Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Der deutsche Aünstleruerein in Rom

Im Hinterhalt, von w. Diez

sich der Verein in früheren Jahren gegen die Laien-
Elemente auferlegt hat, ist mit der Zeit — ob zum
Nutzen oder Schaden des Vereins, bleibe unentschieden —
einer toleranteren Auffassung gewichen und zwar in der
Weise, daß der „Deutsche Künstlerverein" jetzt die in-
tellektuelle und finanzielle Elite der deutschen Kolonie
umfaßt, zu der sich noch einige italienische, österreichische
und schweizerische Elemente aus Künstlerkreisen gesellen.
Leider haben sich nicht alle deutschen Künstler dem Vereine
angeschlossen; manche Männer von Namen bleiben ihm
ferne oder frequentieren wenigstens, wenn sie auch Mit-
glieder sind, die Vereinsabende nicht, und auch die Sonne,
die dem deutschen Künstlerverein einst warm und freund-
lich vom Kapitol herableuchtete, hat sich verfinstert. Der
Abgang Herrn von Keudells aus Rom war ein so
schwerer Schlag für den Verein, daß dieser aller seiner
Lebenskraft bedürfen wird, um ihn angesichts der auch
über Rom hereingebrochcneu trüben und prosaischen Zeit
zu überwinden. Dies alles wirkt zusammen, um den
einst so übermütigen, toll-lustigen Knnstlerrausch, von dem
Palazzo Pacca so beredtes Zeugnis ablegte, in Banden
zu schlagen und den Geist der Nüchternheit, der kon-
ventionellen Steifheit nur allzu oft über seine Abende
auszugießen. Ja, selbst Vater Cauers feuchtfröhliche Scherze
beginnen zu verstummen und aus dem einst von so hohem,
innigem Korpsgeist erfüllten Kerne haben sich mit der Zeit
kleinere, von einander geschiedene Zirkel und geistige Tischge-
nossenschaften herausgeschält. Ein Zustand, der auf die
Dauer natürlich das Vereinsleben schädigen muß und
an die Stelle des fröhlichen Künstlerhumors, der sprühenden
Ausgelassenheit, der durch Musik und Gesang verschöner-
ten Abende in Freundeskreise Nüchternheit der Bier-
bankpolitik und des Kannegießens setzt. 3tur in seltenen
Fällen — von administrativen Versammlungen abgesehen
etwa bei Anlässen patriotischer Feste — tritt noch die
freie Rede oder der alle Anwesende mit einem geistigen
Bande umfassende Toast in seine Rechte ein. Und auch
dann geht die Initiative dazu meist von jenen „alten

Semestern" aus, die heute wie
der Prophet auf den Trümmern
Jerusalems sitzen und mehr in der
Vergangenheit des Vereins leben,
denn in seiner Gegenwart. Die
erste Wendung zum Bessern, der
erste Wiederaufschwnng des Vereins
zu einer seiner Bestimmung wür-
digeren Höhe liegt unzweifelhaft in
dem Gewinne eines besseren, größeren
Lokals, d. h. in der Miete eines
den Dimensionen des Palazzo Pacca
entsprechenden und doch nicht vom
Zentrum allzu entfernt liegenden
Kasinos. Leider sind seit einigen
Jahren die Mietpreise Roms so
enorm in die Höhe geschossen, daß
ein neues Vereinslokal im obigen
Sinne heute eben so viele Tausende,
als einstmals Hunderte kosten dürfte.
Kam der Palazzo Pacca (salvo
Verrore) noch auf 5000 Franks zu
stehen, so würde ein gleich geräumiger
Palazzo jetzt 7—8000 Franken oder
noch mehr verschlingen, während das
gegenwärtige Vereinslokal — dem allerdings der Charakter
des Provisorischen anhaftet — nur etwa 3000 Frk. kostet.

Zu Zeiten Kaiser Wilhelms I. und Kaiser Fried-
richs — beide Protektoren des deutschen Künstler-
Vereins — stoß aus der kaiserlichen Privat-Schatulle
eine jährliche Subvention von 2100 Mark. Die Über-
nahme des Protektorats durch Kaiser Wilhelm II. wird
wohl über die Frage eines neuen deutschen Künstlerheims
und damit über das Wohl und Wehe des nicht übermäßig
auf Rosen gebetteten Vereins zu entscheiden haben.

Wir führen zum Schlüsse noch die Namen des neu-
gewählten Vorstands an: Präsident: Bildhauer Professor
Gerhardt (auch im letzten Jahre Präsident und eines
der ältesten nnd verdientesten Mitglieder des Vereins);
Vizepräsident: I)r. meck. Dantone; Schriftführer: Maler
Effemberger; Kassierer: Bankier Nörenberg; Biblio-
thekar: Rentier Brunswick; Hausmeister: Maler Otto
Brandt. Möge es, wie wir hoffen, dem deutschen
Künstlerverein im neuen Jahre vergönnt sein, sich empor-
zuraffen und wieder ein Vereinsleben zu gründen, wie es
der deutsche Künstler in Rom zu seinem und des Vater
landes Schaden nur allzulange entbehrt hat. r.

Die Aufstellung Düsseldorfer Aünstler in
der Aunstliglle zu Düsseldorf

chon seit längerer Zeit konnte die Düsseldorfer Künstler-
schaft sich der fatalen Bemerkung nicht erwehren, daß
sie auf den großen Ausstellungen der letzten Jahre in München,
Berlin und Wien in ihrer Gesamtheit nicht genügend zur
Geltung gekommen sei und ihr deßhalb vor den Augen
der Welt, um den so erfolgreich vorwärtsstrebenden,
größern Kunststädten gegenüber nicht in den Hinter-
grund zu geraten, eine möglichst glänzende Rehabilitation
Not thue. So entstand der Plan, eine Repräsentativ-
Ausstellung im eigenen Hause zu veranstalten, um in
einem zusammenfassenden Rahmen ein anschauliches Bild
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