Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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kamen dabei gut weg. Es befinden sich unter den
Prämiierten fast durchweg Künstler von einem
stark ausgesprochenen Farbengefühl, womit, von
den Preisrichtern vielleicht selbst ungewollt, zugleich
als das Charakteristikum der Hamburgischen Rat-
haussaal-Konkurrenz das Uebergewicht der Farbe
anerkannt worden ist. Und in der That hat es wohl
noch nie einen Wettbewerb in der Monumental-
malerei gegeben, in dem so viel Farbenfröhlichkeit
mit am Werke gewesen, wie gelegentlich der eben
zu Ende gegangenen Hamburgischen Konkurrenz,
was vielleicht als eine Reverenz angesehen werden
könnte, erwiesen der Sonderstellung, die Hamburg
seit Runge bis in unsere Tage in der Wert-
schätzung des Kolorismus gegenüber dem übrigen
Deutschland immer eingenommen, was aber weit
richtiger ein Ausdruck der entschiedenen Vorherr-
schaft der Farbe in der deutschen Gegenwartskunst
sein mag. Was nun folgen soll und kann, nachdem
die Konkurrenz ergebnislos verlaufen, weiss zur
Zeit hier niemand. Die meiste Wahrscheinlichkeit
spricht für eine Vergebung der einzelnen Aufgaben
an einzelne namhafte Künstler, die vorher zur Ein-
sendung von Skizzen aufgefordert werden dürften.
Doch ist dies nur eine persönliche Annahme, der
es zur Zeit und wohl auch noch für lange hin an
einem ernstlich in Betracht kommenden Unter-
grund fehlt. Ein neuestens in Zirkulation gesetztes
Gerücht will wissen, dass die ganze Arbeit in Bausch
und Bogen an Arthur Fitger in Bremen ver-
geben werden solle. Ich für meine Person möchte
nicht daran glauben, es bleibe aber hier nicht un-
verzeichnet. l12l

tz. DÜSSELDORF. Die Entwürfe, welche
infolge des vom Kunstverein für die Rheinlande
und Westfalen erlassenen Wettbewerbsausschreibens

für die künstlerische Ausschmückung des Sitzungs-
saales im Kreishause zu Cleve eingegangen waren,
sind gegenwärtig im Düsseldorfer Kunstgewerbe-
Museum ausgestellt. Als Sieger in der Konkurrenz
ist, wie bereits bekannt gegeben, der junge Ge-
schichtsmaler J. Deusser, der Düsseldorfer Aka-
demie angehörig, hervorgegangen. Sein Entwurf
ist entschieden auch der stärkste, den Gegenstand
am prägnantesten darstellend. Das gegebene Thema
war folgendes: Auf der dem Fenster des Sitzungs-
sales gegenüber liegenden Schmalwand sollte ein
wichtiger Moment aus der Cleveschen Geschichte,
Der Abend nach der siegreichen Schlacht bei Clever-
hamm - dargestellt werden. Das vorgeschriebene
Motiv war: Dem Grafen Adolf von Cleve werden
die Gefangenen vorgeführt, darunter sein Oheim,
der Herzog Wilhelm von Berg, ferner die Grafen von
Jülich, Sayn, Salm, Neuenahr usw. Erbeutete Banner,
Schilde und Waffen werden auf einen Haufen zu-
sammengetragen. Im Hintergrunde erhebt sich
die Burg Cleve. Von den eingelieferten Entwürfen
konnte kaum die Hälfte in Betracht kommen. Die
vier besten Entwürfe haben den Vorwurf in ziem-
lich gleicher Auffassung behandelt. Das Leitmotiv
ist das grausame >Vae Victisc. Menschlich näher ge-
bracht ist das Geschehnis, das kein welterschütterndes
Ereignis war, durch das verwandtschaftliche Ver-
hältnis des Siegers zum Besiegten. Bei dem einen
der Entwürfe ist die Tragik der - Wehe dem Be-
siegten stärker, bei dem andern mehr der unbeug-
same Trotz desselben zum Ausdrucke gebracht.
Deusser hat den Gegenstand sehr lebensvoll ge-
staltet; seine Schilderung giebt ohne Pathos und

zwei freunde

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