Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Modelle. Ein Novcllenkranz. von Johannes Proelß — Personal- und Ateliernachrichten — Denkmäler rc.

einst zurücktreten möchte, ebenso wenig mag sie je wieder
ihre Freiheit der Leidenschaft eines Mannes unterwerfen.
Noch immer ist sie frisch und schön wie der Süden ans
Capri. Und ihr Lachen hat auch heute noch jenen be-
strickenden, bethörenden Zauber; das ist die Art der
Sirenen.

Personal- und Mrlirrnschrichkrn

O. >V. Berlin. Die künstlerische Ausstattung der Ruhmes-
halle nähert sich immer mehr und mehr der Vollendung. In
der großen Kuppelhalle arbeitet gegenwärtig der Berliner Meister
Friedrich Geselschap an seinem vierten Kolossalgemälde
sür die Ruhmesballe, „den Frieden". Mit der Fertigstellung
dieses Gemäldes ist die malerische Ausschmückung der Herrscher-
halle vollendet, in der von Bildwerken nur noch das Reiter-
standbild Kaiser Wilhelms fehlt, mit dessen Herstellung bekanntlich
Professor v,-. Si eine ring betraut ist. Während die eine
Feldherrnhalle bereits in allen ihren Teilen fertig dasteht, arbeitet
in der westlich gelegenen Feldherrnhalle gegenwärtig der Historien-
maler Fritz Röber, Düsseldorf, an dem ihm in Auftrag ge-
gebenen Wandgemälde „Die Schlacht bei Leuthen". Für dieselbe
Halle hat auch Professor Janssen, Düsseldorf, ein kolossales
Gemälde „Die Schlacht von Hohenfriedeberg" zu fertigen, doch
ist über den Beginn desselben in der Ruhmeshalle selbst näheres
bis jetzt nicht bekannt geworden.

— Berlin. Die „Berolina" des Bildhauers Hundrieser,
die bei dem Einzug des Königs von Italien in Berlin ans dem
Potsdamerplatz ausgestellt war, wird von dem Künstler zur
Ausführung in Marmor neu modelliert.

— Berlin. Der Augenblick, da Kaiser Friedrich als
Herrscher zum ersten- und letztenmal — im Schloßpark zu
Charlottenburg die Parade über eine Brigade seiner Gardetruppen
abnahm, die der damalige Kronprinz Wilhelm ibm verführte,
soll auf persönliche Veranlassung des Kaisers im Bilde verewigt
werden. Der Kaiser hat den Maler Georg Koch mit der
Ausführung des Gemäldes betraut, und der Künstler hat zu
diesem Behufe schon Skizzen entworfen, welche die Zustimmung
des Kaisers gefunden haben.

— München. Zu den im vorigen Hefte bereits erwäknten
Auszeichnungen, welche deutsche Künstler auf der Pariser Welt-
ausstellung erhalten haben, tragen wir noch nach, daß Hans
Herrmann und Walter Peterssen die zweite und Dora
Hitz die dritte Medaille erhielten, außerdem Fr. Stuck und
Herrn. Vogel in Flensburg die Ickemion llonoradle. Unter
Verzicht auf Medaillierung hatten G. Kuehl als Preisrichter
und A. Menzel ausgestellt.

— Athen. Professor Gpsis und Maler Jakobides
in München haben sür ihre im Herbste vorigen Jahres in Athen
ausgestellten Werke jetzt die beiden einzigen auf die Abteilung
für schöne Künste fallenden goldenen Medaillen erhalten.

— Zürich. Zu Gottfried Kellers siebzigstem Geburts-
tag hat vr. Arnold Böcklin in Zürich eine Medaille ent-
worfen, die aus der Vorderseite das Bildnis Gottfried Kellers
und auf der Rückseite eine Versinnbildlichung seines poetischen
Schaffens zeigt. Die zahlreichen Verehrer des berühmten
schweizerischen Dichters wird es interessieren, daß eine größere
Anzahl von Bronzeabdrücken dieser Medaille der Buchhandlung
von Albert Müller in Zürickx.zum Verkauf übergeben worden
ist. Ein etwa sich ergebender Überschuß soll zu einer Keller?
Stiftung Verwendung finden.

— München. Professor Konrad Knoll hat das für
Kissingen bestimmte Standbild König Ludwigs I. im über-
lebensgroßen Modell vollendet. Die Ausführung in Marmor
wird wohl noch im Lause dieses Herbstes beginnen. In dem
Atelier befindet sich auch die Kolossalbüste des Kaisers Wilhelm I.,
welche in der Walhalla ausgestellt werden soll.

— Düsseldorf. Der Maler F. Klein-Chevalier ist
vom Magistrat der Stadt Heidelberg aufgefordert worden, sich
mit zwei ehenfalls dazu eingeladenen'Kiinstlern an einem engeren
Wettbewerb, betreffend die Ausmalung des neuerbauten Rat-
hauses zu beteiligen.

— Berlin. Adolf Menzel hat ein kleines Gemälde
„Schluß eines Hosfestes" darstellend, vollendet.

O. 7V. Berlin. Der in den weitesten Kreisen und auch
unfern Lesern wohlbekannte Maler Wojldemar Friedrich
hat den Charakter eines preußischen Professors erhalten.

— Berlin. Professor Paul Meyerheim ist auf Vor-
schlag des Vereins Berliner Künstler vom Minister zum Mit-
glied der Landes-Kunstkommission ernannt worden.

— Krllorbrn. Am IS. Juli in Paris der Wiener Tier-
maler Otto von Thoren, im Alter von 61 Jahren. — Am
7. Juli in Paris Maler L. I. Et ex im Alter von 79 Jahren.

Denkmäler rkr.

— Berlin. Die Entwürfe für das Kaiser Wilhelm-Na-
tional- Denkmal sollten ursprünglich in Verbindung mit der dies-
jährigen großen akademischen Kunstausstellung im provisorischen
Ausstellungsgebäude am Kantiansplahe zur öffentlichen Aus-
stellung gelangen. Nachdem sich inzwischen die Berliner Bild-
hauervereinigung an den Staatssekretär des Innern von Böt-
ticher mit einer Vorstellung gewandt hat, in welcher auf die
räumliche Unzulänglichkeit und Unwürdigkeit des baufälligen
Gebäudes für diese bervorragendste Bildhauer-Konkurrenz der
neueren Zeit hingewiescn wurde, ist höbercn Orts die Ent-
scheidung getroffen worden, daß die für die Aufstellung der
Entwürfe nötigen Säle im Landcsausstellungspalaste von der
UnsallverhütungS-Ausstellung geräumt werden, und die Aus-
stellung der Denkmals-Entwürfe dort stattsindet. Von der
Ausstellung größerer Sknlpturwerke auf der akademischen Aus-
stellung, welche anfänglich im provisorischen Ansstellungsgebäude
am Kantiansplatz als Appendix zu ersterer in Aussicht genommen
war, soll infolge dessen für dies Jahr gänzlich abgesehen werden.
Nur kleinere Skulpturen bis zu lebensgroßen Statuen sollen in
den Bildersälen des Akademiegebäudes aufgestellt und da-
durch die Zweiteilung der Ausstellung vermieden werden,
llm die Renovation der Akademieräume, welche unter der
Leitung des Baurats A. Heyden stattfindet, rechtzeitig zu er-
möglichen, müssen eine Anzahl von Ateliers- und Unterrichts-
räumen schon mit Anfang Juli zur Verfügung gestellt werden,
was in Verbindung mit dem späten Beginn des Wintersemesters
eine empfindliche Störung des Unterrichts an der kgl. Hochschule
sür die bildenden Künste mit sich bringt. Trotzdem hofft die
Berliner Künstlergenossenschast, welche durch Übernahme des
Verkaufs- und Lotteriegeschäftes das lebhafteste Interesse an der
Ausstellung hat, auf ein günstiges Ergebnis derselben. Das
Berkaufsbureau ist ebenso wie die Lotterie unter Leitung einer
Kommission des Vereins Berliner Künstler einer bewährten Kraft
anvertraut. Die Lotterie ist in neuer Weise eingerichtet, derart,
daß nicht bestimmte Kunstwerke als Gewinne aus-gewählt sind,
sondern es dem Gewinner überlassen bleibt, sich solche nach
seinem Geschmacke selbst auszuwählen. Tie Lose werden aus-
sogenannten Automaten vermittelst Einwerfens einer Mark
gezogen und es wird dadurch die Ziehung und Verabfolgung
der Gewinne, welche bisher erst Monate nach Schluß der Aus-
stellung erfolgte, sofort mit dem Schluffe derselben ermöglicht.

H Dessau. Mit der Ausführung des Hierselbst dem
Philosophen Mos es Mendelssohn zu errichtenden Denkmals
ist nunmehr der Berliner Bildhauer Heinz Hoffmeister,
welcher bei der seinerzeit ausgeschriebenen Konkurrenz eine ehren-
volle Erwähnung davontrug, betraut worden. Der von diesem
Künstler gefertigte Entwurf ist als Brunnenanlage gedacht. Auf
leichtem, gefälligem Grundriß erheben sich Treppen, welche die
schön gegliederte Wölbung eines Bassins tragen, in dessen Mitte
das Monument, auf Felsen ruhend, emporragt. Das reich ver-
zierte Postament trägt die Kolossalbüste Mendelssohns. Ihm
zur Seite sitzt die überaus künstlerisch aufgefaßte und trefflich
gebildete „Philosophie", den Blick in weite Fernen gerichtet.
Die drei andern Seiten des Postaments werden von einer
großen phantastisch geformten Muschel umrahmt, in welche sich
aus Tierköpfen Wasser ergießt. Für die Aufstellung des Denk-
mals find die Gartenanlagen vor dem hiesigen Bahnhofgebäude
in Aussicht genommen. Der Künstler hat versprochen, die
Arbeit derart zu fördern, daß die Enthüllung des Denkmals
bereits im Herbst nächsten Jahres erfolgen kann.

— Straß bürg. In dem großen Lichthofe des Kollegien-
gebäudes der Kaiser Wilhelms-Universität soll eine Büste des
am 19. Januar 1888 verstorbenen Professors De Vary, des ersten
Rektors der neugegründeten Straßburger Universität, aufgestellt
werden. Die Ausführung dieses Denkmals ist dem Stuttgarter
Bildhauer Profeffor Donndorf übertragen worden.

— Leipzig. In Leipzig wird ein Felix Mendelssohn-
Denkmal errichtet werden. Zu den Kosten des Denkmals, welche
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