Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 17.1919

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über das Dienstliche oder das Klauen genau so ein-
dringlich wie er einsrmitdenandernübergesetzmässigen
Bildaufbau gesprochen hatte. Sie liebten ihn sehr und
hielten ihn, wie so mancher auch früher, für einen ver-
trauten Freund und ahnten nicht, dass er im Grunde ein
ganz fremder Mensch sei: denn er hatte die Gabe, bei
anscheinend grösster Offenheit einen unsichtbaren Vor-
hang zu ziehen vor das, was der andere nicht betreten
sollte. Seine Kunst aber, die im einsamen Zirkel, im
harten Ringen mit sich und dem Objekt nur gedeihen
konnte, zum billigen Gelegenheitswerk zu missbrauchen
lehnte er freundlich und entschieden ab, und so gelangte
er nicht in die unerfreulichen, aber sicheren Gefilde
der Schreibstuben hinter der Front. -

Den Bau seines Lebenswerkes hat er unvollendet
lassen müssen, und es ist eine müssige Frage, wie er
ihn gekrönt hätte. Wir aber wollen uns des konstruk-
tiven Ernstes freuen, der aus jeder Quader spricht,
welche der unbestechliche Werkmeister behauen und
gefügt hat. — Schwulst und Phrase sind heute oft un-
lösbar auch mit den besten Werken der Zeitgenossen
in Malerei und Dichtung verknüpft. Beides verlachte
er, und wir müssen ihm dankbar dafür sein. Mag er
nicht bis in die Sternenhelle der absoluten Vollendung
gekommen sein, er war doch auf dem steilen Pfad da-
hin, geführt und gestärkt durch die besten Eigenschaften
deutschen Künstlertums: Charakter, Männlichkeit, Sach-
lichkeit.

UKTIONSNACHRICHTEN

BERLIN

Auktion, „Berlin und Ber-
liner Kunst" bei Henrici

Dass man Zeichnungen und Aquarelle von Menzel
in diese Berolinensien-Auktion mit hineingenommen
hatte, erwies sich als ein taktischer Fehler, Die Gebote
waren derart niedrig, dass die Menzelschen Original-
arbeiten aus der Versteigerung zurückgezogen wurden.
Auch seine Kreidelithographien waren billig, keine
brachte mehr als 50 Mark, kein Holzschnitt über
25: Mark und nur eine Radierung stieg bis auf
400 Mark.

Dagegen wurden die richtigen Berliner lebhaft um-
stritten. Theodor Hosemann, der neuerdings
künstlerisch wieder einmal etwas überschätzt wird,
brachte ansehnliche Preise. Unter den Ölbildern war
sein Selbstbildnis mit 9000 Mark am höchsten be-
wertet, eine Gartenlandschaft kostete, ebenso wie das
„Gänseliesel", 3000 Mark, und das Aquarell der
„Arbeiterkneipe", übertraf den gewöhnlichen Durch-
schnittspreis solcher Sachen, der heute schon um
1000 Mark herum liegt, mit 1350 Mark um mehr als
das Doppelte. Seine Bleistiftzeichnungen kosteten
durchschnittlich etwa 20 bis 30 Mark, Lithographien
manchmal etwas mehr.

Johann Georg Rosenbergs Ansichten aus dem
alten Berlin, wie „Spittelmarkt", „Hackescher Markt",
„Waisenhaus", usw., ziemlich seltene Stiche, brachten
500, 800, einer sogar 15:00 Mark. Wenn man bedenkt,
dass eine schöne Rötelzeichnung von Chodowiecki
mit 1600 Mark bezahlt wurde, ein „Panorama unter

den Linden" mit 2860 Mark, sieht man, dass der
künstlerische Wert auf dieser Auktion nicht einzig
ausschlaggebend war. Angemessen erschienen die
Preise für Krüger: Das Ölbildnis der Dorothea Tieck
erzielte 2 5;00 Mark, das nicht sehr angenehme Bildnis
Friedrich Wilhelms IV nur 500 Mark. Krügerzeich-
nungen kosteten zwischen 100 und 500 Mark, Litho-
graphien bis 175 Mark.

Menzelzeichnungen kamen am 1. und 2. April auch
bei Lepke vor. Ein Profilkopf eines Mannes, 17X11 cm,
brachte 4>o Mark, ein Studienblatt zum „Walzwerk",
30X22 cm, 600 Mark. Hier war auch eine Kreide-
zeichnung von Liebermann, „Knabe mit Ziegen" , für
400 Mark zu haben.

FRANKFURT A. M.

Auktion von Werken Frankfurter Künstler
aus der Sammlung Flau. Kunstverein. 16. April.

Von den Preisen, die für Boehle bezahlt wurden,
notieren wir folgende:

Nr. 18, Gasthaus zum goldenen Ross, Gemälde:
13000 Mark. — Nr. 19, Salvator mundi, Gemälde:
12 000 Mark. — Nr. 20, St. Georg, sein Pferd tränkend,
Gemälde: 13000 Mark. - Nr. 2 I, Kartoffelernte, Feder-
zeichnung: 550 Mark. — Nr. 23, BildhauerHottenroth2,
Federzeichnungen: 490 Mark. Nr. 24, Junggeselle*,
Federzeichnungen: 400 Mark. —

Boehles Radierungen, nach dem Kataloge von
Schrey geordnet:

Knieender Ritter, Seh. 1: 1070 Mark. — Betender
Ritter, Seh. 2: 1020 Mark. — Singender Ritter, Seh. 3:
1200 Mark. — Stehender Ritter, Seh. 4: 1400 Mark. —

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