Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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vermischte Nachrichten — vom Runstmarkt

22§

Konkurrenzordnung den jetzigen Zeitverhältnissen entsprechend ab-
zuändern. Als ein solcher dürste auch das Verfahren auszu-
fassen sein, daß in diesem Jahre für die Hauptaufgabe dasselbe
Thema gewählt wurde, wie für die Vorprüfungsarbeit; es war
auch in Anregung gebracht worden, das Arbeiten unter Klausur
als nicht mehr zeitgemäß und der Würde des Künstlers ent-
sprechend in Wegfall zu bringen; allein auch diese Einrichtung
ist für dieses Jahr beibehalten worden.

— München. In den Vorstand der Münchener Künstler-
genossenschaft wurden gewählt als: erster Präsident E- v. Stieler,
zweiter Präsident Gust. Frhr. von Bechtolsheim, Schriftführer
C. Alb. Baur und Fritz Bär; Beisitzer H. Bartels, Heiur. Braun,
M. Grönvold, Hipp, von Klenze, Th. Knesing, Claus Meher,
Gg. Papperitz, Wilh. Rümann, Gabr. Seidl, H. Zügel, Jul.
Zumbusch.

— Melbourne. In der Centennarausstellung zu Mel-
bourne, welche am 31. Januar geschlossen wurde, wurden von
den 27 großen goldenen Medaillen 16, von den 72 kleinen gol-
denen Medaillen 38 an deutsche Künstler verliehen. Mit der
großen goldenen Medaille wurden ausgezeichnet: Karl Hoff, Prof.
Hans Gude, Ernst Zimmermann, E.Körner, Prof. A. v Werner,
Prof. Ernst Hildebrand, Prof. Hermann Baisch, Hans Hermann,
Louis Donzette, Müller-Kurzwelly, C. v. Piloty, Rene Grön-
land, Joh. Hermes, Friedr. Kallmorgen, Bruno Piglhein und
Kupferstecher Hans Mayer.

» Der Plan, welchen die Dresdener Künstlerschaft für
den großen Festzug zum Wettiner Jubiläum entworfen hatte und
an dessen Ausgestaltung bereits wochenlang gearbeitet worden
war, ist verworfen worden, da es sich herausgestellt hat, daß
weder die Zeit noch die Mittel vorhanden sind, um den Festzug
in der geplanten Weise auszuführen. An Stelle des historischen
Festzuges soll nun ein Huldigungszug treten, an dem sich Ab-
ordnungen aus ganz Sachsen werden beteiligen können. Die
Dresdener Kunstgenossenschaft als solche wird sich begreiflicher-
weise nicht an dem Zuge beteiligen; jedoch werden einzelne Künstler
an der Anordnung und Durchführung des Zuges Mitarbeiten.
Dagegen will die gesamte Kunstgenossenschaft den Gefühlen der
Dankbarkeit und Verehrung gegen das Haus Wettin durch eine
Huldigungsadresse Ausdruck verleihen, welche künstlerisch ans das
prächtigste ausgestattet werden soll. Die hervorragendsten Künstler
sollen die Adresse mit Aquarellen schmücken.

Ir. Berlin. Das akademische Meisteratelier für Kupfer-
stechkunst an der hiesigen Akademie ist noch nicht besetzt, wenigstens
weist der für das Sommersemester veröffentlichte Lehrplan eine
Wiederbesetzuug der Borsteherstelle noch nicht auf. Seit dem im
Oktober 1882 erfolgten Tode des Kupferstechers Professor Eduard
Mandel ist also diese eigentliche Berliner Kupserstecherschule nach
nahezu lOOjährigem Bestehen, von einer etwa vierjährigen kom-
missarischen Verwaltung derselben durch den Kupferstecher Hans
Meyer abgesehen, vollständig verwaist. Junge Künstler, welche
sich der KÜpferstechkunst Hierselbst widmen wollen, sind ge-
zwungen, sich etweder privatim oder in München oder Düsseldorf
zu bilden, da der Unterricht für Kupferstecher bei der hiesigen
Hochschule für die bildenden Künste sich vornehmlich auf die
Radiertechnik beschränkt. In maßgebenden Kreisen soll der Wunsch
rege geworden sein, als Vorsteher des Meisterateliers einen her-
vorragenden Radierer zu berufen, und auf die Pflege des Linien-
stiches weniger Gewicht zu legen, als dies bisher geschehen.

— Leer. In Leer soll ein neues Rathaus erbaut werden,
für welches ungefähr 300,000 Mk. zur Verfügung stehen. Der
Magistrat hat hierzu eine Preisbewerbung unter den deutschen
Architekten eröffnet und nimmt Entwürfe für die Konkurrenz bis
zum 15. Oktober entgegen. Es sind drei Preise zu 1000, 750
und 500 Mk. ausgesetzt, außerdem bleibt der Ankauf weiterer
Entwürfe zu je 300 Mk. Vorbehalten. Als Preisrichter fungieren:
Baurat Köhler in Hanover, Baurat Wallot in Berlin, Ar-
chitekt H. Müller in Bremen und Stadtbaumeister Tipp in
Leer, sowie der Bürgermeister Dieckmann und der Bürgervor-
steher Schmidt zu Leer.

— München. Die ordentliche Generalversammlung der
Münchener Künstlergenossenschaft vom 18. März genehmigte den
Rechenschaftsbericht, die Rechnungsablage über die verschiedenen
Kassen, den Vermögensausweis, und erteilte dem Vorstand
Decharge. Nach der Tagesordnung erfolgte hierauf die Wahl
jener Kommission, welche die Wahlergebnisse während des lausen-
den Geschäftsjahres zu prüfen hat. Maler Heinrich Lang wurde
sodann aufs neue als Vertreter der Genossenschaft bei der

v. Hügelschen Stiftung für die Pinakothek durch Akklamation ge-
wählt. Ein ausführlicher Bericht des Vorstandes über die 3.
Internationale und Jubiläums-Kunstausstellung 1888 fand den
Beifall der Versammlung. Aus der vorgelegten Abrechnung geht
hervor, daß die Einnahmen 541,766 Mk. Und die Ausgaben
425,246 Mk. betrugen, und daß der Gesammtüberschuß sich ein-
schließlich des Schätzungswertes der stehen gebliebenen Einbauten
im Glaspalast auf etwa 140,000 Mk. beläuft. Hievon sind zur
Zeit verfügbar 79,000 Mk. Der Vorstand beantragte hievon

15.000 Mk. dem Künstlerunterstützungsvereine zu überweisen,

30.000 Mk. für den Künstlerhausbausonds abzugeben und den
Rest dem Genossenschaftsvermögen zufließen zu lassen. Für den
Fall einer noch weiteren in Aussicht stehenden Einnahme ersuchte
der Vorstand um Ermächtigung, dem Künstler - Wittwen- und
Waisen-Berein die Summe von 3000 Mk. zuwenden zu dürfen,
sämtliche Anträge des Vorstandes wurden von der General-
versammlung einstimmig genehmigt. Schließlich wurde der Ter-
min für Abhaltung der vierten Internationalen Kunstausstellung
unter Beibehaltung der vierjährigen Periode auf das Jahr 1892
festgesetzt. (M. N. N.)

— Barmen. Dem 23. Jahresbericht des Barmer Kunst-
vereins entnehmen wir, daß im Jahre 1888 aus privaten Mitteln
zehn Ölgemälde und sieben andre Kunstwerke zu dem Gesamt-
beträge von 5122 Mk. angekauft wurde. Für die Gemäldesamm-
lung des Vereins wurden außer Brütt „Aus bewegter Zeit" und
Gehrts „Die Schöpfung des Künstlers," für die Verlosung
noch dreizehn Ölgemälde erworben.

* Die Tiedgestiftung in Dresden, deren Vermögen
jetzt 657,000 Mk. beträgt, konnte laut Bericht im Jahre 1888
über 28,048 Mk. 3 Pf. verfügen. Hiervon sind 13,100 Mk. zu
Ehrengaben und Unterstützungen verwendet worden und zwar
600 Mk. an Musiker und 1900 Mk. an Hinterlassene von
Musikern, 2800 Mk. an Maler und 5700 Mk. an Hinterlassene
von Malern, 1200 Mk. an Hinterlassene von Kupferstechern,
300 Mk. an solche von Bildhauern, 300 Mk. an Dichter und
Schriftsteller und 300 Mk. an Hinterlassene von solchen. 2400 Mk.
wurden an Herrn Bildhauer Bäumer abschläglich für einen monu-
mentalen Brunnen, der nach Zittau bestimmt ist, bezahlt; der
Rest von 12,484 Mk. 3 Pf. wurde ebenfalls für künstlerische
Zwecke verfügbar gehalten. Der Vorsitzende des Ausschusses der
Tiedgestiftung ist Herr Oberbürgermeister vr. Stübel in Dresden;
von Künstlern gehören ihm an: Prof. Bürkner, Pros. vr. Große,
Bildhauer Robert Diez.

— Für das Landesdenkmal, welches die Provinz Westfalen
Kaiser Wilhelm an der xorta rvestpkulicu errichten will, hat der
Provinziallandtag die Summe von 500,000 Mk. bewilligt.

— Krefeld. Professor A. Baur in Düsseldorf hat den
für das Krefelder Textilmuseum bestimmten Bildercyklus nunmehr
vollendet. Das letzte Bild stellt „die Einführung der Seiden-
industrie in Sizilien durch König Roger" dar.

— Breslau. Für das schlesische Museum der bildenden
Künste ist Hans Herrmanns Gemälde „Fischmarkt in Amster-
dam" erworben worden.

Vom Lunstmarkl

II. Antiquar G. Heß in München (Arcostr. 1) veröffent-
licht soeben einen Katalog mit 590 Nummern, insgesamt kost-
bare, meist ältere Pracht-Werke aus dem Bereiche des Kunst-
gewerbes, der Architektur und Skulptur; im Anhang finden sich
viele interessante Örnament-Stiche. Als besondere Selt-
samkeit erscheint eine von Alma Tadema eigenhändig geschriebene
und durch 60 sehr fein mit der Feder und in Tusche ausgesührte
Darstellungen (Architekturen, Landschaften u. s. w.) illustrierte
Abhandlung »Over cke 0ersx>ectief ok ckoorriAtlcuucker.

— Frankfurt a. M. Am 8. April und an den folgenden
Tagen wurden im Kunstauktionslokal von Rudolf Bangel eine
reichhaltige Sammlung von Kupferstichen, Holzschnitten, Büchern
und Handzeichnungen versteigert. Unter letzteren befanden sich
ganz besonders schöne Blätter von Albrecht Dürer, Beham,
Aldegrever, Reinbrandt.

Aedaktionsschluß SV. März - Ausgabe IS. April

Unhalt des vierzehnten kdestcs : ^ert: Friedrich Pecht. Zu Benjamin
VautierS k». GcvurtSiag — P. Hann. Ein Aprilscherz — Kunsinotizen !c.
— Mlderöeilageu : B c n j a m i n V a u l i e r, Erste Tanzstunde — Dersetbe,
Toast aus die Braut — Derselbe, Begräbnis aus dem Lande — Derjelbe,
Ein Zwcckcsscn aus dem Laude.

Für die Redaktion verantwortlich: Fritz Schwartz — Druck der Bruckmann'schen Luchdruckerei in München
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