Namen allenthalben bekannt gemacht und ihm den Ruhm ver-
schafft, der erste deutsche Aquarellmaler seiner Zeit zu sein. Mit vollster
Treue vereinigten diese Ansichten aus dem Lande der Pyramiden eine
Schönheit der Auffassung, eine Feinheit der Behandlung, die ihrer Zeit
ohne Gleichen waren. Aber auch in deutschen Landen ist Werner zu Hause;
eine Reihe schöner Aquarelle, die namentlich den Zauber mittelalterlicher
Bauwerke schildern, bezeugen dies. Seit 1882 ist Werner Lehrer der
Aquarellmalerei an der kgl. Kunstakademie zu Leipzig und hat sich als
solcher wohl bewährt. Berühmte Künstler, wie Passini, haben zu seinen Füßen
gesessen. Möge ihm, dem vielfach ausgezeichneten Künstler, noch ein langer
glücklicher Lebensabend beschieden sein.

Kch Über den Lebens- und Bildungsgang des am 28. August zu
Moskau, wohin er sich zum Besuche seiner Verwandten begeben hatte,
im Alter von 66 Jahren verstorbenen Malers, Professor Karl Lasch aus
Düsseldorf, erfahren wir folgendes: Professor Lasch war ein geborner
Leipziger und ein Schüler von Professor Ed. Bendemann, der Ende der
dreißiger Jahre noch an der Kunstakademie zu Dresden wirkte. Später
ging Lasch nach München und schuf hier unter Schnorr von Carolsfeld
und Wilhelm von Kaulbach seine bekanntesten Werke: „Graf Eberhardt,
der Rauschebart", „König Enzio im Kerker", sowie ein Altarbild „Die
Jünger zu Emaus". Später wandte sich der Künstler nach Moskau, sodann
nach Paris, wo sich um Thomas Couture ein großer Schülerkreis gebildet
hatte und schließlich nach Düsseldorf, wo er sich ansang 1860 niederließ, um
hier fortan ganz der Genremalerei zu leben. Sein Anschluß an Knaus und
Vautier ist in den in Düsseldorf entstandenen Gemälden unverkennbar, die-
selben gehören zweifellos zu den besten Erzeugnissen der Düsseldorfer

») Wir hatten diesen schon vor sechs Wochen entstandenen Aufsatz eben in die Presse gegeben als der vortrefflich geschriebene
des Herrn Prof. Lindenschmit über dasselbe Thema in den M. N. N. erschien, der sich zum unsrigen wie ein glänzendes Ideal zur
nüchternen Wirklichkeit verhält. So viel Schönes derselbe nun auch bringt, so glauben wir doch, daß er zu wenig mit den vorhandenen
Zuständen rechnet. Vorab, daß seine Meinung vom Richteramt der Nation über die Kunstwerke dieselbe sehr viel sicherer im Urteil
voraussetzt als sie in der Thal ist. Oder haben wir aus der jetzigen Ausstellung gerade über die bedeutenderen Schöpfungen nicht die
allcrverichiedensten Meinungen sich geltend machen sehen? Für noch viel utopischer halten wir vollends die Hoffnung, daß sich aus
der Wettbewerbung der verschiedenen nationalen Kunststile das Knnstideal der Zukunft entwickeln könnte. Daraus kann wohl ein
Ragout, ein ungesunder Eklektizismus, aber gewiß niemals eine neue und lebendige Kunst entstehen. Der Herausgeber.
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