Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

Page: 183
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Über die Aunst in England. Von üerinan ^elferich Aus AoiN

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Tages: dem Kutscher, den Lakaien, den Champagnerfrüh-
stücken; und dem Akrobaten, der die Menge erheitert und
dem Jockey, der sich von ihr bewundern läßt. Im ganzen
erinnern sie durch eine gewisse Kindlichkeit an die ältere
Wiener Schule, hinter der sie aber, wie mir scheint,
Zurückbleiben. Das „höhere"

Gebiet, das dieser Kunst vor-
schwebt, ist, um ein charakte-
ristisches Beispiel zu nennen,
ein Zahnschmerz der Königin
Elisabeth, — und das niedere
zwei Kinder, denen der Ka-
narienvogel dahinstarb; ihre
Kunst ist nicht sowohl auf
irgend eine Bethätigung von
malerischem Vermögen gerichtet,
als auf irgend einen wichtigen,
mehr poetischen, oder mehr
historischen, mehr humoristischen
oder mehr betrübten Inhalt.

Das Bett der englischen Kunst
ist breit in den vierziger Jahren,
aber es ist auch seicht geworden;
ihr Publikum hat sich erweitert,
aber der Kunstsinn hat nach-
gelassen. Zu sehr wird dem
Publikum Folge geleistet, zu
wenig die Kunst um der Kunst
willen hervorgehoben. Kaum
ist von einem Ideal, von
Wahrheit und Aufrichtigkeit der
Kunst gar nicht die Rede; der
Themenkreis ist niedrig und
beschränkt, und außer in den
für sich blühenden Landschafter-
kreiscn ist keine Erhebung war-
zunehmen. Dies ist die Stim-
mung, in welche die jungen
Leute eintraten, die die Prä-
raffaelitengruppe bildeten; es
war kein dunkel zusammen-
geballtes Gewölk, in das ihr
Blitz ein Gewitter brachte: es
war ein lauer, bedeckter, mitt-
lerer Tag, nicht unfreundlich,
wenn auch in keinem Sinne
schön. Sie nehmen sich darum
in ihren Anfängen, diese jungen
Leute, nicht sehr heroisch aus;
es gab nichts Großes, durch
dessen Zerschmetterung sie sich
einer dankbaren Mitwelt em-
pfehlen konnten: und sie wurden,
als sie auftraten, 1848—49,
mehr ausgelacht, als daß sich wer über sie geärgert hätte.
Zur Kraft gelangte ihr Protest erst, als Ruskin ihr
Wortführer wurde. Da wurde ihr Aufschwung zur be-
wußten Größe; was ihre Bewegung erreicht, sehen wir
im Schlußkapitel.

AuF Kam

anz im Stillen und ohne den sonst üblichen Pauken-
uud Trompetenschall hat sich ein künstlerisches Er-
eignis in der ewigen Roma vollzogen — ein Ereignis,

Das Manuskript, von L. R. Leslie

das an wahrer Größe und Kunst die „Kunstausstellungen"
weit übertrifft, deren Leistungen seit einiger Zeit zu
allermeist den Charakter des Dilettantismus tragen. Wir
sprechen von den Fresken, mit denen der Sienese
Maccari in rastloser fünfjähriger Arbeit Wände und
Decke des im ersten Stock des Senats gelegenen Kon-
versationssaales bemalt hat. Es sind fünf Szenen aus
der großen römischen Vergangenheit, wovon je zwei auf
der der Eingangsthür gegenüberliegenden, von einem
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