Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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AN DER WENDE DES JAHRHUNDERTS -CSS^

v. Kramer unstreitig unübertroffen da, wie PERSONAL- UND

das sein grosser Portalbau für den Saal des ATELIER-NACHRICHTEN

Hamburger Rathauses am besten beweist.

* * tz. DÜSSELDORF. Der Historienmaler Franz

Müller hat für die St. Remigiuskirche in Bonn,

Fassen wir nun die Ergebnisse unserer für welche er nach dem hinterlassenen Entwurf

Untersuchungen zum Schluss noch einmal seines Onkels, des Prof. Carl Müller, das grosse

kurz zusammen, so finden wir: Altargemälde »Ecclesia«, eine allegorische Darstel-

, „ . ' . . , , lung der Theologie im Sinne der -Disputa- aus-

1. Dass seit dem Anfang des sechzehnten füh°te( zwei weitere Gemälde im Anschluss an das
Jahrhunderts sich die bildenden Künste Altarbild vollendet. Dieselben stellen zwei hervor-
in ganz Deutschland, wie speziell in ragende Kirchenväter dar: Papst Leo I., den Grossen
München niemals mehr eines so innigen und Papst Gregor I. den Grossen. Beide im strengen,
_ , . , ° ernsten kirchlichen Stile, dem Mittelbilde ent-
Zusammenhanges mit der ganzen Nation sprechend gehalten, sind geistvoll in der charakte-
zu erfreuen hatten, als heute bei Beginn ristischen Auffassung und Individualisierung der
des neuen grossen Kirchenlehrer, getreu nach der geschieht-

2. Dass dieser innige Zusammenhang, wie Uchen Ueberlieferung. - Der Verleger des Artist

, , „ , Centraiorgan für die gesamte Artistenweit, Friedrich

damals durch die Verbreitung der Buch- Lintz in Düsseidorf, hatte eine Konkurrenz um die
druckerkunst, so heute hauptsächlich Herstellung eines neuen Titels ausgeschrieben. Die
durch die ganz ungeahnte Ausbreitung eingegangenen Entwürfe waren im Juli im Lichthofe
der Photographie und der sich ihr an- des Kunstgewerbe-Museums zu Düsseldorf ausge-
.. , , & £. , , . „.. stellt. Den ersten Preis erhielt R.Knoebel in Dresden

gliedernden Reproduktionsarten gefor- für seinen Entwurf) einen Athleten darstellend, der
dert ward. mit ausgestrecktem Arm eine schwere Handhantel

3. Dass aber nächst der ausserordentlichen wagerecht hält. Der zweite Preis wurde Fr. Koch
Blüte der Druckeewerbe doch die Bau- in LeiPzig> der dritte A- Weisgerber in München
i ii j- i ,onn zuerkannt. p9'!
kunst — allerdings erst seit 18/0 — = MÜNCHEN. Die „Deutsche Gesellschaft für
den grössten Aufschwung genommen hat. christliche Kunst" hat hierselbst in den Parterre-

4. Dass jedenfalls auch die
Malerei sich rühmen kann,
ein getreuerer Spiegel des
gesamten nationalen Lebens
und seiner Ideale geworden
zu sein, als ihr dies seit
dem sechzehnten Jahrhundert
jemals wieder gelungen. —

5. Dass alle Fortschritte, welche
diese Kunst wirklich gemacht,
mit einer weit genaueren Be-
obachtung der Natur, sowohl
des Menschen als der übrigen
Schöpfung zusammenhängen,
also wesentlich realistischer,
nicht idealer Art sind.

Dieser vielleicht grösste Fort-
schritt von allen: die schärfere
Individualisierung der Gestalten
überhaupt, dann aber besonders
die feinere Beobachtung der rasch
vorübergehenden Regungen und
Bewegungen bei den Menschen,
aber auch bei der übrigen Natur,
ist um so höher anzuschlagen, als
sie rein künstlerisch und keines-
wegs eine blosse Erweiterung des
Stoffkreises ist. Unstreitig ver-
dankt die deutsche Kunst diesen
Gewinn in erster Linie Menzel,
dann aber auch Knaus, Defregger
und noch vielen anderen. max koner ««««« bildnis des

._ (vergl. Nekrolog i. h. 22.) bankiers schwarz

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