Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Denkmäler rc. — Preisausschreiben

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Denkmäler rtr.

Spandau. Die von dem Bildhauer Professor
Erdmann Encke, Berlin, seinerzeil entworfene Nbodellskizze
zu deni Hierselbst zu errichtenden Denkmale des Kurfürsten
Joachim 11. von Brandenburg hatte den ungeteilten Beifall des
Denkmals-Komitees, an dessen Spitze der Staatsminister Or.
v. Goßler steht, gefunden. Nunmehr ist von dem Künstler das
für die Aussührung bestimmte kolossale Gipsmodell fertig ge-
stellt worden. Der Guß des Denkmals selbst wird in Lauch-
hammer ersolgen. Für die Grundsteinlegung des Denkmals,
welches auf dem Platze in der Nähe der Ntkolaikirche Aufstellung
finden soll, ist der 2. November d. I., der 350. Jahrestag der
Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg durch
Joachim II. in Aussicht genommen. Dieses neue Werk, des be-
sonders durch sein „Lomsendenkmal", durch seine Bronzestatue
des Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg an der Fassade
des neuen Rathauses in Berlin, das Standbild des Turnvaters
Jahn ebenda, ferner durch seine kolossalen Bronzestaluen des
Großen Kurfürsten und Friedrich des Großen und verschiedene
höchst lebensvolle Büsten rühmlichst bekannten Meisters, welcher
seine Kunst von Albert Wolfs, Berlin, dem Schüler Rauchs, er-
lernte, dieses neue Werk bildet, wegen seiner ausgeprägten
Charakteristik der kräftigen und energischen Modellirung, sowie
der künstlerischen Auffassung ein neues Blatt in dem Ruhmes-
kranze des Künstlers.

6. Auf Grund des Programms vom 2s. Februar 1888
für den Wettbewerb um die Reiterstatue Viktor Emanuels zu
dem Nationaldenkinal in Rom, zu welchem fünf Bildhauer in-
folge ihrer Beteiligung an der ersten Konkurrenz eingeladen waren,
hat die königliche Kommision am 13. April mit 11 unter 17
Stimmen dent Entwurf des Bildhauers Prof. Enrico Chiaradia
zur Aussührung angenommen. Wie man hört, hat die Preis-
zuerkennung zwischen Chiaradia und Catalamessa geschwankt.
Die fünf Entwürfe sind zur Zeit im Llaseo n-rriooale ausgestellt.

6. V. Berlin. Das Mausoleum für Kaiser Friedrich,
welches nach den Plänen von Julius Rasch dorff neben der
Friedenskirche in Potsdam errichtet ivird, soll auf Befehl des
Kaisers so schnell als es die hohe künstlerische Aufgabe irgend
zuläßt, gefördert werden, damit die Einweihung desselben am
18. Oktober ds. I., am Geburtstage des Dahingeschiedenen, statt-
finden kann.

I.L Elberfeld. Der vornehmlich durch seine idealen
Einzelfiguren und Gruppen rühmlichst bekannte Bildhauer Gu-
stav Eberlein, Berlin, der gelegentlich der Bewerbung um
das Denkmal der Gebrüder Grimm in Hanau mit dem zweiten
Preise ausgezeichnet worden war, hat auf dem Gebiete der Monu-
mentalplastik einen weiteren Erfolg zu verzeichnen. Das hiesige
Preisgericht zur Beurteilung der Entwürfe für das Hierselbst zu
errichtende „Kaiser Wilhelm Denkmal" hat dem genannten
Künstler unter sechs Bewerbern den ersten Preis, bestehend
entweder in der Übertragung der Ausführung nach näher zu
vereinbarenden Bedingungen, oder in dem ausgeschriebenen Preise
in Höhe von 4000 Mk. zugesprocheu. Der Entwurf des Ber-
liner Bildhauers, Prosesjors Alexander Calandrelli, erhielt
den zweiten Preis im Betrage von 2000 Mk. Beteiligt hatten
sich ferner an der Konkurrenz die Bildhauer Janjsen und Thüs-
haus in Düsseldorf, Max Kruse, Berlin, Wilhelm Neu,nanu
aus Berlin, gegenwärtig in Rom, und Waller Schott, Berlin,
deren Entwürfe sämtlich mit je 1000 Mk. honoriert wurden.
Eberlein beabsichtigt, den preisgekrönten Entwurf zur Ausführung
zu bringen.

tt. Stuttgart. Der hiesige Architekt Mayer hat im
Aufträge des Ausschusses für Errichtung eines Nalionaldenkmals
auf dem Hohenstaufen einen Entwurf ausgearbeilet, der sich
großen Beifalles erfreut. Der Gedanke geht dahin, einen der
Größe des Berges entsprechenden Bau in romanischem Stile zu
errichten, in dem alsdann das Kolossal-Standbild des Deutschen
Kaisers Wilhelm I. zu stehen kommen soll, das von den Ge-
stalten seines Sohnes, des Kaisers Friedrich und seiner getreuen
Paladine umgeben würde. Wert über die Lande soll das monu-
mentale Denkmal hinausschauen als ein Zeichen miedererstandener
deutscher Herrlichkeit.

lr. Berlin. Der Bildhauer Professor Paul Otto Hier-
selbst hat das Modell für den Bronzeguß zu dem ihm in Auf-
trag gegebenen vr. Martin Luther-Denkmal, das bekanntlich
im Zuge der Kaiser-Wilhelmstraße auf dem „Neuen Markt"
Aufstellung finden wird, nahezu vollendet.

: Ga st ein. Auch Gastein wird durch die Munisizenz
eines Berliner Bürgers, Hugo Abesser, ein Denkmal Kaiser
Wilhelms erhallen. Das Gefamlmodell rührt von de» Architekten
Abesser und Kröger in Berlin her, die Büste des Kaisers
ist von dem Bildhauer Kowalsky modelliert und bei Schaefser
L Walker in Berlin gegossen worden.

— Kissinge n. Das König Ludwig-Denkmal für Kissingen
soll von Professor Knoll in München in Marmor ausgesührt
und im August enthüllt werden.

Preisausschreiben

* Der Verwaltungsausschuß der Tiedge-Sliftung zu Dresden
veröffentlicht soeben ein neues Preisausschreiben. Es soll eine
reichlich lebensgroße Statue der Gerechtigkeit in Bronze
ausgesührt werden, um damit einen von der Stadt Dresden auf
dem Holbeinplatze daselbst zu errichtenden Zierbrunnen zu krönen.
Alle deutschen Künstler werden aufgefordert, sich an der Lösung
dieser Ausgabe durch Anfertigung und Einsendung von Entwürfen
für den Brunnen und die Statue zu beteiligen. Für die besten
der in ein Achtel der natürlichen Größe anzuferligenden Entwürfe
werden ein erster Preis von 800 Mk. und zwei Preise von je
500 Mk. gewährt. Die Preisbewerbungsdedingungen nebst
Lageplan werden in der Ausstellung des' Sächsischen Kunstvereins
von dessen Kastellan, Herrn Alphons Höme, Augustusstraße Nr. 3
Dresden-A., auSgegeben. Ebendort sind die Entwürfe mit einem
Kennspruch versehen und unter Beifügung eines nul demselben
Kennjpruch beschriebenen versiegelten Briefumschlags, bis zum
1. Oktober d. I., nachmittags 4 Uhr, abzuliefern.

OL. Brünn. Zur Beteiligung an der Konkurrenz um
das Hierselbst auf dem Platze vor dem in Bau befindlichen
„Deutschen Hause" in Bronze zu errichtende Denkmal Kaiser
Joseph II. werden sämtliche deutsche Künstler eingeladen.
Das Denkmal soll den großen Kaiser in seiner historischen Ge-
wandung und stehend darstellen. Die Beigabe von allegorischen
Figuren, Reliefs oder anderweitem Schmucke des architektonischen
Unterbaues bleibt dem Ermessen des Künstlers überlassen, doch
muß die Würdigung des Ackerbaues, die Hebung der Industrie
und die Erteilung der Religionsfreiheit durch Joseph II. an-
gedeutet werden. Die Kosten der Herstellung des Denkmals
einschließlich sämtlicher Nebenkosten dürfen die Summe von

40.000 fl. ö. W- nicht übersteigen. Bei den zur Konkurrenz
eingesandten Modellen muß die Hauptfigur mindestens 60 cm.
messen, darf aber höchstens 65 cm. hoch sein. Die Ein-
sendung der Modellskizzen an den Kaiser Joseph-Denkmalverein
in Brünn (zu Händen des Obmann-Stellvertreters Or. Gustav
Trautenberger) hat bis zum 30. November d. I. zu erfolgen.
Als Preisgericht werden vier Mitglieder des Denkmalsausschusses
und die Herren Professor Kaspar von Zumbusch, Wien,
Bildhauer Otto Lessing, Berlin, und k. k. Oberbaurat Frei-
herr von Schmidt in Wien fungieren. Zur Verteilung gelangen
zwei Preise, ein erster irr Höhe von 1000 fl. und ein zweiter
zum Betrage von 500 fl. Die Angegangenen Konkurrenzent-
würfe werden während zweier Wochen öffentlich zur Ausstellung
gelangen. Ausführliche Prospekte sowie der Situationsplan
können von vr. Gustav Trautenberger in Brünn bezogen werden.

— Berlin. Dem Preisgericht für das Kaiser Wilhelm-
Natioualdenkmal gehören an: Für den Bundesrat: Staatsminister
von Boelticher, der bayerische Gesandte Graf von Lerchenfeld-
Koefering, der Gesandte der Hansestädte vr. Krüger; für den
Reichstag: der Präsident von Levetzow, die Abgeordneten 1)r.
Freiherr Heereman von Zuydwyk, Or. Roemer, Wichmann;
als Vertreter der Kunst: Professor Peter Janssen, Düsseldorf,
Professor E. Encke, Berlin, Professor F. von Miller, München,
Professor H. Volz, Karlsruhe, Stadlbaurat Blankenstein, Berlin,
Oberbaural von Leins, Stuttgart, der Direktor der königlichen
Nationalgalerie I)r. Jordan, Berlin. Die Aufstellung und Be-
urteilung der Entwürfe wird in dem großen BUdhauersaal und
in den angrenzenden Sälen des Landes-Ausstellungsgebäudes zu
Berlin erfolgen. Die Künster, welche sich an der Prelsbewerbung
beteiligen, werden demgemäß ersucht, ihre Arbeiten in dem
LandeS-Ausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof einzureichen.

— Rostock. Der Kunstverein zu Rostock hat für den
Bau eines Museums die Ausschreibung einer Konkurrenz be-
schlossen. Das zur Verfügung stehende Kapital beträgt bereits

100.000 Mk.

— Itzehoe. Der Ausschuß des Komitees für das in
Itzehoe zu errichtende Kaiser Wilhelm-Denkmal hat eine öffent-
liche Preisbewerbung ausgeschrieben und drei Preise von 300,
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