Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Unsere Bilder

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Zaiser Friedrich i. Sieg bei Ikonium. von 6. wislicenus

Ohne eigentlicher Kolorist zu sein, vielmehr der romantisch
klassizistischen Schule des Cornelius angehörig, malt er
aber doch fast immer harmonisch, thut einem nie weh und
versteht in der Komposition dramatisch lebendig zu sein; seine
Menschen sind überdies, wenn auch nicht eigentlich indi-
viduell, doch immer charakteristisch und der Zeit gemäß.
Mau wird daher von seiner Arbeit nur mit der größten
Achtung sprechen können, da sie überall einen hohen und
edeln Geist verrät und dabei doch klar und verständlich
bleibt. — Weit mehr als gegen die Bilder, wäre gegen
die Einrahmung derselben und die ganze farbige Deko-
ration des Saales einzuwenden, da sie so süßlich modern,
bunt und stimmungslos als möglich war, als sie Referent
sah, viel mehr geeignet die Bilder totzuschlagen, als zu
heben. — Ohne Zweifel hat sie hauptsächlich die oft sehr
ungerechten Urteile verschuldet, die über das Ganze gefällt
wurden. Doch soll sie seither verbessert worden sein, was
gar sehr zu wünschen wäre. Dennoch wirkt der alte,
majestätisch geheimnisvolle Bau so übermächtig in seiner
herrlichen Umgebung, daß der Genuß dieses köstlichen
Monuments den Besucher überreich lohnt, das so ganz
geeignet ist, uns mit Achtung vor einer ehrwürdigen
Vergangenheit, und mit Stolz auf die ihr glücklich neu
verbundene Gegenwart zu erfüllen.

Wir kommen nun zur „Elena" des Herrn H ößlin.
Dieselbe ist offenbar nicht die trojanische, was wir ausdrücklich
bemerken, zur Vermeidung von Mißverständnissen, die ihrem
Ruf nachteilig sein könnten. Um so mehr als sie den
Umgang mit Paris nicht verläugnet, aber freilich nicht
mit dem soviel Unheil stiftenden Prinzen, sondern mit der
an der Seine thronenden Dame, die dessen noch mehr
angerichtet hat. — Indessen ist man immer geneigt hübschen

Mädchen zu verzeihen, ob sie nun griechisch oder fran-
zösisch frisiert seien und so wollen wir denn auch nicht
weiter über die Vergangenheit dieser Dame grübeln, da
sie eine so anziehende Gegenwart besitzt.

Antike Zeit und Renaissance wirken bekanntlich gleich
mächtig zusammen, um Rom seinen unwiderstehlichen
Zauber zu verleihen, und nur die Gegenwart mit ihrem
unruhigen Treiben ernüchtert uns dort. Darum zeigt es
uns Oswald Achenbach offenbar auch von einer
Seite wo man nur an jene beiden in zweien ihrer
gewaltigsten Momumente, an die letztere aber nur durch
ein paar recht prosaische Angler erinnert wird, die in
den gelben Fluten der Tiber ihre Beute suchen. Man
verstand sich in Rom eben immer sehr gut aufs Angeln
und Fischen im trüben Wasser und so ist denn diese
Staffage um so besser gewählt, je sicherer der wunderbar
prachtvolle Hintergrund dort geeignet ist die Opfer zu
blenden. Man schwimmt da in einem solchen Meer von
Abendsonnengold, daß man es kaum bemerkt, wenn einem
das bißchen gemünztes aus der Tasche gezogen wird, das
man da hingebracht. Die imponierende Größe dieser
Szene hat aber der Künstler vortrefflich wiedergegeben,
man fühlt nicht nur, daß man vor der einstigen Welt-
beherrscherin steht, sondern auch daß sie noch keinen ihrer
Ansprüche aufgegeben und uns heute zu fesseln versteht
wie vor zweitausend Jahren. F- Pecht.

Den ganzen Sommer hindurch ist der Schweizer
vor allem Gastgeber; aus aller Herren Länder kehren
die Reisenden bei ihm ein, um die Naturschönheiten des
herrlichen Landes zu genießen. Heissah! da geht's lustig
zu; kommen die Fremden doch weit her, um sich zu
amüsieren und lassen sich's drum etwas kosten. Nun

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