Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Unsere Bilder, vom Herausgeber — Personal- und Ateliernachrichten


Aus Th. Rocholls Skizzenbuch

durch Illustrationen absorbierten und doch so hochbegabten
Künstler!

Wie sich die Phantasie der spanischen Maler fast
immer um die Kirche sowie um ihre Feierlichkeiten oder um
ihre Ketzerverbrennungen und andre Liebenswürdigkeiten
dreht, das zeigt uns neben unzähligen andern auch Fe-
lipe Mazü beim „Fest des heiligen Bartolomäus in
Silges". Daß sich da alle Welt vortrefflich amüsiert
und dessen gar kein Arges hat, von den steifen Stadt-
vätern im Frack bis zu den kokettierenden Frauen und
Mädchen, das weiß uns der Künstler mit einer guten
Laune und Überzeugungskraft zu schildern, die doppelt
deutlich beweist, wie enge dort die Alleinseligmachende
noch mit dem Volksleben verbunden ist und daraus ihre
ungeheure Lebenskraft zieht.

Personal- und Nleliernachrichkrn

61. St. Petersburg. Der Maler des Zaren, Michael von
Zichy, der aus der Eisenbahnkatastrophe von Boiki unverletzt
hervorging, arbeitet augenblicklich an einem großen Gemälde, welches
das gerettete Kaiserpaar zwischen den Opfern des Unglücks darstellt.
Der leicht verletzte Zar drückt sich die Hand an die schmerzende
Brust und blickt, bewundernde Zustimmung im Auge, seiner ebenfalls
verwundeten Gemahlin nach, welche einem bewußtlos daliegenden
Offizier mit ihrem Baschlik das blutende Haupt verbindet. Das
Bild soll dem grausen Gegenstand in der versöhnendsten Art
gerecht werden; es wird zuerst in Petersburg, dann in Wien
zur Ausstellung gelangen.

— München. Der Bulgare Weltscho Antonow, der
auf Veranlassung des Fürsten Ferdinand von Bulgarien in
München studiert, hat ein Bild der Kinder des Herzogs Max
Emanuel fertig gestellt.

— Wien. Kronprinz Rudolf hat Maler Ajdukiewicz
beauftragt sein Porträt sowie ein größeres Gemälde, die galizuchen
Manöver darstellend, anzufertigen. Ersteres ist zu einem Ge-
schenk für den Kaiser bestimmt.

^ München. Auf der Weltausstellung in Barcelona
haben von Münchener Firmen außer Braun L Schneider
noch die Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft
vorm. Friedr. Bruckmann, die Hofphotographen Jos. Albert
und Friedrich Müller, sowie der Glasmaler Gust. von
Treek die höchste Auszeichnung, die goldene Medaille, erhalten.

— München. Die Zettlersche Hof-Glasmalerei hat die
Herstellung von 18 Fenstern mit Glasmalereien für eine Kirche
zu Philadelphia und die katholische Universität zu Washington
übernommen.

tt. Mainz. In San Remo starb nach kurzem Kranken-
lager der Geh. Ober-Hofbaurat Hoffmann am 3. Januar
im Alter von 82 Jahren. Hoffmann hat die dreischiffige kreuz-
förmige katholische Kirche, die griechische Kapelle und die israelitische
Synagoge in Wiesbaden erbaut; ferner den Ausbau des Wies-
badener und den Neubau des Kurhauses in Langen-Schwalbach
entworfen und ausgeführt.

61. Wien. Das österreichische Museum für Kunst und
Industrie hat bei dem Budapester Bildhauer Prof. Alois Strobl
die Büste Franz Pulßkys bestellt, welche in den Räumen der
keramischen Sammlungen des Museums zur Aufstellung gelangen
soll. Pulßky, der Direktor der ungarischen Nationalmuseen, ist
der erste ungarische Gelehrte, dessen Büste im österreichischen
Museum ihren Platz findet, und man muß bekennen, daß die
Leitung desselben sich den Würdigsten auszuwählen verstand,
einen Mann, der sich als Kunstkenner, Archäologe und universell
gebildeter Mensch eines Weltrufes erfreut. Professor Strobl
arbeitet die Büste in weißem Marmor und postiert sie auf einen
stilisierten Sockel; das Werk wird vor seiner Ablieferung in Paris
ausgestellt, während das Originalmodell vom Künstler dem Buda-
pester Nationalmuseum geschenkt wird.

tb. Rom. Die Ehrenrettung Phrynes. Das etwa
ist das Thema des neuen Gemäldes von Siemiradski, das
in Rom bereits des größte Aussehen erregt hat. Die schöne
griechische Hetäre ist im Begriff, bei einem Neptunsfest zu Eleusis
als „Venus Anadyomene" ins Meer zu stürzen. Da steht sie in
ihrer ganzen, herrlichen, siegreichen Schönheit, von einem fast
überirdischen Glanze übergossen, mit wallenden goldenen Haaren,
das edle Antlitz 'gedankenvoll zur Seite geneigt und die form-
vollendeten Glieder in göttlicher Nacktheit — eine kleine gold-
durchwirkte Schärpe allein bedeckt noch die rechte Hüfte. Um die
Priesterin der Liebe sind Dienerinnen beschäftigt, die langen
Locken zu ordnen, die Sandalen zu lösen, das Haupt der Herr-
lichen durch einen Sonnenschirm vor der sengenden Sonne zu
schützen; andre breiten Teppiche aus, auf denen die neue

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