Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Personal- und Alrlirrnachrichlen

* Bildhauer Robert Diez in Dresden, der sich vor
allem durch seinen Gänsediebbrunnen (auf dem Ferdinandsplatze
zu Dresden) einen bedeutenden Ruf als Meister seiner Kunst er-
worben hat, arbeitet schon seit 5 Jahren an einem großartigen
Werke, welches an Umfang nud Großartigkeit sein erstes weltbe-
kanntes Werk weil überbieten wird. Die Hauptstraße in Neu-
stadt, die breiteste Straße Dresdens wird dadurch einen pracht-
vollen Schmuck erhalten. Sie führt bekanntlich die Augustus-
brücke, im stumpfen Winkel ansetzend, weiter fort. Ihren Anfang
bezeichnen einmal die Neustädter Hauptwache, die von ihrem
Schöpfer Longueluue als Unterbau zu einer prachtvollen Pyra-
mide mit reichem Figurenschmucke gedacht war, das andremal
das Neiterdenkwal Augusts des Starken, weiter iverden an ihrem
Eingänge die prachtvollen Fahnenmasten von Epler ihren Platz
finden, die zum Andenken an Kaiser Wilhelms Einzug in Dresden
errichtet werden sollen. Am andern Ende der Straße stehen
zwei mächtige Brunnenbecken, für welche eben Robert Diez
Figurengruppen schafft. Die eine ist nach fünfjähriger Arbeit
soeben im Modell fertig geworden. Sie veranschaulicht in elf
überlebensgroßen Gruppen das ruhige Walten und Weben des
Wassers. Die mannigfaltigen Empfindungen, die uns angesichts
des vielgestaltigen Wassers ergreifen, treten uns hier lebendig und
greifbar gestaltet entgegen. Wie Phantasiebilder, die aus den
Wellen vor den Augen des träumenden Beschauers auftauchen,
so ersteht hier die Schaar der Nixen und Nymphen, die Pflanzen-
und Tierwelt der Wellen in idealer und realer Erscheinung, eine
süß und anmutig ertönende Symphonie von bestrickenden bald lauter,
bald leiser erschallenden lieblichen Weifen. Da tragen zwei
Nymphen des Wassers schönste Gabe, die Perle in Gestalt eines
schöneu Kindes empor; weiter taucht ein pausbäckiger Bengel
empor, auf dessen Zügen sich frohes Erstaunen über die Herr-
lichkeit der oberen Welt malt, eine fischschwänzige hochgewachsene
Nymphe scherzt mit einem Nixen, ein anmutiges Weib spielt
traumverloren mit ihrem Haar, während ein geflügelter Knabe —
der Schmetterling — und ein liebliches Mädchen — die Libelle —
sie umgaukeln, endlich läßt die Schilfnymphe ihre Saiten ertönen,
während der F-roschreigen seine unmelodischen Laute dazwischen
ruft. — In dieser poetischen Umgestaltung des Wassers in seiner
Ruhe offenbart Diez eine reiche schöpferische Phantasie, getragen
von hohem Schönheitsgefühl und vollendeter Sicherheit in der
Formcngebung. Lebendige Charakteristik und meisterhafte An-
ordnung der Gestalten kommen zu jenen Eigenschaften hinzu, um
ein Meisterwerk zu bilden, welches in bedeutsamer Weise zeigt,
wie auf dein Boden strengen Naturstudiums mit scharfer Ausge-
staltung des Individuellen sich eine hohe ideale Auffassung ver-
binden läßt. — Die zweite Figurengruppe, welche das andre
Brunnenbecken zieren soll, wird das wilde Wallen des Wassers,
das zerstörende Element schildern. Sie wird in etwa drei Fahren
vollendet sein.

— München. Die durch den Tod I. von Hüthers er-
ledigten Direktorstellen an der Glyptothek und der neuen Pinakothek
sind getrennt besetzt worden. Professor H. von Brunn wird
Direktor der Glyptothek und H. von Pechmann Direktor der
Pinakothek.

— München. Rudolf Wimmer, der durch seine
Porträts des Deutschen Kaisers weit bekannte Münchener Maler,
hat vom Deutschen Kaiser den Austrag erhalten, sein Porträt
auch in Marineuniform zu malen.

— Berlin. Der Hamburger Bildhauer Hermann
Kruse modelliert gegenwärtig eine Büste Moltkes, zu der der
Feldmarschall selbst dem Künstler eine Sitzung gewährt hat.

— Berlin. Prof. Geselschap und R. Siemering
haben eine längere Studienreise nach Sizilien angetreten.

* Der Landschaftsmaler Paul Baum in Dresden hat
vom akademischen Rat der Akademie der bildenden Künste da-
selbst das Stipendium der Munckeltschen Stiftung zuerkannt er-
halten. Der Künstler hat sich durch seine Stimmungslandschaften
schon einen guten Namen zu machen gewußt. Er verdankt seine
künstlerische Ausbildung in der Hauptsache Prof. Hagen in Weimar.
Nachdem er dann weitere Reisen gemacht, wurden Prof. Baisch
in Amsterdam und E. Dücker in Düsseldorf für seine fernere Ent-
wickelung maßgebend. Auf der Londoner Ausstellung 1883 er-
hielt er die silberne Medaille, auch in Paris 1884 und in Ant-
werpen 1885 errang er sich Anerkennung als namhafter Ver-
treter der deutschen Landschaftsmalerei. Mehrfach wurden Bilder
von ihm zu Verlosungszwecken angekauft, zuletzt bei der Mün-
chener Jubiläumsausstellung 1888; Se. kgl. Hoheit der Groß-

Aurstellniigen, Sammlungen rc.

Herzog von Weimar besitzt drei seiner reizenden Bilder, die den
Frühling mit feinem und sinnigem Verständnis schildern. Gegen-
wärtig malt Paul Baum in der akademischen Kunstwerkstatt des
Prof. Preller in Dresden.

O. V. Berlin. Professor Woldemar Friedrich hat
gegenwärtig seine zahlreichen Studienblätter aus Indien
im Verein Berliner Künstler ausgestellt. Der Maler hat die
Reise in Begleitung des Herzogs von Holstein, des Bruders der
Kaiserin von Deutschland, gemacht und ein großer Teil seiner
Skizzen schildert die Ereignisse dieser Reise. Unter den Blättern
befindet sich eine Anzahl von Darstellungen interessanter Bau-
werke aus den verschiedensten Jahrbunderten der indischen Bau-
kunst. Besonders anziehend ist die Ansicht der Paläste von Be-
nares am Ufer des Ganges. Seine eigentliche Stärke entfaltet
der Künstler in der Darstellung der Volkstypen. Sowohl das
Charakteristische der Gesichtszüge, als die Farbenprackt der Ge-
wänder, ist in diesen Blättern mit derselben künstlerischen Frische zum
Ausdruck gebracht, welche Friedrichs Illustrationen stets auszeichnet.

6.V. Berlin. Robert Warthmüller ist mit der Aus-
führung einer Anzahl von großen Gemälden, welche Szenen aus
dem heutigen Berliner Leben wiedergeben, beschäftigt. Die in
lebensgroßen Figuren dargestellten Gemälde sind für den Aus-
schank der Bötzow'schen Brauerei in der Friedrichstraße bestimmt.
Zwei von diesen Bildern sind bereits vollendet und im Kuppel-
saal des Vereins Berliner Künstler ausgestellt. Die dargestellten
Szenen „Der Eislauf im Tiergarten an der Rousseau-Insel"
und „Eine Ruderregatta auf der Spree" sind mit außerordent-
licher Frische der Beobachtung wiedergegeben. Warthmüllcr ist
einer der wenigen Künstler, welche in ihren Darstellungen des
großstädtischen Lebens den rechten Ton für die Schilderung der
.modernen Gesellschaft zu treffen wissen, während bei uns sonst
in derartigen Werken säst nur der rohste Janhagel, aber nur
selten etwas von den führenden Ständen des Volkes zu finden war.

— Leipzig. Das in diesem Jahr zum erstenmal zu
vergebende kunsthistorische Reisestipendium der „Anton Springer-
Stiftung" ist von der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissen-
schaften dem vr. xliil Alfred Gott hold Meyer aus Berlin
zuerkannt worden.

?.V.O. Stockholm. Das neue Gemälde von Julius
Kronberg „Die Königin von Saba" ist nunmehr vollendet. Das
große Bild, 16 Fuß hoch, gehört James Dickson in Göteborg,
und wird jetzt öffentlich ausgestellt.

— Berlin. Werner Schuch hat das von ihm für die
Ruhmeshalle des Zeughauses übernommene Gemälde „Die
Schlacht bei Leipzig" vollendet und geht nun an die Ausführung
oer „Schlacht bei Leuthen."

k.V.6. Stockholm. HugoSalmson, der schwedische
Kunstmaler, Hai Auftrag von König Oskar erhalten, sich nach
Stockholm zu begeben, um die Königin zu malen.

— Berlin. Kupferstecher G. Eilers hat ein Porträt
des Deutschen Kaisers radiert, zu dem der Monarch selbst ihm
eine Sitzung geivährt hat. Das Blatt wird im Verlage von
Paul Bette in Berlin erscheinen.

— München. Historienmaler E. PH. Fleischer hat ein
für England bestimmtes neues Panoramenbild, die Schlacht bei
Trafalgar darstellend, nahezu vollendet.

— München. Die Verlagsfirma der Fliegenden Blätter,
Braun und Schneider, zu München, hat aus der internationalen
Ausstellung in Barcelona die große goldene Medaille erhalten.

München. Professor Ed. Grützner hat ein neues
Ölbild vollendet, welches uns in eine Klosterbibliothek führt. Zivei
Novizen sind beim Ordnen ans ein augenscheinlich sehr „interessantes"
Buch geraten, aus dem der eine vorliest. Der Zuhörende ist
vorzüglich charakterisiert, obwohl er fast ganz von hinten dar-
gestellt ist. Doch sie sind nicht unbeobachtet geblieben. Der Pater
Bibliothekar ist leise eingetreten und lauscht hinter einen Pfeiler
verborgen. Das Licht fällt durch zwei Fenster in den Raum und
in der Darstellung dieser Doppelbeleuchtung offenbart E. Grützner
seine ganze Meisterschaft, die niemals nachlässig zu Werke geht,
sondern aus eine sorgsame Durchbildung auf unbedeutende Einzel-
heiten Wert legt. Hierin unterscheidet sich Ed. Grützner sehr zu
seinem Vorteil von vielen künstlerischen Zelebritäten ° der Gegen-
wart, er bleibt immer strenge gegen sich selbst.

Ausstellungen, Sammlungen etr.

6.V. Berlin. In Schvlte's Kunstausstellung ist gegen-
wärtig eine Reihe von Meisterwerken der Münchener inter-
nationalen Kunstansstcllung ausgestellt. Unter den übrigen Werken
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