Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

Page: 60
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kfa1888_1889/0084
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
eo

Personal- und Ateliernachrichten

Personal- und Meliernachrichirn

— München. Bereits in Heft 22 des vorigen Jahrgangs
berichteten wir, daß auf dem Maximiliansplatz ein Monumental-
brunnen errichtet werden solle. Wie wir nunmehr erfahren, sind
zu der Konkurrenz nur Münchener Künstler zugelassen und die
Entwürfe bis 1. Juni 1889 bei dem Magistrat einzureichen.
Die Jury ist wie folgt zusammengesetzt: Diez, Berlin; Hiidebrand,
Florenz: Schaper, Berlin; von Leins, Stuttgart: Zenetti,
München; R. Seitz, München: Bürgermeister vr. von Widenmayr
und Ritter von Schuttes, München.

* Anfang Oktober d. I. feierte Prof. Ernst Jul. Hähne!
in Dresden sein 40jähriges Prosessorenjubiläum, zugleich den 50.
Gedenktag seiner Ankunst in Dresden zu ständigem Aufenthalte.
Die Dresdener Kunstgenossenschaft überbrachte zu dem festlichen
Tage ihre Glückwünsche in Form einer künstlerisch ausgestatteten
Adresse. Hähnel ist gegenwärtig 78 Jahre alt.

— Wien. Gelegentlich der Einweihung des Hofburgtheaters
wurden vom Kaiser den beteiligten Künstlern eine Reihe von Aus-
zeichnungen verliehen. Karl von Hasenauer erhielt das Ehren-

Hannover den ersten Preis, Architekt Doflein in Berlin den
zweiten und Professor Hubert Stier in Hannover den dritten
Preis erhalten.

— Hamburg. Der Senat der Stadt Hamburg hatte den
Aquarellmaler Hans Bartels dorthin berufen, um die Festlich-
keiten, welche zu Ehren des Kaisers bei Gelegenheit des Zoll-
anschlusses stattgefunden haben, in fünf großen Gedenkblättern
aufzunehmen.

— Berlin. Der von R. B eg as modellierte Monumental-
brunnen wird als Geschenk der Stadt Berlin an den Deutschen
Kaiser zur Ausführung gelangen und mutmaßlich auf dem Dön-
hoffsplatze ausgestellt werden.

* Prof. Ferd. Kellers Koloffalgemälde „Kaiser Wilhelm,
der siegreiche Gründer des Deutschen Reiches" wird bald nach
Schluß der Münchener internationalen Ausstellung in Berlin zur
Ausstellung gelangen.

— Nürnberg. Maler P. Ritter ist zum Professor er-
nannt worden.

* Prof. Johannes Schilling in Dresden, der Meister
des Niederwalddenkmals, hat sich wieder verlobt und zwar mit

Dir Abschied des Königstigers, von Adolf Dberläuder

Zeichen für Kunst und Wissenschaft, die Bildhauer Benk, Wilsenach,
Tilgner, Wehr, ferner Maler Ed. Charlemont den Orden der
eisernen Krone, die Maler Robert Ruß und Hynays den Franz
Josefs-Orden, Eisenmenger, Fuchs, Karger und Kundmann er-
hielten die kaiserliche Anerkennung.

— Zur Erinnerung an die Begegnung Kaiser Wilhelms
und König Humberts wird in der Werkstatt Johnson zu Mai-
land eine goldene Medaille geprägt. Die Vorderseite zeigt einen
Genius, der die Medaillonbildnisse der beiden Monarchen stützt,
die Rückseite trägt eine Inschrift, welche M. Negri, den Bürger-
meister von Mailand, zum Verfasser hat. Beide Seiten sind von
Attributen der Stadt Rom umrahmt.

— Mainz. Für den Neubau einer katholischen Kirche im
Gartenfeld zu Mainz, hat das Komitee ein Preisausschreiben er-
lassen, an welchem sich sämtliche Architekten deutscher Nationalität
beteiligen können. Die Entwürfe, von denen die drei besten mit
Preisen von 3000, 2000 und 1000 Mark gekrönt werden sollen,
sind bis zum 15. Februar 1889 einzureichen.

— Berlin. Die Original-Federzeichnungen HugoKauff-
manns zu dem bei Fr. Bassermann in München erschienenen
trefflichen Zyklus „Aufi und Obi" sind von der kgl. National-
galerie zu Berlin erworben worden.

— Harburg. Bei der Konkurrenz um den Neubau eines
Rathauses für Harburg hat Architekt Christoph Hehl in

einer Freundin seiner Tochter. Er selbst ist über 60 Jahre alt,
seine jugendliche Braut zählt noch nicht 30 Jahre.

O. kt. München. Als er eben in sein 80. Jahr eingetreten,
perschied am 18. Oktober der Nestor der Münchener Landschafter,
Prof. Alb. Zimmermann. In Zittau 1809 geboren, war er erst
ein armer Musiker gewesen und hatte oft nächtelang bei Kirch-
weihen u. dgl. geblasen „daß ihm die Zähne wackelten", wie er
zu erzählen Pflegte. Dann ging er in Dresden erst zur Land-
schaftsmalerei über und kam schon um 1833 nach München wo
er sich rasch einen hervorragenden Platz eroberte durch das un-
gewöhnlich technische Geschick, mit welchem er sich alle möglichen
Stilformen aneignete. Als kecker und geistvoller Naturalist hätte
er sicher den ersten Platz in München eingenommen, kaprizierte
sich aber statt dessen darauf, stilisierte Landschaften malen zu
wollen, was ihm aber selten gelang bei seinem unruhigen, ryth-
mischer Durchbildung der Form nicht günstigen Temperament.
Sein bestes Bild der Art ist eine Rückkehr der heil. Frauen von
Golgatha in der Galerie Schack. Ehrgeizig, strebsam und that-
kräftig in hohem Grade suchte er in seinen Bildern fast immer
jemanden zu überbieten, bald Rottmann, bald Achenbach oder
Calame und geriet dadurch aus die verschiedensten Aufgaben.
Später hat er sich besonders aufs bayrische Gebirge konzentriert
und speziell seine Wasserfälle erfreuten sich großer Beliebtheit. —
Im Jahre 1854 durch Graf Thun an die Mailänder Akademie
loading ...