Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Die Übertragung der Fresken aus Lasa Bartholdy in Rom in die Nationalgalerie zu Berlin

Dir Waus, von Domenico Skutezky

wiener Iahresausstellung 1889
Pbotographieverlag der photographischen Union in München

Trockenmaler; unser Alt und der Münchener Bartels mit Architektur- und Landschaftsaquarellen, Fröschl und
Decker mit Pastellbildnissen, dieser Vertreter der alten, jener der neuen Schule, gehen voran.

Die Skulpturen und Bronzen, welche man diesmal in die Mittelhalle zu wirksamen Gruppen vereinigt
hat, bieten wenig Monumentalplastisches; man sieht, die monumentale Bauperiode ist vorläufig abgeschlossen.
Von unfern meistgenannten Namen hat sich mit Ausnahme Tilgners keiner beteiligt; Straßer ist, wie immer,
interessant und die von Klotz in Holz skulptierten Porträtbüsten bilden in solcher Vollendung eine beachtens-
werte Besonderheit. Max Kleins „Hagar und Jsmael" (siehe Seite 237) atmet plastisches Leben. Zwei
wunderhübsche, flotte Bronzestatuetten von dem Hanauer Akademiedirektor Wiese, dem Preissieger beim
Grimmdenkmale, geben einen erfreulichen Beleg für den Fortschritt der vornehmen Bronzetechnik in Deutsch-
land. So viel zum Überblick; dem Einzelnen soll ein Spezialartikel gerecht werden. Zum „Salon der
Zurückgewiesenen" bietet sich vielleicht Anlaß zu einem Kampfartikel.

Die Übertragung der Fresken aus Lasa Bartboldv in Rom in die Rationalgalerie zu Berlin

von Vtto Donn

as seit langen Jahren der lebhafteste Wunsch aller Künstler
und Kunstfreunde war, welche die künstlerisch wie kunst-
geschichtlich so merkwürdigen Erstlingswerke der modernen deutschen
Freskomalerei in der Casa Bartholdy (richtiger Casa Zuccari) in
Rom an Ort und Stelle kennen zu lernen Gelegenheit hatten:
nämlich deren Rettung vor unvermeidlicher, allmähliger Zer-
störung oder vor plötzlichem Untergang, das ist nunmehr zur er-
freulichsten Thatsache geworden! Wohlbehalten befinden sich jetzt seit
kurzem die acht Fresken von Cornelius, Overbeck, Veit und Schadow,
welche die Geschichte Josephs und die allegorische Verbildlichung
der sieben fetten und sieben mageren Jahre darstellen, in einem
besondern Oberlichtraum des dritten Geschosses der National-

er von Richter

galerie aufgestellt. Wie hoch oder wie gering man auch den
Wert dieser Arbeiten anschlagen mag — eines wie das andre
ist schon oft in so reichlichem Maße geschehen, daß eine nochmalige
Erörterung an dieser Stelle wohl unterbleiben kann — so ist es
doch sicher, daß gerade die Nationalgalerie der richtige Platz für
Werke ist, durch welche unsre moderne deutsche Monumental-
malerei begründet wurde, und von welcher beginnend sie ihren
Aufschwung genonimen hat, nachdem Cornelius zuerst nach Düssel-
dorf, dann nach München, und Philipp Veit nach Frankfurt,
Schadow nach Düsseldorf berufen worden war.

Schon von diesem Gesichtspunkte ans mußte cs als eine
Ehrenpflicht Deutschlands betrachtet werden, jene Werke seiner
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