Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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Staatliche Museen
zu Berlin

PERSONAL- UND ATELIER-
NACHRICHTEN

tz. DÜSSELDORF. Am 31. Januar ist der Bild-
hauer Josef Reiss gestorben, der insbesondere auf
dem Gebiete der christlichen Kunst Bedeutsames
geschaffen hat. Sein Hauptwerk ist die in carrarischem
Marmor ausgeführte > Pietä-Gruppe«, welche die
Leser der >K. f. A.< aus der in H. 20 d. XII. Jahrg.
gebrachten Wiedergabe kennen. Dieses, im Auftrage
des preussischen Kultusministers entstandene und
von demselben für die St. Geronskirche zu Köln
bestimmte Werk hat bekanntlich in einer eigens
für diese Gruppe erbauten Kapelle im Jahre 1898
seinen bleibenden Platz gefunden. An sonstigen
Schöpfungen des Künstlers sind zu nennen: di£
Hochaltäre in den katholischen Kirchen zu Grefrath
und zu Hüls bei Krefeld, die Mariensäule und die
grosse Kalvarienberggruppe an der St. Lambertus-
kirche zu Düsseldorf, ein wiedererstandener Christus
auf dem Friedhofe daselbst, das Mercatorstandbild
und das Kriegerdenkmal zu Duisburg und die bildne-
rischen Arbeiten für die neue Marienkirche zu Düssel-
dorf, welche das Letzte waren, was der Verewigte
schuf. Josef Reiss ist am 28. Oktober 1835 in Düssel-
dorf geboren. Seine erste Ausbildung erhielt er auf der
hiesigen Kunstakademie und war dann Schüler des
Bildhauer Julius Bayerle. Darnach bildete er sich
durch Studienreisen in Deutschland, Belgien und
Holland weiter aus. Er gehörte zu dem Kreise der
Düsseldorfer Nazarener: Deger, Ittenbach, Karl und
Andreas Müller, und zwischen den plastischen
Werken Reiss' und den Bildern der genannten Maler
besteht eine bestimmte Verwandtschaft im Stil und
in der Auffassung, die ein lebendiges Schönheits-
gefühl mit einer tiefinnigen religiösen Empfindung
verbindet. I35')

— MÜNCHEN. Von der Künstlergenossenschaft.
Die am 1. Februar unter der Leitung des zweiten
Präsidenten, Prof. Hans Petersen abgehaltene

ausserordentliche Generalversammlung führte, da
wichtige Sachen zur Beratung vorlagen, zu lang an-
haltenden Debetten. Bezüglich der Jahresausstellung
1900 wurde bestimmt, dass sie ähnlich der vorjährigen
organisiert werde. Die zur Fertigstellung des
Künstlerhauses noch nötigen Mittel wurden ge-
nehmigt. Es handelte sich dabei um die Bewilli-
gung zur Aufnahme von 200000 M. als zweite Rate
des Bankkapitals und einer weiteren Zuwendung
von 100000 M. aus Mitteln der Genossenschaft. Die
feierliche Eröffnung des Hauses ist für März in Aus-
sicht genommen, des weiteren ist auch die Bildung
eines Künstlerhausvereines, dem alle Münchener
Künstler, und auch Kunstfreunde, werden beitreten
können, bereits in die Wege geleitet. Ueber das
Künstlerhaus selbst, diese neueste Schöpfung Prof.
Gabriel Seidls (unsere Leser werden sich der in
H. 15 d. XI. Jahrg. gebrachten Abbildung des Ent-
wurfes erinnern) werden wir später eingehend in
einem illustrierten Aufsatz berichten. — Für die von
der Akademie der Künste gestellten Preisaufgaben
für 1899 1900 war den Malern »Das Spiel< als
Thema gegeben worden, die Bildhauer hatten einen
= St. Georgsbrunnen«, freistehend oder als Wand-
brunnen gedacht, zu bearbeiten. Die annähernde
Gleichwertigkeit der besten Entwürfe veranlasste das
Kollegium, von der Zuerteilung eines ersten Preises
abzusehen und in beiden Abteilungen die verfüg-
baren Mittel auf je fünf zweite Preise zu verteilen.
Diese wurden zuerkannt den Malern : Georg Seiler
(Schule v. Löfftz), Heinrich Brüne (Schule v. Wagner),
Hans Böhm (Schule v. Diez), Emerich K. Simay
(Schule Zügel), Emanue! Hegenbarth (Schule Zügel);
den Bildhauern : Albert Vorster (Schule v. Ruemann),
Josef Moest (Schule Eberle), Hans Sautter (Schule
Eberle), Theodor v. Gosen (Schule v. Ruemann),
Aug. Pausenberger (Schule v. Ruemann). Ausserdem
erhielten für ihre Entwürfe Belobungen die Maler:
Otto Rünzi (Schule v. Diez), Emil Weber (Schule
J. Herterich), Erich Eichler (Schule Zügel), Gius.
v. Finetti (Schule Zügel), Em. Hegenbarth für eine

Die Kirnst für Alle XV.

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