Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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IV. Jahrgang, tzefr IA

i. Mai 1889


—tzerauFgegeben von Friedrich Pecht

,Die Kunst für Alle" erscheint in halbmonatlichen Heften von 2 Bogen reich illustrierten Textes und 4 Bilderbeilagen in Umschlag geh. Abonnementspreis im
Buchhandel oder durch die Post (Reichspostverzeichnis Nr. 325g, bayr. Verzeichnis 415) 3 Marl so Pf. sür das Vierteljahr (S Heste); das einzelne Hest 75 Pf. —
Inserate die viergespaltene Nonpareillezeile 50 Pf. 12,000 Beilagen 72 Marl, bei größerem Format oder Umsang Preisausschlag.

IahresauMMmg im Wiener Üünftlerhause

von L. von vincenti

'lich mitten in das Wiener Saisonleben hinein-
fielen, hat sich auch im Künstlerhause schmerzlich fühlbar
gemacht. Das so großartig geplante Künstlerfest entfiel
und die Eröffnung der Jahresausstellung — der acht-
zehnten — spielte sich zum erstenmale seit Bestand des
schönen Kunstheims in der Lothringerstraße in aller
Sülle, ohne jedwede Feierlichkeit ab. Trotzdem ist der
Besuch der Ausstellung, welche mit ihren nahezu
600 Nummern die unteren Räume des Hauses umfaßt,
sofort in diesen ersten Tagen ein sehr lebhafter gewesen.
Dieser Zuspruch ist insofern ein verdienter, als selten
eine Jahresausstellung ein in Bezug auf das Niveau
des malerischen Könnens so befriedigendes Gesamtbild
dargeboten hat, wie diesmal. Ein Sensationsbild
freilich, so ein Kunstmagnet, welcher den Massenbesuch
anzieht, das hinreißende, packende Element fehlt, aber
man sieht sich unter fast durchgehends guten, sorgfältig
gewählten und verständig aufgehängten Bildern, aus
deren erfreuender Mitte hie und da eine vorzügliche
Nummer hervorleuchtet. Dies der sofortige Eindruck;
die Aufnahmsjury, man fühlt es, hat mit Strenge
ihres Amtes gewaltet. Freilich sind diesmal der Un-
zufriedenen besonders viele und wir werden die Neu-
heit eines „Salons der Zurückgewiesenen" bekommen,
wozu bereits alle Vorbereitungen getroffen sind, doch
auch dafür möchten wir uns bei den Juroren bedanken.

Freilicht ist wenig vorhanden; das Experiment
tritt schüchtern auf, ohne daß dadurch das — diesmal
vornehmlich durch den Belgier Courtens vertretene —
Chicbild abginge, vor welchem die Maler in Entzücken
zu verfallen pflegen, während das Publikum sich immer noch nicht zum Verständnis „erziehen" lassen will. Ver-
wegenheiten in Vorwurf und Vortrag machen sich kaum bemerkbar, man würde in ersterer Hinsicht im Gegen-
teil etwas mehr schöpferische Phantasie vertragen. Was die „internationale" Beteiligung anbelangt, so stellt sie

Porträt des Grafen Nadasdy. von Julius Beuczur

wiener Iahresausstellung 1889

Die Kunst für Alle IV

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