Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

Page: 49
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Adolf Oberländer

von Adolf Layersdorfer

(^l?n diesen Oktobertagen waren es 25 Jahre, daß man in ganz Deutsch-
es land ein nationales Fest beging, den fünfzigsten Jahrestag der Schacht
bei Leipzig, ein Fest, welches nach der Korrespondenz eines großen Pariser
Blattes in Süddeutschland so wenig Anklang gefunden haben sollte, daß
man es in der bayrischen Hauptstadt beispielsweise „in einem Keller" ab-
halten mußte. Zu den frohesten unter den frohen Festgästen, welche damals
auf dem prächtigen Augustinerkeller den deutschen Sieg feierten, gehörte
auch ein junger achtzehnjähriger Künstler, welcher neben dem Nationalfest
noch ein kleines persönliches beging. Er hatte an diesem Tage den be-
scheidenen Grundstein gelegt zu einer künstlerischen Thätigkeit eigener Art,
deren Ersolge zwar noch in der Zukunft schlummerten, welche aber heute
nach 25 Jahren, der ganzen kunstliebenden Welt im weitesten Sinne des
Wortes lieb und vertraut sind. Der junge Mann hatte nämlich eine
Zeichnung bei der Redaktion der „Fliegenden Blätter" untergebracht, und
der weltkluge, menschenkundige Kaspar Braun, welcher für jegliches Künstler-
tum eine so gute Witterung besaß, hatte ihn merken lassen, daß er in
steter Beziehung zu ihm zu bleiben gewillt sei.

So feiern wir denn heute wieder ein Jubiläum, das jenes Künstlers,
ohne den man sich die „Fliegenden Blätter" nicht mehr denken kann,
Adolf Oberländers.

Ehe wir von dem Jubilar selbst reden, sei uns ein Rückblick auf
Der „Ten;". von A. Oberländer den Schauplatz seiner Thaten gestattet. Was die „Fliegenden Blätter" für

die deutsche Kunst und deren Entwicklung waren und noch sind, ist zwar
in keinem der Kunsthandbücher, welche den Tageserfolg der
künstlerischen Produktion zu registrieren Pflegen, zu lesen, es bedarf
aber nur des Hinweises auf diese merkwürdige Produktionsstätte
künstlerischer Gebilde, um einzusehen, daß sie ganz ungezwungen
zu einem wesentlichen Faktor in der Entwicklung des deutschen
Kunstgeistes werden mußten. Wenn wir sagen, daß in den
„Fliegenden Blättern" die Kunst vielfach einen wahreren und
reicheren Ausdruck gefunden hat, als in der konventionellen Bilder-
produktion, wo sie so häufig nur ein bestechendes Bildungsresultat
und des Nachweises ihres Ursprungs aus einer wirklichen Künstler-
natur, die nicht nur dichten kann, sondern muß, überhoben ist,
so mag das heute noch paradox erscheinen. Wer aber die vierzig
Jahrgänge dieser Zeitung durchblättert, wird in ihnen, wenn auch Das verkommene Genie, von A. Oberländer

Die Aunst für Alle IV

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