Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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vermischte Nachrichten

Linden" nahezu vollendet. Professor Hugo Vogel hat von den
ihm übertragenen Wandgemälden erst zwei fertig gestellt: 1) Die
Räte von Berlin und Köln nehmen das Abendmal in beiderlei
Gestalt (1539), und 2) „Kurfürst Friedrich Wilhelm der Große
empfängt 1685 französische Resugies" —, während noch zwei
weitere Gemälde: „Die Verherrlichungen Schlüters und Schinkels"
darstellend, erst später werden in Angriff genommen werden.
Auf den beiden bereits ausgeführten Gemälden hat der Künstler
einigen Figuren die Züge jetzt lebender Magistralsmitglieder ge-
geben, so z. B. des Bürgermeisters Duncker, des Stadtrats
Schreiner, der Bauräte Blankenstein und Or. Hobrecht auf dem
ersten Gemälde, sowie des Stadtrats Sarre, welcher das zweite
Gemälde der Stadt gestistet hat, auf diesem.

— Kassel. Der Schah von Persien hat auf der Kasseler
Sport-Ausstellung, über die wir in Heft 12 berichtet haben, drei
Gemälde von N. von Klenze und ein viertes von Ludwig
Voltz in München erworben.

— Berlin. Für die Nationalgalerie in Berlin sind acht
Zeichnungen C. G. Pfannschmidts zu seinem „Vaterunser"
angekaufr worden.

tt. Stuttgart. Der König Karl von Württemberg hat
sein wohlgelungenes von Maler G. Zorn ausgeführtes Reiter-
bildnis der hiesigen kgl. Staaisgalcrie überwiesen und es ist das
Gemälde bereits an einem Platze mit bester Beleuchtung ein-
gereiht worden.

* Die Dresdener Kun slgenojsenschafl hat infolge
der früher erwähnten Verhältnisse — vielleicht allzuschnell —
daraus verzichtet, sich au dem Huldigungszuge zu Ehren Sr.
Mas. des Königs von Sachsen beim 800jährigen Jubiläum des
Hauses Wettin zu beteiligen. Sie hat anstatt dessen eine
künstlerisch ausgestattete Adresse überreicht, in welcher sie ihre
Glückwünsche ausspricht und die Verdienste des Hauses Wettin
feiert. Es heißt darin u. a.: „Mit Stolz empfindet das Volk,
welche hohe Kulturbedeutung .der Staat Sachsen dank der Für-
sorge und Weisheit seiner Fürsten für das gesamte deutsche
Vaterland gewonnen hat. Ackerbau und Industrie, Handel und
Gewerbe, Kunst und Wissenschaft, Erziehung und Rechtspflege
sind in ihren Einrichtungen, ihren Leistungen, ihren Wirkungen
auf das Wohl der Bevölkerung lebendige beredte Zeugen einer
800 Jahre gepflegten Kultur. Innerhalb dieser Kulturent-
wickelung ist vor allem der Kunst ein hochbedeutsamcr Platz
angewiesen. Kunstliebe und fürstliche Freigebigkeit von Sachsens
Herrschern haben das Land und insbesondere Dresden zur
Schatzkammer edelster Kunstschöpfungen gemacht, haben Künstlern
den Impuls und die Mittel gegeben, als die besten ihrer Zeit
wirken zu können. Dank der wohlwollenden Fürsorge Ew.
Majestät und des königlichen Hauses wird auch unter den
heutigen Bedingungen modernen Staatslebens der Kunst auf-
merksame Pflege, ausmunternde Förderung, weitverzweigte Aus-
breitung zuteil. Begeisterungsvoll regen die Künstler unter Ew.
Majestät erhabenem Schutz die Schwingen ihrer Kraft, milzu-
streben zum großen Ziele der Schöpfung nationaler Kunst zum
Wohle und zur Ehre unsres deutschen Vaterlandes, dessen Ein-
heit und Größe Ew. Majestät in heldenmütigem Kampfe mit
errungen haben. Der heutige Jubeltag läßt uns all dieser
Momente segensvoller Entwickelung doppelt eingedenk sein und
vereint mit allen treuen Sachsen bitten auch wir: Gott schirme,
schütze und segne Ew. Majestät, das Haus Wettin und sein
geliebtes Sachsenland. In unwandelbarer Treue und Hin-
gebung Ew. Majestät allerunterthänigste Dresdener Kunstge-
nossenschaft."

Ir. Berlin. Die von der Akademie der Künste für das
laufende Jahr für Bildhauer ausgeschriebene Konkurrenz um
deu großen Rompreis, bestehend in einem Stipendium von
6000 Mk. zu einer zweijährigen Studienreise nach Italien, hatte
den zur Lösung der Hauptaufgabe zugelassenen vier Bewerbern
folgendes Thema gestellt: „Merkur führt dem Charon die
Seelen Dahingeschiedener zur Überfahrt nach der Unterwelt
zu." Die Schwierigkeit bestand hier wesentlich im Arrangement
imlerhalb eines beschränkten Raumes. Diese Schwierigkeit ist
von allen Bewerbern mehr oder weniger glücklich gelöst worden,
wenn auch die moderne Ausführung einiger Personen störend
wirkt. Die Preisrichter, bestehend aus den Mitgliedern des
Senats und der Genossenschaft der ordentlichen Mitglieder der
Akademie der Künste, haben ihr Urteil gefällt und den Preis
dem Bildhauer Wilhelm Haverkamp zuerkannt, gleichzeitig

Für die Redaktion verantwortlich: Fritz Schwartz —

aber auch dem Mitbewerber Bildhauer Ernst Wencke eine
„ehren d e Anerkennung" öffentlich ausgesprochen. Haver-
kamp ist am 4. März 1864 zu Senden, Kreis Lüdinghausen,
geboren und seit dem Sommersemester 1883 Schüler, der aka-
demischen Hochschule für die bildenden Künste Hierselbst, auf
welcher er seine Studien besonders unter Albert Wolfs und
Fritz Schaper machte. Auch Ernst Wenck, am 18. März 1865
zu Reppen geboren, hat sich seit 1885 dem Studium der Bild-
hauerkunst aus hiesiger Hochschule hingegeben und vornehmlich
Schapers Unterricht genossen. Die Entscheidung der Preisrichter
findet allgemeine Zustimmung. Die preisgekrönte Arbeit geht
in das Eigentum der Akademie über.

O.v.dl. Ein neues Druckverfahren für Illu-
strationen. Unfern Lesern ist cs nicht unbekannt, wie müh-
sam es ist, ein Bild so weit zuzurichten, daß es im Druck jo
erscheint, wie es der Künstler gewollt, daß die dunklen Teile
nicht zu hell und die Hellen nicht zu dunkel geraten, daß cs sich
mit andern Worten in der richtigen Abtönung dem Auge dar-
bietet. Dies wurde bisher und wird noch zumeist auf folgende
Weise erzielt: Der Kunstdrucker schneidet aus dünnem Papier
die Stellen aus, welche sich bei dem ersten Abdruck, also beim
ersten Durchgehen des Bildes durch die Presse, als zu hell er-
weisen und beklebt mit diesen Ausschnitten den Truckcylinder
genau an der Stelle, mit welcher dieser Cylinder auf die be-
treffende Bildstelle zu liegen kommt. Dadurch entsteht allmählich
auf dem Cylinder ein Relief, welches die Wirkung hat, daß der
Druck auf das Papier bei den erhabenen Stellen schärfer ist
und das Papier somit mehr Farbe annimmt. — Das Verfahren
ist so umständlich und zeitraubend, daß man schon lange auf
ein praktischeres Mittel zur Herstellung der unumgänglich
nötigen Reliefs sinnt. Namentlich hat man die Papierausschnilte
durch einen Anstrich zu ersetzen gesucht, den man mit einem
Pinsel aus die zu erhöhenden Cylinderstellen austrägt, so daß
diese Stellen sich von der Umgebung etwas abheben. Doch
haben diese Zurichtungsmethoden bisher wenig Anklang ge-
sunden. — Den Druck der Illustrationen sucht man anderseits
neuerdings besonders in Amerika, aber auch in Deutschland,
durch das sogenannte gestrichene Papier zu erleichtern, d. h.
durch ein Papier, welches mit einem glänzenden emailleartigen
Überzug versehen ist. Allerdings kommen die Bilder aus solchem
Papier sehr schön zur Geltung; doch bietet es den Übelstand,
daß es sich unangenehm ansühlt, daß es wie ein Spiegel glänzt
und die Augen ermüdet, daß es sehr leicht bricht — man kann
es also nicht salzen — daß es ebenso leicht schmutzig wird und
daß es überhaupt wenig Dauerhasligkeit besitzt. Man kann es
aus diesen Gründen zum Druck von illustrierten Zeitschriften
kaum verwenden. — Bessern Ersolg verspricht vielleicht, wie wir
„Freien Künsten" entnehmen, ein von Fischer L Wittig in
Leipzig zur Patentierung angemeldetes Verfahren. Die ge-
nannte Druckerei bedruckt das Papier, jedoch nur an den Stellen,
wo Illustrationen hinkommen sollen, mit einer Masse ähnlich
der, welche zu Farbendrucken verwendet wird. Der genannten
Zeitschrift zufolge lassen die so hergestellten Drucke wenig zu
wünschen übrig. Das Verfahren eignet sich jedoch anscheinend nur
für Tonbilder, also sür gewöhnliche Textillustrationen nicht.

— Der praktischste aller photographischen Momentapparate
sür Dilettanten dürfte zur Zeit die von dem Münchener Maler
Hans Pöck ersundene Repetier - Geheim - Kamera sein.
Die Einrichtung und Handhabung ist von verblüffender
Einfachheit, die Größe 25 X b X 10 cm, die äußere Form die
eines kleinen Malkastens. 15 Trockenplatten haben in der
Kamera selbst Platz, das darunter liegende Magazin faßt noch
20 Platten, so daß also mit einmaliger Füllung des Apparates
35 Ausnahmen in Visitkartengröße gemacht werden können und
zwar in einer solchen Schärfe, daß sic 8—10 fache Vergrößerung
gestalten. Den Generalvertrieb hat Herr F. von Bayer, München,
Theresienstr. 39, übernommen, der die Kamera um 80 Mk., mit
Umhängetasche um 88 Mk. liefert.

D-daLliousschluh 2S. Juni — Ausgabe 13. Juli

Cnhalt des Zwanzigsten Leftes: tzert! Fr. Pccht. Die eiste Münchener
Jahresausstellung II. — Otto Brandes. Der Pariser Salon 188S II.
(Schluß! — Johannes Proelb. Modelle. Ein Novellentranz II. Die
braune Burgei 2 (Schluß) — ' Das König Johann-Denlmal in Dresden —
Kunstnotizen ic. — Ailderbeikageu: Joseph Block, Balh-Seba — Wilh.
Löwith, Atelierbesuch — Josef Wunsch, Neckereien — Wilh. Frey,
Viehweide an der Weser.

Druck der Bruckmann'schen Buchdruckerei in München
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