Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 17.1919

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NEUE BÜCHER

Honore Daumier, Holzschnitte: 1833 —1870.
Herausgegeben von Eduard Fuchs. Albert Langen
Verlag, München.

Der Kunstfreund muss dem Verlag und dem Heraus-
geber für diese Wiedergabe von 522 Holzschnitten
Daumiers in der Grösse der Originale dankbar sein. Es
ist sehr wertvoll, diesen wichtigen Teil des Lebenswerkes
Daumiers anschaulich zusammengedrängt in Händen
zu halten und bequem zu geniessen, was gewissen-
haft und mit genauester Kenntnis des Materials zu
sammeln den Herausgeber ein Stück Leben gekostet
hat. Die Leidenschaft Eduard Fuchsens für einen ge-
nialen Künstler wie Daumier ist an sich schon sympa-
thisch, sie wird darüber hinaus fruchtbar, weil er
es versteht, alle Kunstfteunde daran profitieren zu
lassen, weil er als Herausgeber nun allen zugänglich
macht, was er geduldig lange Jahre sich zur Freude
gesammelt hat.

Die Schwierigkeit, so viele Holzschnitte verschie-
denen Formates in einem Folioband gut anzuordnen,
ist mit Geschmack überwunden; im allgemeinen machen
die viele kleine Vignetten oder grosse Vollbilder
enthaltenden Seiten einen vortrefflichen Eindruck. Ob

die Wahl des Papiers ganz glücklich gewesen ist, Hesse
sich nur entscheiden, wenn man eine Anzahl der Ori-
ginaldrucke mit den Wiedergaben vergleichen könnte.
Das Papier will einem etwas weich und der Druck
stellenweis etwas fett erscheinen. Die Einleitung des
Herausgebers beweist, wie ernsthaft er sich mit seinem
Künstler und mit dessen Zeit beschäftigt. Fuchsens
Studie würde aber kunstwissenschaftlich noch wert-
voller sein, wenn nicht eine sozialistische Tendenz da-
neben störend hervorträte. Man kann über Daumier
als Kunstgelehrter schreiben, man kann über ihn als
Enthusiast schreiben, und man kann endlich sogar wir-
kungsvoll über ihn schreiben, wenn man eifriger Sozia-
list und demokratischer Politiker ist. Aber man kann
nicht alles dieses zu gleicher Zeit thun, ohne falsche
Töne und schiefe Urteile zu vermeiden. Es ist schade,
dass Fuchs aus der Schilderung, die er von Daumier
und dessen Zeit gegeben hat, die eigene Person nicht
mehr hat fernhalten können.

Ein MissgrifF, der hiermit zusammenhängt, ist, dass
dem Buch ein „Vorwort des Verlags" vorangestellt
worden ist, das eigentlich der Text eines Verlagspro-
spektes ist. Karl Scheffler.

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